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Keine Ehrung für Robert Rössle

In Berlin-Buch ist eine Straße nach Robert Rössle benannt. Im Skulpturenpark des Wissenschaftscampus wird durch einen Bronzekopf zusätzlich an ihn erinnert. Es gibt öffentlich zugängliche Hinweise, dass der Geehrte ein Verfechter der nationalsozialistischen Ideologie war, für den sich eine derartige öffentliche Ehrung verbieten sollte. Allerdings blieben mehrere Anschreiben an das Bezirksamt Pankow, in denen um eine Umbenennung gebeten wurde, bisher unbeantwortet.

Büste des Pathologen Robert Rössle. Geschaffen 1960 von Gerhard Thieme. Standort auf dem biomedizinischen Campus Berlin-Buch vor der Robert-Rössle-Klinik. Date 6 July 2010

Büste des Pathologen Robert Rössle. Geschaffen 1960 von Gerhard Thieme. Standort auf dem biomedizinischen Campus Berlin-Buch vor der Robert-Rössle-Klinik.
6 July 2010 CC BY 3.0. DE Axel Mauruszat

Robert Rössle war Pathologe und Anatom. Ab 1929 hatte er in Berlin den Lehrstuhl für Pathologie an der Charité inne. Eines seiner Arbeitsgebiete war die Pathologie der Familie, die er durch Leichensektionen an ganzen Familien studierte. Im Nationalsozialismus hatte er dazu besonders viele Gelegenheiten und nützte, wie er es in einer seiner Publikationen selbst ausdrückte, „die plötzlichen Massentodesfälle in Familien“ aus (aus R. Rössle, Virchows Archiv Bd. 308, 495ff, 1942). Weshalb damals ganze Familien den Freitod wählten, ist hinlänglich bekannt.

 

Im Jahr 1942 war Robert Rössle bereits 66 Jahre. Er hätte sich emeritieren lassen können. Er ließ sich jedoch in den wissenschaftlichen Senat des Heeressanitätswesens berufen, wo er die Folgen von Luftstoßschäden und der Druckfallkrankheit untersuchte. Für wie wichtig er seine zweifelhafte Arbeit hielt, wird in folgendem Zitat deutlich: „Bei dem Gewicht, welches die staatiche Gesundheitsführung heute der Erhaltung und Förderung gesunder Sippen, der Ausmerzung Iebensunwerten Erbgutes beimißt, sollte der Beitrag, den die Pathologischen Institute durch ihre Arbeit zur Klärung erbpathologischer Zusammenhänge zu leisten vermögen, nicht unterschätzt werden.“ (aus R. Rössle, Virchows Archiv Bd. 308, 485ff, 1942).

 

Für „die Ausmerzung lebensunwerten Erbgutes“ war Karl Brandt, einer der Hauptverantwortlichen der Aktion T4,  zuständig. Der war nicht nur Hitlers Begleitarzt, sondern führte den verschleiernden Titel Generalkommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen. Rössle wurde 1944 in den wissenschaftlichen Beirat von Brandts Generalkommissariat berufen. Dem wissenschaftlichen Kuratorium des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hirnforschung, das aktiv an der T4-Aktion beteiligt war, gehörte Rössle bereits ab 1932 ununterbrochen an.

 

Robert Rössle ist wahrscheinlich kein NSDAP-Mitglied gewesen. Dennoch machen ihn seine aktive Laufbahn in herausgehobener Position, seine Beteiligung an Menschenversuchen für die Luftwaffe und seine Nähe zum Krankenmord der Nationalsozialisten zu einem Mittäter der NS-Greuel, nach dem keine Straße benannt werden darf. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch Prof. Thomas Beddies vom Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin an der Charité. Er bestätigte in einer ersten historischen Einordnung, dass „Hinweise auf eine NS-Belastung vorhanden sind, die es aus heutiger Sicht undenkbar erscheinen lassen würden,“ Robert Rössle „durch die Benennung einer Klinik oder einer Straße positiv herauszustellen“.

 

Als Ärztin ist es mir ein Anliegen, dass die Adresse einer renommierten medizinischen Forschungseinrichtung (Max-Delbrück-Centrum, Robert-Rössle Str. 10, 13125 Berlin) nicht den unrühmlichen Namen eines Mannes in die Welt trägt, der mit den menschenverachtenden Taten der Nationalsozialisten in Zusammenhang steht. Das im Skulpturenpark des Campus Berlin-Buch befindliche Mahnmal „Zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Euthanasieverbrechen“ von Anna Franziska Schwarzbach wird, meines Erachtens, durch die gleichzeitige Präsenz des Bronzekopfes von Robert Rössle entwertet. Meine Großmutter, Katharina von Keutz, war eines von Tausenden Opfern der „T4-Aktion“. Auch ihr bin ich es schuldig, dass ich mich dafür einsetze, dass niemand, der mit diesen abscheulichen Taten in Verbindung stand, heute noch geehrt wird.

 

Dr. Ute Linz, 12621 Berlin

 

„Vergangenheit und Gegenwart sind nicht zu trennen“

Johanna Herzing (Jg. 1982) ist Kulturwissenschaftlerin und Hörfunk-Journalistin. Sie widmet sich beruflich überwiegend politischen und historischen Fragestellungen sowie der Region Ostmitteleuropa. Das Schicksal ihrer Urgroßtante Gertrud Ferchland, die 1943 in der Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde ermordet wurde, hat sie in einem Feature für den Deutschlandfunk verarbeitet.

 

 

Johanna und Trude

Johanna Herzing und ihre Urgroßtante Gertrud „Trude“ Ferchland.

 

 

Julia Frick: Wann haben Sie begonnen, über das Schicksal der Schwester Ihrer Urgroßmutter nachzuforschen? Können Sie sich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn Ihrer Recherchen war?

 

Johanna Herzing: Beschäftigt haben mich meine Urgroßtante Trude und ihre Familie schon lange. Das ist aus verschiedenen Gründen eine spannende Familiengeschichte, die mir meine Großmutter schon nahegebracht hat, als ich noch ein Kind war. Trude, so hieß meine Urgroßtante, hatte in den Erzählungen immer einen festen Platz. Meine Großmutter hat ihre Tante sehr bewundert. Trude, so hieß es immer, sei so schlau gewesen, so gebildet, so fleißig; eine Lehrerin, aber in gehobener Position, in der Lesebuchkommission aktiv usw. Eine ledige Frau, die ihre Angehörigen (Schwester, Neffen, Nichten) auch finanziell unterstützt hat. Das wurde alles oft und gern wiederholt. Auf diese Lobrede folgte dann immer deutlich knapper und mit Bitterkeit der Satz: „Die Nazis haben die Trude in der Nervenklinik verhungern lassen“. Ich habe das lange nicht hinterfragt.
Als meine Großmutter starb, tauchte plötzlich ein Koffer mit Dokumenten auf – darin die Sterbeurkunde von Trude. Im Internet fand ich dann sehr schnell mehr heraus über die dort genannte „Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde“, der Ort, an dem Trude gestorben war. Auf einmal wurde alles viel konkreter. Ich glaube, ich hatte Trudes Tod lange Zeit nicht als gezielte Tötung betrachtet, sondern vielleicht eher als eine Art schlimme, aber letztlich nicht planvolle Fahrlässigkeit, die der NS-Ideologie entsprach und entgegenkam.

