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Konferenz: Die Vision vom gesunden Menschen – Zum Diskurs über Prädiktion und Gentherapie

Wann: 9. bis 10. Juni 2017

Wo: Erinnerungs-, Bildungs- und Begenungsstätte Alt Rehse

Flyer, Programm, Anmeldung

 

Die Möglichkeiten der Gendiagnostik und der Gentherapie werden unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit, unseren Umgang damit und letztlich das Verständnis, was der Mensch ist, entscheidend verändern.
Die genetische Diagnostik eröffnet die Möglichkeit der individuell maßgeschneiderten und damit wirksameren medikamentösen Behandlung des einzelnen Patienten, meist als personalisierte Medizin bezeichnet. Dabei steht allerdings nicht der Mensch als selbstbestimmungsfähige Person, sondern der einzelne Patient mit seinen Biomarkern im Mittelpunkt. Psychomarker und Soziomarker werden vernachlässigt und das Verständnis von Gesundheit und Krankheit droht wieder „biologisiert“ zu weden. Dies geschieht auch bei der Prädiktion, die entweder genetische Dispositionen identifiziert, die später im Leben des betreffenden Menschen zu Erkrankungen führen können,  oder Anlageträgerschaften, die erst bei Nachkommen zu Krankheiten oder Behinderungen führen können. In der sich international entwickelnden Disziplin der „Public Health Genetics“ werden Konsequenzen wie  individuelle Verhaltensänderungen und Eigenverantwortlichkeit, aber auch die sogenannte Reproduktionsverantwortung diskutiert. Droht eine Moralisierung des Gesundheitsbegriffs? Geht es um Selbstbestimmung oder um Pflichten zur gesundheitlichen Optimierung?
Treiber der Diskussion sind die enormen technischen Fortschritte auf dem Gebiet der Eingriffe in das menschliche Genom, das sog. Genome Editing durch Techniken wie CRISPR/Cas. Diese erlauben gezielte  Eingriffe zur Heilung von Krankheiten, aber auch Eingriffe in die Keimbahn, Eingriffe die dann noch einmal zu unterteilen sind in die Verhinderung von Erbkrankheiten und solche zur Optimierung des Menschen. Alte, überwunden geglaubte eugenische Gedankenmuster leuchten wieder auf.

 

Information und Diskussion, wie die neuen Entwicklungen in Prädiktion und Gentherapie bewertet werden können und wie mit ihnen vor dem Hintergrund geschichtlicher Kenntnisse und Verantwortung umgegangen werden sollte, sind Ziel der Alt-Rehse-Konferenz 2017.

Als Referentinnen und Referenten haben bisher zugesagt:

 

•  Dr. Tobias Eichinger, Zürich
•  Prof. Dr. Boris Fehse, Hamburg
•  Prof. Dr. Regine Kollek, Hamburg
•  Prof. Dr. Reinhard Merkel, Hamburg
•  Prof. Dr. Ingrid Schneider, Hamburg
•  Dr. Oliver Tolmein, Hamburg
•  Uta Wagenmann, Berlin
•  Ludger Weß, Hamburg

 

Dies ist die vierte Tagung in der Reihe „Alt Rehser Wissenschaftsforum“, die von der 2001 gegründeten Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte Alt Rehse (EBB Alt Rehse) veranstaltet wird. Die EBB Alt Rehse hat sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der ehemaligen NS-„Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“ in Alt Rehse aufzuarbeiten und zum Ausgangspunkt von verschiedenen Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Bildungsangeboten zu machen, die sich auch mit aktuellen Fragen beschäftigen.

 

Innerhalb dieses Programms nimmt das „Alt Rehser Wissenschaftsforum“ eine zentrale Rolle ein: Alle zwei Jahre wird eine Tagung zum Thema „Ethik in der Medizin und im Gesundheitswesen“ durchgeführt, die relevante aktuelle Fragestellungen und Probleme der Biomedizin und Bioethik vor dem Hintergrund der Geschichte zum Thema hat.

 

Die Tagungen werden vom Wissenschaftlichen Beirat der EBB Alt Rehse unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Baader, Berlin und Dr. Michael Wunder, Hamburg konzeptionell vorbereitet.

 

Kontakt:
EBB Alt Rehse
Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte Alt Rehse
Am Gutshof 34
17217 Penzlin – OT Alt Rehse

Tel.:     03962 – 22 11 23
Fax:     03222 – 688 51 44
Mail:   info@ebb-alt-rehse.de

Buchprojekt zur Reichshebammenführerin

Die Neubrandenburger Pflegehistorikerin Anja K. Peters hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um ihre Doktorarbeit über die „Reichshebammenführerin“ Nanna Conti (1881-1951) als Buch herausgeben zu können. Conti war als Leiterin der „Reichshebammenschaft“ wie als Mutter des „Reichsärzte- und -gesundheitsführers“ Leonardo Conti in die mörderische Gesundheitspolitik des Deutschen Reichs involviert.

Nanna Conti

Nanna Conti. Quelle: Communications of the International Midwives‘ Union. No 7 1938, S. 8.

Im September 1941 sandte Leonardo Conti ein Rundschreiben an die Reichsstatthalter, Regierungspräsidenten, den Berliner Polizeipräsidenten, den dortigen Oberbürgermeister sowie an alle Gesundheitsämter. Darin bemängelte er, dass die Meldungen „missgebildeter“ Neugeborener durch Hebammen nur spärlich eingehen würden. Möglicherweise kamen viele Hebammen der Meldepflicht nicht nach, da sie befürchteten, das Vertrauen ihrer Patientinnen in den meist ländlichen, überschaubaren Gemeinschaften zu verlieren.  Gleichzeitig wies Leonardo Conti jedoch darauf hin, dass in einigen Bezirken die Hebammen eifrig Kinder meldeten. Wie viele Kinder von Hebammen als „erbkrank“ denunziert wurden, lässt sich in Zahlen derzeit nur punktuell darstellen: Im thüringischen Hauptstaatsarchiv in Weimar liegen vereinzelte Abrechnungen vor. So beantragte der Amtsarzt von Eisenach 1942 die Barerstattung von jeweils RM 2,- für die Hebammen Lina Arndt und Luise Meisterhagen, die je ein Kind gemeldet hatte. Als „Art der Mißbildung“ wurden „Hermaphroditismus maskularis pseudo“ [sic] und „Hydrocephalus“ angegeben.  Aus den vorliegenden Akten kann derzeit nicht geschlossen werden, ob sich die Hebammen der Konsequenzen ihrer Meldungen voll umfänglich bewusst waren.