 

 

Julia Frick: Was waren Ihre ersten Schritte und Anlaufstellen?

 

Johanna Herzing: Schon vor dem „Koffer-Fund“ hatte ich von Zeit zu Zeit in Archiven und im Internet nach Spuren und Dokumenten zu Trudes Familienzweig gesucht. Angefragt hatte ich zum Beispiel bei mehreren Archiven, die ich den verschiedenen Wohnorten von Trude und ihrer Familie zuordnen konnte. Nachdem Trudes Sterbeurkunde aufgetaucht war, hatte ich dann neue Anhaltpunkte für die Recherche. Der Ort, an dem sie gestorben war, Meseritz, heißt heute Miedzyrzecz und liegt in Polen. Eines Tages fand ich einen Eintrag in einer polnischen Datenbank:

Die Krankenakte von Trude lagerte offenbar im Archiv von Gorzow Wielkopolski. Ich fragte beim Archiv an und bekam eine Kopie der Akte zugeschickt. Ich war sehr aufgeregt und berührt, als ich die Akte zum ersten Mal durchging. Die „Trude“ war mir eben durch die Erzählungen meiner Großmutter und ihrer Geschwister sehr präsent. Das war nicht einfach irgendeine entfernte Verwandte! Ich besitze Fotos, Briefe und Kleinigkeiten von Trude, eine Hut-Brosche, eine Nadeldose, Kreuzworträtsel, die sie sich für ihre Schwester, meine Urgroßmutter, ausgedacht hat…

 

 

Julia Frick: Was konnten Sie herausfinden?

 

Johanna Herzing: Trude lebte nach ihrer Einlieferung in Meseritz-Obrawalde nur noch wenige Tage. Sie war aus einem städtischen Krankenhaus in der Nähe ihrer Arbeitsstelle dorthin verlegt worden. Offenbar hatte sie kurz zuvor einen Nervenzusammenbruch erlitten, in einem Dokument ist außerdem von „Depressionen im Klimakterium“ die Rede. Ihre körperliche Verfassung scheint bei der Aufnahme in Meseritz-Obrawalde im Prinzip recht gut gewesen zu sein. Deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass sie dort verhungerte – es war also anders als es die Erzählungen in meiner Familie nahelegten. Sehr wahrscheinlich wurde sie gezielt umgebracht. In Meseritz-Obrawalde geschah das meist durch Überdosierung bestimmter Medikamente, manchmal auch durch Luftinjektionen.
Maßgeblich beteiligt an der Verlegung bzw. der Aufnahme in Meseritz-Obrawalde war Trudes jüngerer Bruder Heinz gewesen, der kurze Zeit vorher als ihr Pfleger eingesetzt worden war, das ging ebenfalls aus der Akte hervor. Für mich war das eine wichtige Information, weil ich vorher dachte, dass die Familie mit Trudes Einweisung nichts oder kaum etwas zu tun hatte. Die Frage aber, inwiefern auch die Angehörigen der „Euthanasie“-Opfer das Schicksal ihres Familienmitglieds beeinflusst haben, ist doch sehr relevant. Der Historiker Götz Aly, mit dem ich in Kontakt stand, war so freundlich, Trudes Krankenakte durchzugehen und mir einige Fragen zu beantworten. Der Akte zufolge wurde Trudes Leichnam ins Krematorium nach Frankfurt an der Oder überführt; die Familie erhielt auch eine Urne, die in Dresden-Hellerau beigesetzt wurde. Laut Götz Aly ist es aber unwahrscheinlich, dass sie wirklich Trudes Asche enthielt. Insofern ist Trudes Urnengrab eher ein symbolischer Ort der Erinnerung.

 

 

„Vergangenheit und Gegenwart sind nicht zu trennen. Trude hat meine Familie bewusst und unbewusst über mehrere Generationen hinweg beeinflusst. Diese Einflüsse der Vergangenheit wahrzunehmen und aufzudecken, kann nur hilfreich sein, wenn wir Gegenwart und Zukunft besser und menschlicher gestalten wollen.“

 

 

Julia Frick: Wie hat Ihre Familie bzw. Ihr Umfeld auf Ihr Engagement und auf die neuen Informationen reagiert?

 

Johanna Herzing: Die meisten Reaktionen auf meine Recherchen waren sehr positiv. Viele der noch lebenden näheren Angehörigen von Trude (die Schwestern meiner Großmutter etwa) erinnern sich ja im Prinzip sehr gern an Trude. Über Trudes Tod zu sprechen war da schon schwieriger – vor allem was die Frage anging, ob Trudes jüngerer Bruder Heinz seine Schwester bewusst dem Risiko ausgesetzt hatte, in Obrawalde ermordet zu werden. Denn auch Heinz hat einen festen und sehr positiven Platz in der Erinnerung der Familie. Der ist ihm schwer streitig zu machen, und letztlich fühle ich mich dazu auch nicht im Recht, denn unter welchen Umständen er Trudes Aufnahme in Meseritz-Obrawalde begleitete, kann ich nicht beurteilen.
Die meisten meiner Angehörigen waren jedenfalls sehr neugierig und interessiert an dem, was ich Schritt für Schritt herausfand. Eine entscheidende Rolle spielt sicher der Umstand, dass es auch in den Generationen nach Trude Fälle von psychischen Erkrankungen und geistiger Behinderung in der Familie gab und gibt. Dadurch ist Trudes Schicksal alles andere als abstrakt und berührt meine Familie auf besondere Weise.

 

 

Julia Frick: Wie würden Sie den Einfluss beschreiben, den Ihre Recherchen auf Sie selbst hatten und haben?

 

Johanna Herzing: Mir hat es noch einmal deutlich gemacht, wie groß das gesellschaftliche Stigma psychischer Erkrankungen und geistiger Behinderung war und in Teilen bis heute ist. Da ich direkte Angehörige habe, die davon betroffen sind, hat mich das traurig gemacht.

 

 

Julia Frick: Was treibt Sie und Ihre Arbeit an?

 

Johanna Herzing: Vergangenheit und Gegenwart sind nicht zu trennen. Trude, ihre Erkrankung und ihr Schicksal, hat meine Familie bewusst und unbewusst über mehrere Generationen hinweg beeinflusst. Diese Einflüsse der Vergangenheit wahrzunehmen und aufzudecken, kann nur hilfreich sein, wenn wir Gegenwart und Zukunft besser und menschlicher gestalten wollen.

 

 

Hier können Sie die Biografie von Trude Ferchland nachlesen.

 

Hier finden Sie das Deutschlandfunk-Feature „Tante Trude“.

Lesen Sie die bisher erschienen Interviews hier und hier.

 

 

Rez.: Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein (Hg.): Den Opfern ihren Namen geben

Die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein im Verbund der Stiftung Sächsische Gedenkstätten publizierte  eine Reihe von Porträts von Menschen, die 1940 und 1941 in Pirna den nationalsozialistischen Patientenmorden zum Opfer fielen. Die zehn, jeweils zehn bis 15 Seiten umfassenden, im Broschürenformat gehaltenen Bände sind reichlich bebildert und schildern unterschiedlichste Lebenswege von Geburt und Kindheit über die meist langjährigen Aufenthalte in Heil- und Pflegeanstalten bis hin zur Ermordung in der Gaskammer in der T4-Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Der für alle Bände einheitlich gehaltene Einband gibt Porträtfotos aller vorgestellten Personen wieder, wobei das der jeweils beschriebenen Person in der Größe hervorgehoben ist. Damit wird bereits vor der Lektüre daran erinnert, dass die Porträts letztlich nicht nur Bruchstücke aus einem Leben erzählen, sondern dass diese Stücke wiederum nur Teilchen einer viel größeren Gruppe von Opfern der NS-„Euthanasie“ sind. Mit den Mitteln der visuellen Gestaltung wird also verdeutlicht, dass das Gedenken an Individuen auch immer den Blick auf das dahinter stehende viel größere Bild öffnen kann.

 Screenshot https://www.stsg.de/cms/pirna/veroeffentlichungen/gesamtuebersicht

Screenshot https://www.stsg.de/cms/pirna/veroeffentlichungen/gesamtuebersicht

Die Bände wurden von Mitarbeitern der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein verfaßt und sind über die Website der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein gratis zu bestellen. Ein Einsatz in Schulen zur Vorbereitung eines Besuchs der Gedenkstätte erscheint sehr sinnvoll; auch wegen der Kürze der Texte, die in einer Schulstunde gut zu bearbeiten sein dürften.

 

Ernst Klee – Wegbereiter der Forschungen zu den NS-Medizinverbrechen

Am 15. März 2017 wäre der Journalist, Publizist, Historiker und Grundlagenforscher zu den „Euthanasie“-Verbrechen 75 Jahre alt geworden.

 

Foto: Fritz Bauer Institut

Foto: Fritz Bauer Institut

Der im Mai 2013 in Frankfurt am Main Verstorbene war ursprünglich gelernter Installateur, holte das Abitur auf dem 2. Bildungsweg nach und studierte anschließend Sozialpädagogik und Theologie. Zunächst befasste sich Ernst Klee in den 70er Jahren mit jenen, die den sozialen Randgruppen der damaligen BRD zugerechnet wurden: Menschen mit Psychiatrieerfahrung, Obdachlose und Menschen mit Behinderung. Er publizierte zur Thematik der „Gastarbeiter“ und Strafgefangenen, verfasste eine Vielzahl von Sozialreportagen und war auch als Dokumentarfilmer tätig. Der heute allgegenwärtige Begriff der „Inklusion“ wurde von Ernst Klee lange vor dessen Entstehung  gelebt und in seinem politischen Wirken implizit eingefordert.

 

Ein besonderes Verdienst von Ernst Klee ist die frühe Erforschung und vielfache publizistische Sichtbarmachung der Verbrechen der sog. „Euthanasie“. Die auf dem Eichberg im Rheingau und dem Idsteiner Kalmenhof durch NS-Mediziner eingerichteten „Kinderfachabteilungen“ wurden ebenso zum Forschungsgegenstand des Frankfurter Historikers wie die „T4“-Tötungsanstalt in Hadamar. Ernst Klee untersuchte die systematischen Morde an den gemäß NS-Doktrin „Lebensunwerten“ in einem Zeitraum der deutschen Geschichtsschreibung, in der Institutionen, Berufsverbände, Wissenschaft und Forschung primär mit dem Nicht-Wahrhaben der Medizinverbrechen des Nationalsozialismus, nicht aber deren Aufarbeitung befasst waren.

 

Die 1983 erschienene, mehrfach überarbeitete Publikation „Euthanasie im Dritten Reich“, der Begleitband „Dokumente zur Euthanasie“ (1985) und das „Personenlexikon zum Dritten Reich“ (2003) gehören heute zur fachwissenschaftlichen Standardliteratur. Es ist das Verdienst von Ernst Klee, dass die NS-Medizinverbrechen in den Fokus von Gedenkstättenarbeit und wissenschaftlicher Forschung gerückt sind. Durch die Akribie, den Fleiß und die dezidiert an ethischen Gegenwartsfragen anknüpfende Arbeitsweise des „Außenseiters“ Ernst Klee wurde die Messlatte – auch für den heutigen Wissenschaftsbetrieb – sehr hoch gehängt. Die politische Stimme Ernst Klees, aber auch seine unabhängige Expertise fehlen uns heute vielerorts.

 

 

Projekt: Kontinuitäten und Brüche in B.O./Agnes-Karll-Verband/DBfK 1933-49

Materialien zur Geschichte der Pflege im Nationalsozialismus gesucht

Die Neubrandenburger Pflegewissenschaftlerin Dr. Anja K. Peters und der Berliner Historiker Robert Parzer haben damit begonnen, im Auftrag des DBfK-Bundesvorstands die vermuteten personellen Kontinuitäten im Berufsverband zwischen 1933 und 1949 zu erforschen. Ziel der Studie ist es, die Rolle von herausgehobenen Funktionären und Funktionärinnen des DBfK und seiner Vorgängerinstitutionen zu untersuchen. Die Untersuchung der Biographien soll dabei kein Selbstzweck sein, sondern es erlauben, Kontinuitäten, Brüche und Traditionslinien im Selbstverständnis des Berufsverbandes aufzuzeigen. Es gilt zu überprüfen, inwieweit die Überlieferung der erzwungenen Inaktivität 1933-1945 und des unbelasteten Neuanfangs 1945 den Tatsachen standhält.

Indem der Bundesvorstand diese Fragen untersuchen lässt, stellt er sich einer Aufgabe, die in der Ärzteschaft bereits im Gange ist.

Derzeit eruieren und sortieren Peters und Parzer die Namen von Vorstandsmitgliedern auf allen Ebenen mit Schwerpunktsetzung auf Landesvorständen und späteren Bundesvorstandsmitgliedern. Die beiden bitten deshalb die Leserinnen und Leser von Die Schwester Der Pfleger sowie DBfK-Mitglieder im Ruhestand, ihnen Namen aktiver Verbandsfunktionärinnen und -funktionäre bis 1949 mitzuteilen.

Sie sind außerdem interessiert an Bildern, alten Pflegezeitschriften, Tagebüchern und Briefen von Mitgliedern der B.O. bzw. des Agnes-Karll-Verbands. Ziel ist es hierbei nachzuvollziehen, wer über welchen Zeitraum mit wem in Kontakt stand, welche Netzwerke existierten und wie sich diese ggf. auf den Verband auswirkten. Wenn Schwestern und Pfleger im Ruhestand oder Nachkommen von Pflegepersonen Nachlässe aus den 1930/40ern der historischen Pflegeforschung auf Dauer zur Verfügung stellen möchten, können diese in das im Aufbau befindliche Archiv der Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte Alt Rehse übernommen werden (www.ebb-alt-rehse.de).