Gleiches gilt für Nanna Conti. In einem Brief schrieb sie 1946 über ihren Sohn:

 

(…) Ich nehme an, daß man meinem Sohn die Euthanasie, auf ausdrücklichen Befehl von Adolf Hitler durchgeführt, aber auch seiner eigenen Überzeugung entsprechend, als „Massenmord“ anrechnete und, da auch einige russische Geisteskranke getötet oder erlöst [sic] waren, Rußland als Ankläger auftrat. Vielleicht sollte er auch nach Rußland ausgeliefert werden. Etwa am 1. Okt. war das „Urteil Hadamar“. Da sagte ich mir:“ Mein armer Junge! Das ist auch dein Todesurteil!“ (…)

 

Allerdings kann sie auch nicht völlig unwissend gewesen sein, wie ein weiter Abschnitt desselben Briefes belegt:

 

(…) Mein Sohn nahm es im übrigen mit der Schweigepflicht sehr genau; er sprach nicht mit mir über solche Dinge, ausgenommen die letzte große Aussprache im April unter vier Augen, als er sein ganzes Herz ausschüttete. Aber andere sprachen mit mir über alles, vielleicht in der Meinung, daß ich ohnehin unterrichtet wäre. (…)

 

Wenn sie aber, wie hier angedeutet wird, von den Morden wusste und dennoch die Einbindung der Hebammen dabei durch die Meldepflicht unterstützte, muss sie als Reichshebammenführerin nach ihrem eigenen Amtsverständnis für die daraus resultierenden Morde verantwortlich gemacht werden. Zu diesem Schluss allerdings kam Nanna Conti – zumindest in den vorliegenden Unterlagen – nie. Sie verdrängte vielleicht auch Wissen oder zumindest den Gedanken an die tatsächliche Umsetzung der von ihr propagierten „ Notwendigkeit aller bevölkerungspolitischen Maßnahmen“. Der Verleger der Hebammenzeitschrift, Kurt Zickfeld, schrieb später:

Nur ganz am Schluß des Krieges im Frühjahr 1945 hat Frau Conti einmal anklingen lassen, dass sie um ihren Sohn, den Reichsärzteführer Leonardo Conti, Angst habe. Aber auch, dass viele Dinge, die sie von ihm erfahren hatte, so schrecklich waren, dass sie sie lieber nicht erzählen wollte und auch lieber nicht daran denken wollte.

 

Alle Quellenangaben bei Anja K. Peters.

Informationen zur Verfasserin unter www.anja-peters.de

Der Link zur Crowdfunding-Kampagne: https://www.startnext.com/nanna-conti

 

„Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen“ – Ulrich Raschkowski und sein Onkel Kurt Georg Vogt

Ulrich Raschkowski (Jg. 1945) ist pensionierter Lehrer aus Wolfsburg und der Neffe von Kurt Georg Vogt, der 1941 in Pirna-Sonnenstein ermordet wurde. Vor sieben Jahren hat sich Ulrich Raschkowski auf die Suche nach den Spuren seines Onkels begeben.

 

Kurt Georg Vogt wurde 1941 in Pirna-Sonnenstein ermordet. 70 Jahre später beginnt sein Neffe Ulrich, das Schicksal seines Onkels zu erforschen.

 

 

Julia Frick: Wann haben Sie begonnen, über das Schicksal Ihres Onkels nachzuforschen? Können Sie sich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn Ihrer Recherchen war?

 

Ulrich Raschkowski: Es muss um 1990 herum gewesen sein, als ich ein Familienbuch erbte, in dem mir ein Eintrag besonders ins Auge sprang. Dort stand: „Nr. 182 am 20ten August 1941 zu Hadamar-Mönchberg (Lahn) verstorben.“ Es war der Eintrag zu meinem Onkel Kurt Vogt. Also wandten wir uns an die Gedenkstätte Hadamar, um herauszufinden, was es mit dieser Information auf sich haben könnte. Wirklich intensiv mit dem Schicksal meines Onkels habe ich mich dann aber erst seit meiner Pensionierung im Jahr 2010 befasst.

 

 

Julia Frick: Was waren Ihre ersten Schritte und Anlaufstellen?

 

Ulrich Raschkowski: Nach unserer Anfrage in Hadamar waren wir nach Berlin weiterverwiesen worden und konnten dort tatsächlich eine Kopie der Krankenakte unseres Onkels erhalten. Darin fehlten aber die Angaben zu seinem Tod, über den ich dann schließlich 2012/13 durch Kontakt mit der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein informiert wurde. Auch die in der Akte fehlende Karteikarte der Anstalt Zschadraß, in der mein Onkel sich zeitweise aufgehalten hatte, erhielt ich dort. So ergaben sich Schritt für Schritt Orte und Abläufe seines Anstaltsaufenthalts, denen ich nun gezielt nachgehen wollte. Außerdem wollte ich mehr über seine Krankheiten und deren Behandlung erfahren.

 

 

Julia Frick: Was konnten Sie herausfinden?

 

Ulrich Raschkowski: Mein Onkel Kurt Vogt wurde am 21. September 1912 in Königsberg geboren. Aus Erzählungen und Andeutungen seiner Schwester, also meiner Mutter, wussten wir, dass mein Onkel Epileptiker gewesen war. Zuerst hatte die Familie ihn zu Hause gepflegt und versorgt, doch irgendwann kamen sie mit ihm nicht mehr  zurecht und gaben ihn dann Ende April 1924 in die Anstalt Carlshof bei Rastenburg, wo sie ihn regelmäßig besuchten. Auch Familienbesuche seinerseits hatte es laut Akte gegeben. Ebenso war dort von „guter Führung“ die Rede, aber auch davon, dass Kurt „geistig recht tiefstehend“ sei. Gleichermaßen waren der Akte die Anstalten Kortau und Zschadraß zu entnehmen, nichts aber von Hadamar, von wo aus nach Erinnerung meiner Mutter die Nachricht über seinen „plötzlichen Tod“ am 20. August 1941 und der „sofort notwendigen Einäscherung“ eingetroffen war.

Die Mutter meines Onkels hatte seine Asche offenbar auch geordert und eine Urne erhalten – jedoch soll sie sich schon damals ziemlich sicher gewesen sein, dass es nicht die Asche ihres Sohnes war. Und sie sollte Recht haben: Denn in Wahrheit wurde mein Onkel nicht in Hadamar, sondern in Pirna-Sonnenstein ermordet und seine Asche auf dem vorliegenden Abhang „beseitigt“ – wie ich es Anfang 2013 in der dortigen Gedenkstätte erfahren habe.

Sein Leidensweg hatte ihn davor noch über zwei Zwischenanstalten geführt. Im Dezember 1940 wurde er in Kortau aufgenommen, im Juli 1941 dann nach Zschadraß in Sachsen verlegt. Von dort wurde er schließlich am 4. August 1941, wohl mit einem der sogenannten „Grauen Busse“, nach Pirna-Sonnenstein gebracht und direkt nach seiner Ankunft ermordet. Die Todesmitteilung aus Hadamar war also – wie auch die angebliche Übersendung der Asche und das angegebene Todesdatum – eine Täuschung gewesen, eine Täuschung der Familie und der Provinzialanstalt Ostpreußen, die dadurch über Kurts Tod hinaus noch bis zum angegebenen Todesdatum das Pflegegeld bezahlen musste.

 

 

„Ich bedauerte es zutiefst, mich nicht schon früher mit meiner Familiengeschichte befasst zu haben – und gleichzeitig wuchs in mir unweigerlich ein Gefühl des direkten Betroffen-Seins: Das ist mein Onkel gewesen!“

 

 

Julia Frick: Wie hat Ihre Familie bzw. Ihr Umfeld auf Ihr Engagement und auf die neuen Informationen reagiert?

 

Ulrich Raschkowski: Zu Beginn meiner aktiven Nachforschungen lebte kein direkter Angehöriger meines Onkels mehr. In meiner, also der nachfolgenden Generation stieß ich mit meiner Arbeit tatsächlich durchgehend auf Akzeptanz und auf positives Interesse. In meinem Freundeskreis rief mein Vorgehen teilweise großes Erstaunen hervor – außer mir schien sich niemand einer solchen Recherche zu widmen.

 

 

Julia Frick: Wie würden Sie den Einfluss beschreiben, den Ihre Recherchen auf Sie selbst hatten und haben?

 

Ulrich Raschkowski: Durch die Recherche zum Mord an meinem Onkel hat sich mein Interesse an einem würdigen Gedenken und an der Aufarbeitung der NS-„Euthanasie“-Morde immer mehr verstärkt. Ich wollte die Organisation und den Ablauf dieses Mordprogramms verstehen und auch den Umgang mit diesem Teil der deutschen Geschichte – von 1945 bis heute – nachvollziehen. Ich selbst bedauere es, mich nicht schon früher mit meiner Familiengeschichte befasst zu haben. Und gleichzeitig wuchs in mir unweigerlich ein Gefühl des direkten Betroffen-Seins: Das ist mein Onkel gewesen!

 

 

Julia Frick: Was treibt Sie und Ihre Arbeit an?

 

Ulrich Raschkowski: Ich spüre, dass dieses Kapitel noch nicht abgeschlossen ist, für mich nicht und auch nicht für die deutsche Gesellschaft. Ich möchte alleine für mich selbst alle Informationen, an die ich irgendwie noch kommen kann, soweit es geht (be)greifbar machen und dadurch meine Empathie weiter wachsen lassen, besonders auch für den heutigen Umgang mit Minderheiten und Kranken. Aber auch für die kommenden Generationen sollen die Dokumente und Informationen zugänglich sein, damit mein Onkel und die Schicksale dieser Opfergruppe nicht vergessen werden.

 

 

 

Die Biografie von Kurt Georg Vogt wird in Kürze auf Gedenkort-T4.eu erscheinen.

 

 

 

Dorothea Buck zum 100. Geburtstag – eine Würdigung

 

Heute, am 5. April 2017 wird Dorothea Buck 100 Jahre alt. Ein stolzes Alter, das eine Würdigung ihrer Person bzw. den Versuch, einen Blick auf ihr Lebenswerk zu richten, geradezu einfordert. Letzteres ist aber gar nicht so einfach, da Dorothea Bucks Wirken und ihr Lebenswerk sehr umfangreich und vielfältig sind. Es lässt sich nicht reduzieren auf ihre Erfahrung, in den 1930er und 1940er Jahren aufgrund mehrerer psychotischer Schübe in  Heilanstalten Behandlungen erlebt zu haben, die wir heute als „Misshandlung“1)Diese Einordnung und Wertung wird von der Autorin dieses Blogbeitrags vorgenommen, die zudem darauf verweist, dass keine der genannten „Behandlungsformen“ ausschließlich während der Nazizeit auftraten, sondern sowohl VOR 1933 als auch NACH 1945 angewandt worden sind. Es waren keine nationalsozialistischen Erfindungen, wenn man so will. Eugenisches Denken, das die Abwertung von Menschen mit Beeinträchtigung beinhaltete (Stichwort „lebensunwertes Leben“), ging dem Nationalsozialismus voraus – wenngleich auch dieses die Diskriminierung und Abwertung beeinträchtigter Menschen nur bedingt erklären kann. verstehen (insbesondere in ihrem Zusammenspiel und wenn es keine Wahl gibt) und auch so benennen sollten, u.a. Dauerbäder, Kaltwasserkopfgüsse, „nasse Packungen“, Zwangsmedikation (Cardiazol-Schocktherapie, später auch Neuroleptikagaben), angeordnete Sprachlosigkeit und Redeverbot, Elektroschocks, Insulin-Koma-„Behandlung“, Zwangssterilisation, dann kamen noch dazu: Berufswahlverbot, Heiratsverbot).2)Wer sich mit Psychiatriegeschichte nicht auskennt, weiß kaum, was hinter dem scheinbar so harmlos klingenden Be-griff wie der „nassen Packung“ zu verstehen ist. In ihrer „Eröffnungsrede zur Einweihung des Mahnmals für die in Bethel von 1934 bis 1945 zwangssterilisierten Menschen“ schreibt Dorothea Buck: „An der hellgrünen Wand mir ge-genüber stand in großer Schrift das Jesuswort »Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!« Erquicken nicht mit einem freundlichen Wort, um unsere Angst vor der ungewohnten Einsperrung zu nehmen, oder durch ein Aufnahmegespräch, das es hier nicht gab. Erquicken nicht mit einer Beschäftigung, sondern »erquicken« mit den hier üblichen Kaltwasserkopfgüssen; Dauerbädern, in denen ich unter einer über die Wanne ge-spannten Segeltuchplane 23 Stunden von einer Visite zur nächsten lag. Mein Hals war in einem steifen Stehkragen ein-geschlossen. »Erquicken« mit der gefürchteten »nassen Packung«, in kalte, nasse Tücher so fest eingebunden, dass man sich nicht mehr bewegen konnte. Die Tücher wurden durch die Körperwärme erst warm, dann heiß. Ich schrie vor Empörung über diese unsinnige Fesselung in den heißen Tüchern. Dass Bethel das Vernünf[t]ige und Natürliche wie Gespräche und Beschäftigung durch diese quälenden Beruhigungsmaßnahmen mit ausschließlichem Strafcharakter er-setzte und das unter dem Jesuswort, fand ich so unheimlich, dass ich allen Ernstes glaubte, hier dem Teufel, den Jesus als den »Vater der Lüge« bezeichnet hatte, ausgeliefert zu sein.“ Quelle: http://www.bpe-online.de/infopool/geschichte/pb/buck_verleugnet.htm (Abruf: 1.4.2017).