Die Ergebnisse der Untersuchung sollen in Die Schwester Der Pfleger publiziert werden, um sie möglichst vielen Mitgliedern zur Kenntnis zu geben. Geplant ist auch die Präsentation in einem geeigneten Tagungsrahmen.

Für Fragen zum Projekt stehen Peters und Parzer gerne zur Verfügung. Kontakt: Dr. Anja K. Peters & Robert Parzer, c/o EBB Alt Rehse e.V., Am Gutshof 1, 17217 Alt Rehse, E-Mail pflegewirtin@web.de | r.parzer@ebb-alt-rehse.de

Es begann mit einer Zeitungsannonce – Edward Wieand und seine Tante Erna

Edward Wieand lebt in Sennestadt bei Bielefeld. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2009 war er in der heilpädagogischen Arbeit, u.a. in den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und der Stiftung Eben-Ezer in Lemgo tätig. Bereits in den 1980er Jahren begann er, zum NS-„Euthanasie“-Mord an seiner Tante Erna Kronshage (1922-1944) zu recherchieren – ausgelöst durch eine Zeitungsannonce.
Mittlerweile leistet Edward Wieand in mehreren Internetblogs eine umfangreiche Gedenkarbeit. In der Interview-Reihe „Das Schweigen brechen“ erzählt er von seinen Nachforschungen.

 

Visuelle Annäherung - Edward Wieand und seine Tante Erna Kronshage.

Visuelle Annäherung – Edward Wieand und seine Tante Erna Kronshage. (Bilder: Wieand)

 

Julia Frick: Wann haben Sie begonnen, über das Schicksal Ihrer Tante nachzuforschen? Können Sie sich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn Ihrer Recherchen war?

 

Edward Wieand: Begonnen habe ich 1986. In der Kirchenzeitung für Westfalen stieß ich auf eine Notiz vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Genauer gesagt war es ein Aufruf an Angehörige von NS-„Euthanasie“-Opfern oder solchen, die einen Fall von NS-„Euthanasie“ in ihrer Familie vermuteten. Ich hatte, was meine Tante Erna anging, einen solchen Verdacht – der LWL-Beauftragte, mit dem ich dann sprach, bestätigte ihn.

 

 

Julia Frick: Wie ging es dann weiter? Was waren Ihre nächsten Anlaufstellen?

 

Edward Wieand: Ich nahm Kontakt mit Ernst Klee auf, der ja einige bedeutende Schriften zum Thema NS-„Euthanasie“ verfasst hat. Ich las seine Bücher und suchte insbesondere nach Informationen über die Anstalt in Tiegenhof/Gnesen bzw. Dziekanka/Gniezno im heutigen Polen, wo meine Tante im Jahr 1944 umgebracht wurde. Auch vertiefte ich mich in Publikationen von Götz Aly und Michael Wunder („Auf dieser schiefen Ebene gibt es kein Halten mehr“). Letztlich suchte ich wegen der „Erbgesundheitsakte“ meiner Tante das Stadtarchiv Bielefeld auf.

 

 

Julia Frick: Was konnten Sie im Laufe der Jahre herausfinden?

 

Edward Wieand: Ich konnte – leider ohne Auffinden der Patientenakte – ziemlich minutiös das 484 Tage andauernde Martyrium meiner Tante Erna Kronshage rekonstruieren. Außerdem hatte ich glücklicherweise relativ viele Fotos im Familienbesitz zur Verfügung.

 

 

„Ich möchte besonders junge Menschen ansprechen, die sich vielleicht mit Erna identifizieren können. Schließlich ist sie mit gerade einmal 21 Jahren umgebracht worden.“

 

 

Julia Frick: Wie hat Ihre Familie bzw. Ihr Umfeld auf Ihr Engagement und auf die neuen Informationen reagiert?

 

Edward Wieand: Das war sehr unterschiedlich. Die einen waren angerührt, die anderen reagierten abweisend. Man schämte sich, wohl auch wegen des eigenen Verschweigens in all den Jahren: von 1944 bis zu meiner Bearbeitung ab 1986! Meinen Brüdern und Cousins war die Geschichte von Erna Kronshage eher „peinlich“ – doch auch sie waren auf eine gewisse Art und Weise interessiert …

 

 

Julia Frick: Wie würden Sie den Einfluss beschreiben, den Ihre Recherchen auf Sie selbst hatten und haben?

 

Edward Wieand: Ich war früher im Bereich der Sozialen Arbeit, in Heimen für behinderte Menschen tätig. Von daher war ich schon von Berufs wegen interessiert an der Thematik und erschrocken über die Taten und Mitwirkungen der altvorderen „Kollegen“ bei den „Euthanasie“-Morden. Gleichzeitig warnte ich als Heimleiter vor ähnlichen „Fragebögen“ etc., die ja im Behindertenbereich immer wieder gern genutzt werden.
Letztlich wurde mir auch bei der Tagung zur Namensnennung von „Euthanasie“-Opfern, die Ende Juni 2016 in der Topographie des Terrors stattfand, noch einmal das Diffizile aller Aspekte bewusst. Nämlich, dass es zwei Gruppen von Angehörigen gibt – solche, die die Namensnennung vorantreiben möchten, auch der Opfer zuliebe, und solche, die vor diesem Schritt (noch) Angst haben.

 

 

Julia Frick: Was treibt Sie und Ihre Arbeit an?

 

Edward Wieand: Für mich als „Alt-68er“ war das sicherlich zunächst einmal eine notwendige politische Konsequenz gegenüber der Elterngeneration. Hinzu kam dann der berufsbezogene Aspekt – und heutzutage ist es mir wichtig, das Einzelschicksal meiner Tante bekanntzumachen. Auch, um gegen rückwärtsgewandte Entwicklungen in der Gesellschaft Stellung zu beziehen oder eventuelle „Wiederholungen“ (wie zum Beispiel die Gefahr der Verwendung „chemischer Keulen“ in der Psychiatrie) zu verhindern. Hier möchte ich besonders junge Menschen ansprechen, die sich vielleicht mit Erna identifizieren können. Schließlich ist sie mit gerade einmal 21 Jahren umgebracht worden.

 

 

Ernas Leben und ihre Leidensgeschichte in beeindruckenden Bildern: https://www.yumpu.com/de/embed/view/TxZNidnmMoBv4XGU 

 

 

Einer der Blogs von Edward Wieand: http://erna-4-teens.blogspot.de

 

 

Ernas Biografie: http://gedenkort-t4.eu/de/vergangenheit/kronshage-erna

 

 

Vorstellung des Gedenkbuches der Opfer aus der Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Buch

Wann: 16. Feb. 2017 um 17 Uhr
Wo: Akademie der Gesundheit, Schwanebecker Chaussee 4 E-H; 13125 Berlin. Vortragssaal; Haus 206 (Hufelandcampus)

KrankenhausBuch Anfang des 20. Jahrhunderts. Quelle:http://www.planetarium-berlin.de

Krankenhaus Buch Anfang des 20. Jahrhunderts. Quelle:http://www.planetarium-berlin.de

Mit 2.700 Plätzen war die Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Buch bis Ende 1940 die größte der vier Berliner Einrichtungen zur Pflege und Versorgung psychisch kranker und geistig behinderter Menschen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anstalt aufgelöst und die Gebäude für andere medizinische Zwecke genutzt. Zahlreiche Patienten und Pfleglinge fielen den der NS-Krankenmord- Aktionen zum Opfer. Entweder starben sie in den Gaskammern der „Aktion T4“ oder wurden im Rahmen dezentraler „Euthanasie“-Maßnahmen durch Hunger und/oder Medikamente getötet.