Dorothea Buck und Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks.: BGV/Ahrendt

Dorothea Buck und Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks.: BGV/Ahrendt

 

Zu Dorothea Buck können viele verschiedene Verdienste und Lebensleistungen angeführt werden, u.a. ihr gesellschaftspolitisches Engagement (sie hat den „Bund der Euthanasiegeschädigten und Zwangssterilisierten“ und auch den Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. mitgegründet), ihre menschenrechtsorientierte Selbstvertretung und zahlreichen Initiativen, kritischen Briefe und Stellungnahmen, mit denen sie sich an Ärzt*innen, Politik und Gesellschaft für die Anerkennung des erlittenen Unrechts der Opfer von NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisationen wandte und sich für Ächtung psychiatrischer Gewalt einsetzte, ihre künstlerischen Arbeiten als Bildhauerin, und sie ist auch als Theoretikerin zu entdecken (insb. zu Gesundheits- und Krankheitstheorien, speziell: Genesungsprozessen bei psychotischen Erkrankungen, Selbsthilfe-Potenzialen, aber auch Anforderungen an stationäre psychiatrische Behandlung).

 

Diesem Aspekt widmet sich aktuell ein Buchprojekt, das anlässlich des 100. Geburtstages von Dorothea Buck 100 Stimmen zum Thema „Psychose als Selbstfindung“ sammelt. Im Aufruf zur Beitragseinreichung heißt es: „Dorothea Buck ist schon längst berühmt, aber als originelle Denkerin ist sie wohl erst noch richtig zu entdecken.“3)Vgl. den Aufruf zur Beitragseinreichung für die Fest- und Feierschrift anlässlich Dorothe Bucks 100. Geburtstag: http://files.feedplace.de/vielfalter/fest_und_feierschrift.pdf (Abruf: 1.4.2017).

Ihre zentralen Themen waren und sind u.a. Würde, Selbstbestimmung, Freiheit von Zwang und psychiatrischer Gewalt, respektvolle Kommunikation, Dialog und Trialog, Freiheit von ungewollter Medikation, Gedenken und Einforderung der Aufarbeitung gesellschaftlichen Unrechts aus der Zeit des Nationalsozialismus. Einer angemessenen Würdigung von Dorothea Bucks „Lebenswerk“ komme ich mit meinen wenigen Stichpunkten wohl nicht einmal ansatzweise nahe, da dieses sehr vielschichtig ist und noch viele Aspekte zu entdecken und herauszuarbeiten sind. Ich verweise im Folgenden deshalb auf einige Links, wo die Auseinandersetzung mit ihr bei Interesse vertieft werden kann:

 

Unter dem Link http://www.peter-lehmann.de/termine/2017-04-06.pdf ist das Programm des „Trialogischen Symposiums zum 100. Geburtstag von Dorothea Buck. Auf der Spur des Morgensterns. Menschenwürde und Menschenrechte in der Psychiatrie“ einzusehen, das morgen (am 6. April 2017) an der Universität Hamburg stattfinden wird. Es werden wichtige Etappen ihres Lebens nachgezeichnet und Perspektiven für Akutpsychiatrie, Eingliederungshilfe, Peer-Arbeit und Zusammenleben nach den Maßstäben von Dorothea Buck aufgezeigt. Dorothea Buck wird per Skype zugeschaltet sein, zudem werden Film-Ausschnitte von der Regisseurin des Films über Dorothea Buck „Himmel und mehr“, Alexandra Pohlmeier, gezeigt.

 

Auf der Webseite des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE) finden sich die wohl umfassendsten Informationen zu ihrem Leben und Wirken (Biographisches, Veröffentlichungen von und über sie, Gratulationen und Auszeichnungen, etc.): http://www.bpe-online.de/buck Die Seite wird von Peter Lehmann betreut und stets aktualisiert.

 

Schließlich möchte ich auch noch auf die Webseite der Stadt Hamburg verweisen, die Dorothea Buck am 22. Februar 2017 die höchste Hamburger Auszeichnung verliehen hat: die „Medaille für Treue Arbeit im Dienste des Volkes“ in Silber für ihr Lebenswerk: http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/8217658/2017-02-22-bgv-dorothea-buck/ Eine berührende Laudatio der Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks ist dort ebenfalls abrufbar.

 

Dorothea Buck gehört zu der Gruppe der so genannten „vergessenen“ bzw. „verleugneten Opfer“, über die – gerade auch um den 27. Januar dieses Jahres herum viel gesprochen wurde. Seit 1996 gilt der 27. Januar als gesetzlich verankerter Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Deutsche Bundestag widmet sich in einer Gedenkstunde jedes Jahr einer bestimmten Gruppe oder einem besonderen Aspekt der Erinnerung und des Gedenkens. 2017 standen als Opfergruppe zum ersten Mal Menschen mit psychischen, geistigen oder körperlichen Erkrankungen, Beeinträchtigungen oder Behinderungen (sowie Menschen, die derart diagnostiziert und stigmatisiert wurden), und die von Ärzten und medizinischem Pflegepersonal im Namen eugenischer Vorstellungen während der Naziherrschaft zwangssterilisiert, psychisch und körperlich misshandelt, für Menschenversuche missbraucht und/oder ermordet wurden, im Fokus des offiziellen Gedenkens.4)Eine Dokumentation der Gedenkstunde im Bundestag findet sich (inklusive Fotos, Redebeiträgen und Video-Aufzeichnung) unter folgendem Link: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw04-de-gedenkstunde/490478 (Abruf: 4.2.2017).

 

Der Deutsche Bundestag hat die Überlebenden der Zwangssterilisationen bis zum heutigen Tag jedoch immer noch nicht offiziell als Verfolgte des Nationalsozialismus anerkannt. Es gibt immer noch Überlebende der „Aktion T4“: „Euthanasie“-geschädigte und zwangssterilisierte Menschen. Wir sollten nicht warten, bis die Betroffenengruppe verstorben ist.

 

100 Jahre sind ein stolzes Alter. Ich gratuliere Dorothea Buck von Herzen.

 

Autorin:

Eva Buchholz

 

Eva Buchholz, M.A. (Jg. 1978). Politikwissenschaftlerin, psychiatrieerfahren aufgrund mehrerer Episoden schwerer Depression, mehrfach chronisch krank. Gesundheitspolitische Referentin bei der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. – ISL. Mitglied u.a. im Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE) und im Berliner Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen e.V. (BZSL), Gründungsmitglied des Förderkreises Gedenkort T4 e.V. und dort Initiatorin und Leiterin des Arbeitskreises „Was vor 1933 begann und mit dem Jahr 1945 noch nicht zu Ende gekommen ist“.