Das Denkmal: Ein Kissen aus Kunstharz

Denkmal in Berlin-Buch: Ein Kissen aus Kunstharz

Durch die Veröffentlichung ihrer Namen in einem Gedenkbuch sollen die Ermordeten ihre Identität zurückerlangen. Damit kann einerseits das öffentliche Gedenken an diese Opfergruppe unterstützt werden, andererseits wird auch individuelles Gedenken möglich, indem die Nachkommen gesicherte Auskünfte über das Schicksal ihres Angehörigen erhalten.

 

Terminübersicht für den Tag der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.1.2017

Der 27.1. ist seit einer Proklamation des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog vom 3.1.1996 in Deutschland als Tag der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus eingeführt. Wie schon letztes Jahr, haben wir auch für 2017 wieder eine Terminübersicht gestaltet. Sie erfasst alle Veranstaltungen, die sich am und um den 27.1. der Erinnerung an die Opfer der NS-„Euthanasie“ und der Zwangssterilisationen widmen. Das herausragende Ereignis wird sicher die Gedenkstunde im Bundestag sein, die in diesem Jahr an die NS-„Euthanasie“ erinnert. Dazu wird als Angehörige eines Opfers u.a. Sigrid Falkenstein sprechen.
Falls wir etwas übersehen haben, schreiben Sie uns bitte. (robert.parzer@gedenkort-t4.eu). Hier der Link, falls die Karte nicht angezeigt werden sollte.

 

https://www.google.com/maps/d/u/0/edit?mid=1uRLYY0shl0sF1cb9GcG-5Z4LN_Y&ll=50.78634287332133%2C11.330509199999938&z=6

„Ich wollte sie präsent werden lassen“ – Hannah Bischof und ihre Großmutter Maria

 

Vor fast 15 Jahren haben sich die Berliner Malerin Hannah Bischof und ihre Schwester Regina Fenski auf die Suche gemacht. Auf die Suche nach ihrer Großmutter Maria, die im August 1942 in der Heilanstalt Neuruppin ermordet wurde. Hannah hat ihrer Großmutter einen Bilderzyklus gewidmet – für die Interview-Reihe „Das Schweigen brechen“ erzählt Hannah, wie sie die Jahre der Recherche und der Aufarbeitung erlebt hat.

 

Hannah Bischof und ihre Großmutter Maria Fenski

Hannah Bischof lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Großmutter Maria Fenski wurde im Alter von nur 36 Jahren in Neuruppin ermordet. (Bilder: Bischof)

 

Julia Frick: Wann hast du begonnen, über das Schicksal deiner Großmutter nachzuforschen? Kannst du dich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn deiner Recherchen war?

 

Hannah Bischof: Das war 2003. Geforscht hat eigentlich meine Schwester Dr. Regina Fenski, weil sie über das Leben unserer Großmutter ein Buch schreiben wollte und deshalb in Neuruppin nach ihrer Krankenakte gefragt hat. Mein Vater ist mit derselben Frage einige Jahre zuvor abschlägig beschieden worden; 2003 war die Akte plötzlich da… Meine Schwester hat mich gebeten, sie zu begleiten, und wir sind dann zusammen nach Neuruppin in die Ruppiner Kliniken gefahren. Wir wussten, dass unsere Großmutter 1942 in Neuruppin gestorben war; deshalb hatte meine Schwester dort gefragt. Wir waren beide sehr nervös und aufgeregt. Wir haben dann beide dort eine Kopie der Krankenakte erhalten.

 

Julia Frick: Wie ging es dann weiter?

 

Hannah Bischof: 2015, als schon etliche Bilder für meine Großmutter in meinem Atelier entstanden waren, bin ich auch nach Berlin-Lichtenberg in das Elisabeth-Herzberge-Krankenhaus gefahren und hatte dort ein Gespräch mit der Archivarin des Krankenhauses. Denn bevor Maria nach Neuruppin kam, war sie in diesem Krankenhaus gewesen. Die Archivarin sagte mir, dass die Akten damals alle an die Kliniken mitgegeben worden waren, in die die Patienten von Herzberge verlegt wurden. Deshalb existierten in Herzberge überhaupt keine Akten mehr.

 

Julia Frick: Was konntet ihr im Laufe der Zeit über das Schicksal eurer Großmutter herausfinden?

 

Hannah Bischof: Mit der Kopie der Krankenakte konnten wir den Großteil des Lebens unserer Großmutter nachvollziehen – zumindest den Teil, den sie in Kliniken verbracht hat. Wir begriffen, dass sie wirklich krank gewesen war und Psychosen hatte. Nach der Einschätzung von Dr. Göhlert, dem damaligen ärztlichen Direktor der Neuruppiner Kliniken, litt sie tatsächlich an Schizophrenie. Wir konnten auch herausfinden, dass sie an Unterernährung gestorben war; zum Zeitpunkt ihres Todes wog sie nur noch 42 Kilo, wie aus der Gewichtstabelle in der Akte hervorging. Diese bezeugte einen rapiden Gewichtsverlust in den letzten Monaten ihres Lebens.

Man hatte unsere Großmutter also verhungern lassen, und die angegebene Todesursache „Herzmuskelentartung“ war damit nicht einmal „gelogen“ – diese Krankheit des Herzens und des Herzmuskelgewebes ist eine Folge von Unterernährung. Wir konnten auch anhand der Akte herausfinden, dass sie schon mit 17 in einer Klinik in Osnabrück behandelt worden war. Ich fragte in der Klinik nach und bekam ihren dortigen Aufenthalt bestätigt.

 

 


„Mit dazu beitragen zu können, dass in den Familien darüber gesprochen wird, dass sich auch die Jüngeren dafür interessieren, was damals passiert ist, das wäre schön.“


 

 

Julia Frick: Wie hat eure Familie bzw. euer Umfeld auf euer Engagement und auf die neuen Informationen reagiert?

 

Hannah Bischof: Mein Engagement bezog sich ja nicht direkt auf die Recherchen; ich bin Malerin und habe das Leben und Sterben meiner Großmutter erst sehr viel später, lange nach den Besuchen in Neuruppin und Herzberge, in Bildern verarbeitet. Aber der Besitz der Krankenakte hat einiges aufgewühlt; meine Schwester und ich besuchten 2003 die Tochter unserer Großmutter, unsere Tante, der wir eine Kopie der Akte geschickt hatten und die uns erzählte, dass sie nach dem Lesen drei Tage geweint habe. Sie konnte uns noch sehr viel aus dieser Zeit berichten und war sehr froh, dass wir diesen Schritt unternommen und die Akte erhalten hatten. Ein Teil der Familie interessierte sich auch für diese Informationen und war sehr betroffen über das, was wir herausgefunden hatten – zumal bis dahin auch bei einigen die Version kursierte, dass unsere Großmutter Selbstmord begangen habe…

 

Julia Frick: Wie würdest du den Einfluss beschreiben, den eure gemeinsamen Recherchen auf dich selbst hatten?

 

Hannah Bischof: Letztendlich haben die Recherchen meiner Schwester und auch meine eigenen (in Osnabrück und in Berlin-Lichtenberg) dazu geführt, dass ich das Leben und Sterben meiner Großmutter in sechzehn Gemälden verarbeitet habe. Mit diesen Bildern und Fotos habe ich eine Ausstellung konzipiert, die ich 2016 in Neustadt (Schleswig-Holstein) und in Brandenburg an der Havel gezeigt habe. Von Januar bis März 2017 wird sie in Berlin in der Stiftung „Erinnerung – Verantwortung – Zukunft“ zu sehen sein. Meine Großmutter ist damit für mich sehr präsent geworden; sie ist wieder Teil der Familie, sie ist in die Familie zurückgekehrt.

 

Julia Frick: Zu guter Letzt – was treibt dich und deine Arbeit an?

 

Hannah Bischof: Mein Wunsch war, meiner Großmutter die Würde zurückzugeben, die ihr die Nationalsozialisten genommen hatten. Ich wollte sie präsent werden lassen, wollte der Öffentlichkeit zeigen, wer sie war und was man ihr angetan hatte. Ich wollte – und will – darauf hinweisen, was passiert, wenn man Menschen in einer Gesellschaft bewusst ausgrenzt. Und ich wünsche mir, dass die Menschen über dieses Unrecht sprechen. Gerade das Thema der sog. „Euthanasie“ ist in unserer und wahrscheinlich auch in anderen Gesellschaften m.E. noch nicht aufgearbeitet – aus Scham und wegen diffuser Ängste. Mit dazu beitragen zu können, dass in den Familien darüber gesprochen wird, dass sich auch die Jüngeren dafür interessieren, was damals passiert ist, das wäre schön.

 

 

Die Biografie von Maria Fenski können Sie hier nachlesen: http://gedenkort-t4.eu/de/vergangenheit/maria-fenski

 

Wenn Sie mehr über Hannah Bischof und ihre Arbeit erfahren möchten, besuchen Sie ihre Website: http://www.hannah-bischof.de

 

Engagierte Mitstreiter*innen für Arbeitskreis des Fördervereins Gedenkort T4 e.V. gesucht!

Neuer Arbeitskreis: „Was vor 1933 begann und mit dem Jahr 1945 noch nicht zu Ende gekommen ist“

Beim Treffen des Vorstands des Fördervereins Gedenkort T4 e.V. im Dezember 2016 wurde die Einrichtung eines Arbeitskreises beschlossen. Dieser trägt den Namen „Was vor 1933 begann und mit dem Jahr 1945 noch nicht zu Ende gekommen ist“ (kurz: AK „VOR 1933 – NACH 1945“). Widmen möchte sich der Arbeitskreis u.a. den Bedingungen in den „Heilanstalten“ und „Irrenhäusern“ im Dritten Reich und der Frage, was die „Behandlung“ für die Betroffenen konkret bedeutet hat. Es soll dabei gefragt werden, welche Formen der Abwertung und Diskriminierung der betroffenen Personengruppe schon vor 1933 und den nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen bestanden, welche Kontinuitäten sich für die Zeit ab 1945 aufzeigen lassen und wie es heute aussieht in Psychiatrien und Einrichtungen der Behindertenhilfe.

Der Arbeitskreis wird von Eva Buchholz geleitet. Interessent*innen melden sich bis zum 31. Januar 2017 bei ihr per Mail: eva.buchholz@gedenkort-t4.eu.

Alle weiteren Informationen hier im Flyer

Ank.: Interviewreihe mit Angehörigen von Opfern der NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisationen

 

Seit einigen Jahren gibt es ein erinnerungskulturelles Phänomen zu beobachten: Immer mehr Angehörige von Opfern der NS-„Euthanasie“ gehen an die Öffentlichkeit. Sie schreiben Bücher, Biografien, sprechen auf Konferenzen und gestalten Gedenkseiten im Netz.

 

Eine von ihnen ist Julia Frick, die hier im Blog schon öfter zu Wort kam. Seit sie entdeckte, dass ihr Großvater im Jahr 1941 in der Nervenheilanstalt Bernau ermordet wurde, ist sie in allen nur denkbaren Formaten aktiv, zur Zeit vor allem als stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Gedenkort-T4.e.V. Nun hat sie ein Projekt gestartet, das uns das gesamte Jahr hier auf dem Blog begleiten wird:

 

Eine Reihe von Interviews mit anderen forschenden Angehörigen von „Euthanasie“-Opfern. Wie haben sie mit der Recherche begonnen? Was treibt sie an? Und welchen Einfluss hat ihre Arbeit auf ihr familiäres Umfeld und nicht zuletzt auf sie selbst? Diesen und anderen Fragen will Julia Frick gemeinsam mit ihren Interviewpartner_innen nachgehen.

 

Das erste Interview von Julia Frick wird am 15. Januar 2017 erscheinen.

 

Ausstellung zur NS-„Euthanasie“ und Eugenik in Belarus

Ein Hotspot für Public History ist Minsk nicht gerade. Eine zumindest autoritäre Staatsführung kontrolliert recht genau, wer was wie im öffentlichen Raum erinnert. Die Erinnerung gibt es: So findet der Spaziergänger an mehreren Orten im Stadtzentrum Denkmäler in Form von Tafeln und Skulpturen, die an bedeutende Politiker der belarussischen kommunistischen Partei erinnern. Etwa eine Stunde von Minsk entfernt befindet sich die Gedenkstätte Chatyn, die als symbolisch gestaltete Erinnerungslandschaft emotional durchaus aufrüttelnd an die „Politik der verbrannten Erde“ der deutschen Besatzer erinnert. Seit kurzem befindet sich auch am Ort des Massenmordes an Juden aus dem Minsker Ghetto und aus Teilen Europas in Maly Trostinez eine Gedenkstätte, die ein persönliches Projekt des Staatspräsidenten Aleksander Lukaschenka war.

 

Minsk ist allerdings keine Erinnerungslandschaft im engeren Sinne: Man kann durch die Stadt laufen, ohne wie etwa in Berlin, andauernd auf Erklärungen zur Geschichte „komplizierter Orte“, auf Denkmäler und Gedenkinstallationen zu treffen. Unübersehbar ist lediglich die Erinnerung an den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg, dessen Geschichte in einer leicht nationalisierten Form entlang der selben Diskurslinien wie vor 1989 erzählt wird – was auch bedeutet, dass es beispielsweise keine Markierung von Orten der deutschen Besatzungsherrschaft gibt.