Kontakt: respekt-und-menschenrechte@web.de

 

 

 

[1]     Wer sich mit Psychiatriegeschichte nicht auskennt, weiß kaum, was hinter dem scheinbar so harmlos klingenden Begriff wie der „nassen Packung“ zu verstehen ist. In ihrer „Eröffnungsrede zur Einweihung des Mahnmals für die in Bethel von 1934 bis 1945 zwangssterilisierten Menschen“ schreibt Dorothea Buck: „An der hellgrünen Wand mir gegenüber stand in großer Schrift das Jesuswort »Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!« Erquicken nicht mit einem freundlichen Wort, um unsere Angst vor der ungewohnten Einsperrung zu nehmen, oder durch ein Aufnahmegespräch, das es hier nicht gab. Erquicken nicht mit einer Beschäftigung, sondern »erquicken« mit den hier üblichen Kaltwasserkopfgüssen; Dauerbädern, in denen ich unter einer über die Wanne gespannten Segeltuchplane 23 Stunden von einer Visite zur nächsten lag. Mein Hals war in einem steifen Stehkragen eingeschlossen. »Erquicken« mit der gefürchteten »nassen Packung«, in kalte, nasse Tücher so fest eingebunden, dass man sich nicht mehr bewegen konnte. Die Tücher wurden durch die Körperwärme erst warm, dann heiß. Ich schrie vor Empörung über diese unsinnige Fesselung in den heißen Tüchern. Dass Bethel das Vernünf[t]ige und Natürliche wie Gespräche und Beschäftigung durch diese quälenden Beruhigungsmaßnahmen mit ausschließlichem Strafcharakter ersetzte und das unter dem Jesuswort, fand ich so unheimlich, dass ich allen Ernstes glaubte, hier dem Teufel, den Jesus als den »Vater der Lüge« bezeichnet hatte, ausgeliefert zu sein.“

Quelle: http://www.bpe-online.de/infopool/geschichte/pb/buck_verleugnet.htm (Abruf: 1.4.2017).

[2]     Weitere Infos, insb. auch über den Kampf um Anerkennung dieser Opfergruppe siehe https://www.euthanasiegeschaedigte-zwangssterilisierte.de

[3]     Vgl. den Aufruf zur Beitragseinreichung für die Fest- und Feierschrift anlässlich Dorothe Bucks 100. Geburtstag:  http://files.feedplace.de/vielfalter/fest_und_feierschrift.pdf (Abruf: 1.4.2017).

[4]     Eine Dokumentation der Gedenkstunde im Bundestag findet sich (inklusive Fotos, Redebeiträgen und Video-Aufzeichnung) unter folgendem Link: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw04-de-gedenkstunde/490478 (Abruf: 4.2.2017).

Einzelnachweise   [ + ]

1. Diese Einordnung und Wertung wird von der Autorin dieses Blogbeitrags vorgenommen, die zudem darauf verweist, dass keine der genannten „Behandlungsformen“ ausschließlich während der Nazizeit auftraten, sondern sowohl VOR 1933 als auch NACH 1945 angewandt worden sind. Es waren keine nationalsozialistischen Erfindungen, wenn man so will. Eugenisches Denken, das die Abwertung von Menschen mit Beeinträchtigung beinhaltete (Stichwort „lebensunwertes Leben“), ging dem Nationalsozialismus voraus – wenngleich auch dieses die Diskriminierung und Abwertung beeinträchtigter Menschen nur bedingt erklären kann.
2. Wer sich mit Psychiatriegeschichte nicht auskennt, weiß kaum, was hinter dem scheinbar so harmlos klingenden Be-griff wie der „nassen Packung“ zu verstehen ist. In ihrer „Eröffnungsrede zur Einweihung des Mahnmals für die in Bethel von 1934 bis 1945 zwangssterilisierten Menschen“ schreibt Dorothea Buck: „An der hellgrünen Wand mir ge-genüber stand in großer Schrift das Jesuswort »Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!« Erquicken nicht mit einem freundlichen Wort, um unsere Angst vor der ungewohnten Einsperrung zu nehmen, oder durch ein Aufnahmegespräch, das es hier nicht gab. Erquicken nicht mit einer Beschäftigung, sondern »erquicken« mit den hier üblichen Kaltwasserkopfgüssen; Dauerbädern, in denen ich unter einer über die Wanne ge-spannten Segeltuchplane 23 Stunden von einer Visite zur nächsten lag. Mein Hals war in einem steifen Stehkragen ein-geschlossen. »Erquicken« mit der gefürchteten »nassen Packung«, in kalte, nasse Tücher so fest eingebunden, dass man sich nicht mehr bewegen konnte. Die Tücher wurden durch die Körperwärme erst warm, dann heiß. Ich schrie vor Empörung über diese unsinnige Fesselung in den heißen Tüchern. Dass Bethel das Vernünf[t]ige und Natürliche wie Gespräche und Beschäftigung durch diese quälenden Beruhigungsmaßnahmen mit ausschließlichem Strafcharakter er-setzte und das unter dem Jesuswort, fand ich so unheimlich, dass ich allen Ernstes glaubte, hier dem Teufel, den Jesus als den »Vater der Lüge« bezeichnet hatte, ausgeliefert zu sein.“ Quelle: http://www.bpe-online.de/infopool/geschichte/pb/buck_verleugnet.htm (Abruf: 1.4.2017).
3. Vgl. den Aufruf zur Beitragseinreichung für die Fest- und Feierschrift anlässlich Dorothe Bucks 100. Geburtstag: http://files.feedplace.de/vielfalter/fest_und_feierschrift.pdf (Abruf: 1.4.2017).
4. Eine Dokumentation der Gedenkstunde im Bundestag findet sich (inklusive Fotos, Redebeiträgen und Video-Aufzeichnung) unter folgendem Link: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw04-de-gedenkstunde/490478 (Abruf: 4.2.2017).

Keine Ehrung für Robert Rössle

In Berlin-Buch ist eine Straße nach Robert Rössle benannt. Im Skulpturenpark des Wissenschaftscampus wird durch einen Bronzekopf zusätzlich an ihn erinnert. Es gibt öffentlich zugängliche Hinweise, dass der Geehrte ein Verfechter der nationalsozialistischen Ideologie war, für den sich eine derartige öffentliche Ehrung verbieten sollte. Allerdings blieben mehrere Anschreiben an das Bezirksamt Pankow, in denen um eine Umbenennung gebeten wurde, bisher unbeantwortet.

Büste des Pathologen Robert Rössle. Geschaffen 1960 von Gerhard Thieme. Standort auf dem biomedizinischen Campus Berlin-Buch vor der Robert-Rössle-Klinik. Date 6 July 2010

Büste des Pathologen Robert Rössle. Geschaffen 1960 von Gerhard Thieme. Standort auf dem biomedizinischen Campus Berlin-Buch vor der Robert-Rössle-Klinik.
6 July 2010 CC BY 3.0. DE Axel Mauruszat

Robert Rössle war Pathologe und Anatom. Ab 1929 hatte er in Berlin den Lehrstuhl für Pathologie an der Charité inne. Eines seiner Arbeitsgebiete war die Pathologie der Familie, die er durch Leichensektionen an ganzen Familien studierte. Im Nationalsozialismus hatte er dazu besonders viele Gelegenheiten und nützte, wie er es in einer seiner Publikationen selbst ausdrückte, „die plötzlichen Massentodesfälle in Familien“ aus (aus R. Rössle, Virchows Archiv Bd. 308, 495ff, 1942). Weshalb damals ganze Familien den Freitod wählten, ist hinlänglich bekannt.

 

Im Jahr 1942 war Robert Rössle bereits 66 Jahre. Er hätte sich emeritieren lassen können. Er ließ sich jedoch in den wissenschaftlichen Senat des Heeressanitätswesens berufen, wo er die Folgen von Luftstoßschäden und der Druckfallkrankheit untersuchte. Für wie wichtig er seine zweifelhafte Arbeit hielt, wird in folgendem Zitat deutlich: „Bei dem Gewicht, welches die staatiche Gesundheitsführung heute der Erhaltung und Förderung gesunder Sippen, der Ausmerzung Iebensunwerten Erbgutes beimißt, sollte der Beitrag, den die Pathologischen Institute durch ihre Arbeit zur Klärung erbpathologischer Zusammenhänge zu leisten vermögen, nicht unterschätzt werden.“ (aus R. Rössle, Virchows Archiv Bd. 308, 485ff, 1942).

 

Für „die Ausmerzung lebensunwerten Erbgutes“ war Karl Brandt, einer der Hauptverantwortlichen der Aktion T4,  zuständig. Der war nicht nur Hitlers Begleitarzt, sondern führte den verschleiernden Titel Generalkommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen. Rössle wurde 1944 in den wissenschaftlichen Beirat von Brandts Generalkommissariat berufen. Dem wissenschaftlichen Kuratorium des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hirnforschung, das aktiv an der T4-Aktion beteiligt war, gehörte Rössle bereits ab 1932 ununterbrochen an.

 

Robert Rössle ist wahrscheinlich kein NSDAP-Mitglied gewesen. Dennoch machen ihn seine aktive Laufbahn in herausgehobener Position, seine Beteiligung an Menschenversuchen für die Luftwaffe und seine Nähe zum Krankenmord der Nationalsozialisten zu einem Mittäter der NS-Greuel, nach dem keine Straße benannt werden darf. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch Prof. Thomas Beddies vom Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin an der Charité. Er bestätigte in einer ersten historischen Einordnung, dass „Hinweise auf eine NS-Belastung vorhanden sind, die es aus heutiger Sicht undenkbar erscheinen lassen würden,“ Robert Rössle „durch die Benennung einer Klinik oder einer Straße positiv herauszustellen“.

 

Als Ärztin ist es mir ein Anliegen, dass die Adresse einer renommierten medizinischen Forschungseinrichtung (Max-Delbrück-Centrum, Robert-Rössle Str. 10, 13125 Berlin) nicht den unrühmlichen Namen eines Mannes in die Welt trägt, der mit den menschenverachtenden Taten der Nationalsozialisten in Zusammenhang steht. Das im Skulpturenpark des Campus Berlin-Buch befindliche Mahnmal „Zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Euthanasieverbrechen“ von Anna Franziska Schwarzbach wird, meines Erachtens, durch die gleichzeitige Präsenz des Bronzekopfes von Robert Rössle entwertet. Meine Großmutter, Katharina von Keutz, war eines von Tausenden Opfern der „T4-Aktion“. Auch ihr bin ich es schuldig, dass ich mich dafür einsetze, dass niemand, der mit diesen abscheulichen Taten in Verbindung stand, heute noch geehrt wird.

 

Dr. Ute Linz, 12621 Berlin

 

„Vergangenheit und Gegenwart sind nicht zu trennen“

Johanna Herzing (Jg. 1982) ist Kulturwissenschaftlerin und Hörfunk-Journalistin. Sie widmet sich beruflich überwiegend politischen und historischen Fragestellungen sowie der Region Ostmitteleuropa. Das Schicksal ihrer Urgroßtante Gertrud Ferchland, die 1943 in der Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde ermordet wurde, hat sie in einem Feature für den Deutschlandfunk verarbeitet.

 

 

Johanna und Trude

Johanna Herzing und ihre Urgroßtante Gertrud „Trude“ Ferchland.

 

 

Julia Frick: Wann haben Sie begonnen, über das Schicksal der Schwester Ihrer Urgroßmutter nachzuforschen? Können Sie sich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn Ihrer Recherchen war?

 

Johanna Herzing: Beschäftigt haben mich meine Urgroßtante Trude und ihre Familie schon lange. Das ist aus verschiedenen Gründen eine spannende Familiengeschichte, die mir meine Großmutter schon nahegebracht hat, als ich noch ein Kind war. Trude, so hieß meine Urgroßtante, hatte in den Erzählungen immer einen festen Platz. Meine Großmutter hat ihre Tante sehr bewundert. Trude, so hieß es immer, sei so schlau gewesen, so gebildet, so fleißig; eine Lehrerin, aber in gehobener Position, in der Lesebuchkommission aktiv usw. Eine ledige Frau, die ihre Angehörigen (Schwester, Neffen, Nichten) auch finanziell unterstützt hat. Das wurde alles oft und gern wiederholt. Auf diese Lobrede folgte dann immer deutlich knapper und mit Bitterkeit der Satz: „Die Nazis haben die Trude in der Nervenklinik verhungern lassen“. Ich habe das lange nicht hinterfragt.
Als meine Großmutter starb, tauchte plötzlich ein Koffer mit Dokumenten auf – darin die Sterbeurkunde von Trude. Im Internet fand ich dann sehr schnell mehr heraus über die dort genannte „Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde“, der Ort, an dem Trude gestorben war. Auf einmal wurde alles viel konkreter. Ich glaube, ich hatte Trudes Tod lange Zeit nicht als gezielte Tötung betrachtet, sondern vielleicht eher als eine Art schlimme, aber letztlich nicht planvolle Fahrlässigkeit, die der NS-Ideologie entsprach und entgegenkam.

 

 

Julia Frick: Was waren Ihre ersten Schritte und Anlaufstellen?

 

Johanna Herzing: Schon vor dem „Koffer-Fund“ hatte ich von Zeit zu Zeit in Archiven und im Internet nach Spuren und Dokumenten zu Trudes Familienzweig gesucht. Angefragt hatte ich zum Beispiel bei mehreren Archiven, die ich den verschiedenen Wohnorten von Trude und ihrer Familie zuordnen konnte. Nachdem Trudes Sterbeurkunde aufgetaucht war, hatte ich dann neue Anhaltpunkte für die Recherche. Der Ort, an dem sie gestorben war, Meseritz, heißt heute Miedzyrzecz und liegt in Polen. Eines Tages fand ich einen Eintrag in einer polnischen Datenbank:

Die Krankenakte von Trude lagerte offenbar im Archiv von Gorzow Wielkopolski. Ich fragte beim Archiv an und bekam eine Kopie der Akte zugeschickt. Ich war sehr aufgeregt und berührt, als ich die Akte zum ersten Mal durchging. Die „Trude“ war mir eben durch die Erzählungen meiner Großmutter und ihrer Geschwister sehr präsent. Das war nicht einfach irgendeine entfernte Verwandte! Ich besitze Fotos, Briefe und Kleinigkeiten von Trude, eine Hut-Brosche, eine Nadeldose, Kreuzworträtsel, die sie sich für ihre Schwester, meine Urgroßmutter, ausgedacht hat…

 

 

Julia Frick: Was konnten Sie herausfinden?