 

Vieles wirkt wie eine Scharade: Wenn etwa ein zentraler Platz nach 1989 seines Namenspatrons verlustig ging und jetzt von der Freiheit kündet, aber der U-Bahnhof unter ihm immer noch Lenin preist. Und auch, wenn man aus der Stadt raus fährt, um Chatyn zu besuchen und dabei am Hauptsitz des belarussischen KGB vorbeifährt, der nicht umbenannt wurde und einen dabei die Statue von Felix Dscherschinskij grüßt…

 

In diesem Klima ist die Ausstellung От дегуманизации к убийству: судьбы психиатрических больных в Беларуси (1941-1944 гг.) [Von der Entmenschlichung zum Mord: Das Schicksal psychiatrischer Patienten in Belarus 1941-1944] über Eugenik und Patientenmorde, die für ein paar Wochen in Minsk zu sehen war, wie ein frischer Wind in einer vom feinen Staub der Geschichte zugedeckten Stadt. Was den Machern Oleg Aizberg, Alexei Bratochkin, Andrei Zamoiskii, Vasilii Matoh und Oxana Jguirovskaia mit dem Zentrum für Public History des European College of Liberal Arts in Minsk gelang, ist nichts weniger, als einen mittelgroßen Raum der unabhängigen Kunstgalerie “Ў” in einen lebendigen Lernort zu verwandeln. Sie spannen dabei einen großen Bogen, der vom Beginn der „eugenic frenzy“ als eine der Leitideen des beginnenden 20. Jahrhunderts über die Sterilisationen und Massenmorde im Nationalsozialismus bis hin zum Gedenken heute reicht.

 

 

Dabei gelang es, den Blick offen zu halten für Entwicklungen in den Nachbarländern Belarus‘, wie anhand der Entwicklung der eugenischen Ideen im Polen der Zwischenkriegszeit hin zu einer Massenbewegung gezeigt wird. Ein weiteres großes Verdienst der Ausstellung ist es, die Opfer als Individuen zu eigen. Dass dies im belarussischen Kontext nicht selbstverständlich ist, davon kann sich der Besucher der Dauerausstellung des Museum des Großen Vaterländischen Krieges leicht überzeugen. Dort wird nach wie vor die Einheit beschworen: der Nation, der Armee, des Gedächtnisses. In der Kunstgalerie hingegen etwa nehmen die einzigartigen Zeichnungen von Wilhelm Werner breiten Raum ein, ebenso wie Biografien von Opfern und individuelle Erinnerungsprojekte von Angehörigen in Deutschland. Besonders beim letzten Punkt wird eine Kluft zwischen den Erinnerungskulturen deutlich: Während in Deutschland immer mehr Angehörige von Opfern an die Öffentlichkeit treten, ist dies in Belarus überhaupt nicht der Fall.

 

Ob es hier zu einem Wandel kommen wird oder ob die starren von oben gelenkten Narrative dies überhaupt ermöglichen, wird sich erst zeigen. Diese Ausstellung ist möglicherweise ein erster Schritt dahin. Auf jeden Fall ist sie Ausdruck davon, dass das Konzept einer offenen, demokratischen public history, die althergebrachte Erzählungen herausfordert, auch in Belarus funktionieren kann. Den Machern ist zu wünschen, dass die Kraft haben und die Möglichkeiten finden, weiterhin Geschichte als einen offenen Prozess der gesellschaftlichen Selbstverständigung zu betreiben.

Der Stiftung Erinnerung-Verantwortung-Zukunft ist zu gratulieren und zu danken, dass sie das Projekt finanziell unterstützt hat.

 

 

Abschluss und Preisverleihung des Theaterwettbewerbs andersartig gedenken on stage

Wie kann die schwierige Geschichte der NS-„Euthanasie“-Verbrechen an junge Menschen in der Gegenwart vermittelt werden? Wie kann die junge Generation aus dieser Geschichte lernen? Wie kann sie für ein besseres Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung sensibilisiert werden?

 

Der Vorstand der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft Günther Saathoff beschreibt einen möglichen Weg: „Die Formate des Wettbewerbs andersartig gedenken on stage und des szenischen Theaters können außerordentlich produktive pädagogische Plattformen sein, nicht nur zur Aneignung und Vermittlung historischer Kenntnisse, nicht nur zur Vergegenwärtigung ganz konkreter individueller Lebens- und Leidenswege, sondern auch durch die demokratische Beteiligung, etwa durch den Einbezug des Inklusionsgedankens“.

 

 

Die Arbeitsgemeinschaft gedenkort-T4.eu schrieb im Herbst 2015 bundesweit den Theaterwettbewerb andersartig gedenken on stage für Schulen und inklusive Theatergruppen aus. Die Aufgabe war es, Biografien von Opfern der NS-„Euthanasie“ zu recherchieren und auf der Bühne zu erzählen.

 

Bis Ende Mai 2016 wurden 14 Videomitschnitte und Trailer der selbst entwickelten Theaterstücke eingereicht. Die teilnehmenden Gruppen bewiesen dabei, dass Theater die Kraft besitzt, eine Verbindung zwischen einem Einzelschicksal eines Menschen aus der Vergangenheit mit den Akteur_innen auf der Bühne und den Zuschauer_innen im Publikum herzustellen. Alle Stücke berührten unmittelbar. Die Jury, der u.a. Sigrid Falkenstein angehörte, bestimmte am 4. Juni die sieben Preisträger.

 

Alle Preisträger

Alle Preisträger

Am 01. Oktober wurden die Preisträger im Rahmen der feierlichen Preisverleihung im Kulturcentrum am Wartburgplatz „Die Weisse Rose“ in Berlin geehrt. Es war ein Abend vieler besonderer Momente. Die ca. 130 anwesenden Gäste wurden von den Vertreter_innen der Förderer Stiftung EVZ , Bundesvereinigung Lebenshilfe, Lebenshilfe Berlin und der Stiftung Parität begrüßt.

 

 

Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe beschrieb das Ziel des Wettbewerbes, eines der 300.000 Opfer der NS-„Euthanasie“-Verbrechen dem Vergessen zu entreißen, so: „Fast Jeder kennt das furchtbare Schicksal der Anne Frank, aber wer kennt Käthe Spreen?“

 

Die Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Berlin, Prof Dr. Barbara John,  zitiert den Münsteraner Bischof von Galen, der am 3. August 1941 die Morde der sogenannten „Euthanasie“ anprangerte:  „Wenn es Recht sein soll, unproduktive Menschen zu töten, dann wehe uns allen, wenn wir einmal alt oder krank werden.“

 

Günther Saathoff, Vorstand der Stiftung EVZ, erinnerte in seiner Ansprache auch an das Schicksal der 350.000 Zwangssterilisierten, sowie deren jahrzehntelangen Kampf um Anerkennung als Verfolgte des NS-Regimes.