 

Johanna Herzing: Trude lebte nach ihrer Einlieferung in Meseritz-Obrawalde nur noch wenige Tage. Sie war aus einem städtischen Krankenhaus in der Nähe ihrer Arbeitsstelle dorthin verlegt worden. Offenbar hatte sie kurz zuvor einen Nervenzusammenbruch erlitten, in einem Dokument ist außerdem von „Depressionen im Klimakterium“ die Rede. Ihre körperliche Verfassung scheint bei der Aufnahme in Meseritz-Obrawalde im Prinzip recht gut gewesen zu sein. Deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass sie dort verhungerte – es war also anders als es die Erzählungen in meiner Familie nahelegten. Sehr wahrscheinlich wurde sie gezielt umgebracht. In Meseritz-Obrawalde geschah das meist durch Überdosierung bestimmter Medikamente, manchmal auch durch Luftinjektionen.
Maßgeblich beteiligt an der Verlegung bzw. der Aufnahme in Meseritz-Obrawalde war Trudes jüngerer Bruder Heinz gewesen, der kurze Zeit vorher als ihr Pfleger eingesetzt worden war, das ging ebenfalls aus der Akte hervor. Für mich war das eine wichtige Information, weil ich vorher dachte, dass die Familie mit Trudes Einweisung nichts oder kaum etwas zu tun hatte. Die Frage aber, inwiefern auch die Angehörigen der „Euthanasie“-Opfer das Schicksal ihres Familienmitglieds beeinflusst haben, ist doch sehr relevant. Der Historiker Götz Aly, mit dem ich in Kontakt stand, war so freundlich, Trudes Krankenakte durchzugehen und mir einige Fragen zu beantworten. Der Akte zufolge wurde Trudes Leichnam ins Krematorium nach Frankfurt an der Oder überführt; die Familie erhielt auch eine Urne, die in Dresden-Hellerau beigesetzt wurde. Laut Götz Aly ist es aber unwahrscheinlich, dass sie wirklich Trudes Asche enthielt. Insofern ist Trudes Urnengrab eher ein symbolischer Ort der Erinnerung.

 

 

„Vergangenheit und Gegenwart sind nicht zu trennen. Trude hat meine Familie bewusst und unbewusst über mehrere Generationen hinweg beeinflusst. Diese Einflüsse der Vergangenheit wahrzunehmen und aufzudecken, kann nur hilfreich sein, wenn wir Gegenwart und Zukunft besser und menschlicher gestalten wollen.“

 

 

Julia Frick: Wie hat Ihre Familie bzw. Ihr Umfeld auf Ihr Engagement und auf die neuen Informationen reagiert?

 

Johanna Herzing: Die meisten Reaktionen auf meine Recherchen waren sehr positiv. Viele der noch lebenden näheren Angehörigen von Trude (die Schwestern meiner Großmutter etwa) erinnern sich ja im Prinzip sehr gern an Trude. Über Trudes Tod zu sprechen war da schon schwieriger – vor allem was die Frage anging, ob Trudes jüngerer Bruder Heinz seine Schwester bewusst dem Risiko ausgesetzt hatte, in Obrawalde ermordet zu werden. Denn auch Heinz hat einen festen und sehr positiven Platz in der Erinnerung der Familie. Der ist ihm schwer streitig zu machen, und letztlich fühle ich mich dazu auch nicht im Recht, denn unter welchen Umständen er Trudes Aufnahme in Meseritz-Obrawalde begleitete, kann ich nicht beurteilen.
Die meisten meiner Angehörigen waren jedenfalls sehr neugierig und interessiert an dem, was ich Schritt für Schritt herausfand. Eine entscheidende Rolle spielt sicher der Umstand, dass es auch in den Generationen nach Trude Fälle von psychischen Erkrankungen und geistiger Behinderung in der Familie gab und gibt. Dadurch ist Trudes Schicksal alles andere als abstrakt und berührt meine Familie auf besondere Weise.

 

 

Julia Frick: Wie würden Sie den Einfluss beschreiben, den Ihre Recherchen auf Sie selbst hatten und haben?

 

Johanna Herzing: Mir hat es noch einmal deutlich gemacht, wie groß das gesellschaftliche Stigma psychischer Erkrankungen und geistiger Behinderung war und in Teilen bis heute ist. Da ich direkte Angehörige habe, die davon betroffen sind, hat mich das traurig gemacht.

 

 

Julia Frick: Was treibt Sie und Ihre Arbeit an?

 

Johanna Herzing: Vergangenheit und Gegenwart sind nicht zu trennen. Trude, ihre Erkrankung und ihr Schicksal, hat meine Familie bewusst und unbewusst über mehrere Generationen hinweg beeinflusst. Diese Einflüsse der Vergangenheit wahrzunehmen und aufzudecken, kann nur hilfreich sein, wenn wir Gegenwart und Zukunft besser und menschlicher gestalten wollen.

 

 

Hier können Sie die Biografie von Trude Ferchland nachlesen.

 

Hier finden Sie das Deutschlandfunk-Feature „Tante Trude“.

Lesen Sie die bisher erschienen Interviews hier und hier.

 

 

Rez.: Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein (Hg.): Den Opfern ihren Namen geben

Die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein im Verbund der Stiftung Sächsische Gedenkstätten publizierte  eine Reihe von Porträts von Menschen, die 1940 und 1941 in Pirna den nationalsozialistischen Patientenmorden zum Opfer fielen. Die zehn, jeweils zehn bis 15 Seiten umfassenden, im Broschürenformat gehaltenen Bände sind reichlich bebildert und schildern unterschiedlichste Lebenswege von Geburt und Kindheit über die meist langjährigen Aufenthalte in Heil- und Pflegeanstalten bis hin zur Ermordung in der Gaskammer in der T4-Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Der für alle Bände einheitlich gehaltene Einband gibt Porträtfotos aller vorgestellten Personen wieder, wobei das der jeweils beschriebenen Person in der Größe hervorgehoben ist. Damit wird bereits vor der Lektüre daran erinnert, dass die Porträts letztlich nicht nur Bruchstücke aus einem Leben erzählen, sondern dass diese Stücke wiederum nur Teilchen einer viel größeren Gruppe von Opfern der NS-„Euthanasie“ sind. Mit den Mitteln der visuellen Gestaltung wird also verdeutlicht, dass das Gedenken an Individuen auch immer den Blick auf das dahinter stehende viel größere Bild öffnen kann.