 

Die Preise:

1.Preis – Das Schulzentrum Geschwister Scholl aus Bremerhaven für das Theaterstück „KÄTHE – ein Opfer der Euthanasie im Nationalsozialismus“

 

Die Gewinner

Die Gewinner

 

2. Preis – Die Kooperation des Carl-Orff Gymnasiums Unterschleißheim und des Heilpädagogischen Centrum Augustinum Oberschleißheim für das Theaterstück „Geheimnisse im Kopf“

 

3. Preis – Ernst-Mach-Gymnasium und Mittelschule Haar für die Produktion „Spurensuche – was für ein Mensch willst Du sein?“

 

4. Preis – Bandhaus-Theater Backnang für das Theaterstück „Kannst Du schweigen? – Ich auch!“

 

5. Preis – Geschwister Scholl Oberschule Bad Laer für das Theaterstück „Rupprecht Villinger – Recht auf Leben“

 

 

Ingrid von Randow vergab den Preis der Lebenshilfe Berlin für eine gelungen Umsetzung des Inklusionsgedankens an das Theater 36 aus Hamburg für das Theaterstück „Der Brief – ein Spiel zwischen Gestern und Heute“. Sie betonte in ihrer Ansprache, dass Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auch heute immer noch nicht selbstverständlich ist.

 

Der Gewinner des Förderpreis für die herausragende schauspielerische Einzelleistung, Kai Bosch, vom Bandhaus-Theater Backnang, sagte in seiner Dankesrede:

„Ich bin dankbar, dass ich in der heutigen Zeit leben darf. Jedes Leben ist lebenswert. Jeder Mensch hat Fähigkeiten. Jeder Mensch ist einzigartig.“

 

Anschließend wurde der Siegerbeitrag „KÄTHE“ aufgeführt. Eindringlich erzählt das Stück die Geschichte von Käthe Spreen, einer jungen Frau, die in Bremerhaven geboren und in Hadamar 1941 umgebracht wurde. Bewegend ist auch der Schluss: Wenn die Schüler, grau in grau, in einem der grauen Busse sitzen, der die Kranken in die Mordanstalten gefahren hatte und dann sehr bewusst aussteigen, zurück in ihre eigene Identität gehen und erzählen, was ihnen im Umgang mit Stück und Sujet passiert ist: „Im Unterricht hat mich das nie interessiert, aber jetzt wird es so begreifbar“, sagt einer von ihnen (siehe Foto der Abschlussszene).  Damit liefert „Käthe“ zugleich den Beweis, dass das, was sich die AG gedenkort-T4.eu mit dem Wettbewerb andersartig gedenken on stage vorgenommen hat, auch eingetreten ist: die intensive Auseinandersetzung möglichst vieler junger Menschen mit und ohne Behinderungen mit zu oft vergessenen, zu oft verdrängten Thema der NS-„Euthanasie“ und mit den wenigen bekannten Biographien von Opfern.

 

Aufführung des Siegerbeitrages

Aufführung des Siegerbeitrages

 

Der Gewinnerbeitrag wurde professionell gefilmt und wird noch in 2016 online frei zugänglich sein. Mehr zum Wettbewerb, sowie auch zu den einzelnen Preisträgern inklusive Trailer, finden Sie unter www.andersartig-gedenken.de.

 

Die Arbeitsgemeinschaft gedenkort-T4.eu ist bemüht 2017/2018 gemeinsam mit dem neugegründeten Förderkreis Gedenkort-T4 e.V. einen weiteren Jahrgang des Wettbewerbs andersartig gedenken on stage auszuloben. Sie will damit einen nachhaltigen Beitrag für den emotionalen Erinnerungsprozess und für ein gelebtes und vorurteilsfreies Verständnis von Inklusion leisten.

 

von Stana Schenck

Fotos: Marko Georgi

Gedankengänge Erinnerungswege. Workshop zum künstlerischen Ausschreibungsverfahren an der Charite Berlin

Wann:  Freitag, 4. November 2016; 9 bis 18 Uhr
Wo: Charité Campus Mitte; Institut für Pathologie; Rudolf Virchow-Hörsaal, Virchowweg 14

 
„Wissenschaft in Verantwortung – GeDenkOrt.Charité“ ist ein Projekt der Charité mit der Universität der Künste Berlin. Es gestaltet Orte der Information, der Erinnerung und des Gedenkens, die zugleich Orte künstlerischer Auseinandersetzung mit Gefährdungen jeder medizinischen Wissenschaft am Menschen sein sollen.
Im Zuge der Realisierung eines Erinnerungspfades 2016/17 lädt die Projektgruppe zu einer öffentlichen Veranstaltung ein, in welcher Möglichkeiten und Grenzen der Darstellbarkeit von Gefährdungen moderner Medizin am Menschen aufgezeigt und aus medizinhistorischer, künstlerischer und erinnerungspolitischer Perspektive diskutiert werden sollen.

 
Insbesondere Künstlerinnen und Künstler sind herzlich eingeladen, sich im Rahmen der Veranstaltung über das inhaltliche Konzept des Erinnerungspfades, die historischen Orte der geplanten Stationen sowie über das öffentliche Ausschreibungsverfahren zur künstlerischen Umsetzung zu informieren und sich zu beteiligen.
Begrüßt werden interdisziplinäre Wettbewerbsbeiträge von Gruppen aus den Bereichen Kunst, Design, Architektur und Landschaftsgestaltung. Wir freuen uns über Ihr Interesse!

 
Informationen zum Projekt: https://gedenkort.charite.de/
Um Anmeldung wird gebeten an: gedenkort@charite.de

 

Flyer

 

Workshop zu inklusiven Angeboten in der NS-„Euthanasie“-Gedenkstätte Brandenburg/Havel

Wann: 18. November 2016, 9:30 – 17:00

Wo: Gotisches Haus, Ritterstraße 86, 14770 Brandenburg an der Havel.

Anmeldung: marx@stiftung-bg.de

 

[UPDATE: Das Programm hier zum Download]

 

Die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasiemorde Brandenburg/Havel hat in letzter Zeit intensiv darüber nachgedacht, wie sie ihr Thema jedem verständlich machen kann. Das Thema ist zweifellos furchtbar: Die Ermordung von über neuntausend Menschen aus psychiatrischen Anstalten im vormaligen Gefängnis mitten in der Innenstadt im Jahr 1940. Erst seit 2012 gibt es eine fundierte Ausstellung und ein kleines Team, das Führungen und Workshops anbietet. Seit Anfang 2016 förderte das Brandenburgische Gesundheitsministerium ein Projekt, im Rahmen dessen Menschen mit Lernschwierigkeiten eingeladen wurden, die Gedenkstätte  zu erkunden und ihre Angebote inklusiv zu gestalten. Die Lebenshilfe war der Kooperationspartner vor Ort. Das vorläufige Ergebnis wird nun vorgestellt.

Gedenkstätte Brandenburg an der Havel

Gedenkstätte Brandenburg an der Havel

Damit ist die Gedenkstätte in Brandenburg/Havel einen Schritt gegangen, den auch andere Orte gegangen sind, die an die NS-„Euthanasie“ erinnern. Unter anderem in Grafeneck gibt es Angebote in Leichter Sprache; auch in Lüneburg wird an entsprechenden Konzepten gearbeitet.

Die Veranstaltung findet teilweise in leichter Sprache statt.