 Screenshot https://www.stsg.de/cms/pirna/veroeffentlichungen/gesamtuebersicht

Screenshot https://www.stsg.de/cms/pirna/veroeffentlichungen/gesamtuebersicht

Die Bände wurden von Mitarbeitern der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein verfaßt und sind über die Website der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein gratis zu bestellen. Ein Einsatz in Schulen zur Vorbereitung eines Besuchs der Gedenkstätte erscheint sehr sinnvoll; auch wegen der Kürze der Texte, die in einer Schulstunde gut zu bearbeiten sein dürften.

 

Ernst Klee – Wegbereiter der Forschungen zu den NS-Medizinverbrechen

Am 15. März 2017 wäre der Journalist, Publizist, Historiker und Grundlagenforscher zu den „Euthanasie“-Verbrechen 75 Jahre alt geworden.

 

Foto: Fritz Bauer Institut

Foto: Fritz Bauer Institut

Der im Mai 2013 in Frankfurt am Main Verstorbene war ursprünglich gelernter Installateur, holte das Abitur auf dem 2. Bildungsweg nach und studierte anschließend Sozialpädagogik und Theologie. Zunächst befasste sich Ernst Klee in den 70er Jahren mit jenen, die den sozialen Randgruppen der damaligen BRD zugerechnet wurden: Menschen mit Psychiatrieerfahrung, Obdachlose und Menschen mit Behinderung. Er publizierte zur Thematik der „Gastarbeiter“ und Strafgefangenen, verfasste eine Vielzahl von Sozialreportagen und war auch als Dokumentarfilmer tätig. Der heute allgegenwärtige Begriff der „Inklusion“ wurde von Ernst Klee lange vor dessen Entstehung  gelebt und in seinem politischen Wirken implizit eingefordert.

 

Ein besonderes Verdienst von Ernst Klee ist die frühe Erforschung und vielfache publizistische Sichtbarmachung der Verbrechen der sog. „Euthanasie“. Die auf dem Eichberg im Rheingau und dem Idsteiner Kalmenhof durch NS-Mediziner eingerichteten „Kinderfachabteilungen“ wurden ebenso zum Forschungsgegenstand des Frankfurter Historikers wie die „T4“-Tötungsanstalt in Hadamar. Ernst Klee untersuchte die systematischen Morde an den gemäß NS-Doktrin „Lebensunwerten“ in einem Zeitraum der deutschen Geschichtsschreibung, in der Institutionen, Berufsverbände, Wissenschaft und Forschung primär mit dem Nicht-Wahrhaben der Medizinverbrechen des Nationalsozialismus, nicht aber deren Aufarbeitung befasst waren.

 

Die 1983 erschienene, mehrfach überarbeitete Publikation „Euthanasie im Dritten Reich“, der Begleitband „Dokumente zur Euthanasie“ (1985) und das „Personenlexikon zum Dritten Reich“ (2003) gehören heute zur fachwissenschaftlichen Standardliteratur. Es ist das Verdienst von Ernst Klee, dass die NS-Medizinverbrechen in den Fokus von Gedenkstättenarbeit und wissenschaftlicher Forschung gerückt sind. Durch die Akribie, den Fleiß und die dezidiert an ethischen Gegenwartsfragen anknüpfende Arbeitsweise des „Außenseiters“ Ernst Klee wurde die Messlatte – auch für den heutigen Wissenschaftsbetrieb – sehr hoch gehängt. Die politische Stimme Ernst Klees, aber auch seine unabhängige Expertise fehlen uns heute vielerorts.

 

 

Projekt: Kontinuitäten und Brüche in B.O./Agnes-Karll-Verband/DBfK 1933-49

Materialien zur Geschichte der Pflege im Nationalsozialismus gesucht

Die Neubrandenburger Pflegewissenschaftlerin Dr. Anja K. Peters und der Berliner Historiker Robert Parzer haben damit begonnen, im Auftrag des DBfK-Bundesvorstands die vermuteten personellen Kontinuitäten im Berufsverband zwischen 1933 und 1949 zu erforschen. Ziel der Studie ist es, die Rolle von herausgehobenen Funktionären und Funktionärinnen des DBfK und seiner Vorgängerinstitutionen zu untersuchen. Die Untersuchung der Biographien soll dabei kein Selbstzweck sein, sondern es erlauben, Kontinuitäten, Brüche und Traditionslinien im Selbstverständnis des Berufsverbandes aufzuzeigen. Es gilt zu überprüfen, inwieweit die Überlieferung der erzwungenen Inaktivität 1933-1945 und des unbelasteten Neuanfangs 1945 den Tatsachen standhält.

Indem der Bundesvorstand diese Fragen untersuchen lässt, stellt er sich einer Aufgabe, die in der Ärzteschaft bereits im Gange ist.

Derzeit eruieren und sortieren Peters und Parzer die Namen von Vorstandsmitgliedern auf allen Ebenen mit Schwerpunktsetzung auf Landesvorständen und späteren Bundesvorstandsmitgliedern. Die beiden bitten deshalb die Leserinnen und Leser von Die Schwester Der Pfleger sowie DBfK-Mitglieder im Ruhestand, ihnen Namen aktiver Verbandsfunktionärinnen und -funktionäre bis 1949 mitzuteilen.

Sie sind außerdem interessiert an Bildern, alten Pflegezeitschriften, Tagebüchern und Briefen von Mitgliedern der B.O. bzw. des Agnes-Karll-Verbands. Ziel ist es hierbei nachzuvollziehen, wer über welchen Zeitraum mit wem in Kontakt stand, welche Netzwerke existierten und wie sich diese ggf. auf den Verband auswirkten. Wenn Schwestern und Pfleger im Ruhestand oder Nachkommen von Pflegepersonen Nachlässe aus den 1930/40ern der historischen Pflegeforschung auf Dauer zur Verfügung stellen möchten, können diese in das im Aufbau befindliche Archiv der Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte Alt Rehse übernommen werden (www.ebb-alt-rehse.de).

Die Ergebnisse der Untersuchung sollen in Die Schwester Der Pfleger publiziert werden, um sie möglichst vielen Mitgliedern zur Kenntnis zu geben. Geplant ist auch die Präsentation in einem geeigneten Tagungsrahmen.

Für Fragen zum Projekt stehen Peters und Parzer gerne zur Verfügung. Kontakt: Dr. Anja K. Peters & Robert Parzer, c/o EBB Alt Rehse e.V., Am Gutshof 1, 17217 Alt Rehse, E-Mail pflegewirtin@web.de | r.parzer@ebb-alt-rehse.de

Es begann mit einer Zeitungsannonce – Edward Wieand und seine Tante Erna

Edward Wieand lebt in Sennestadt bei Bielefeld. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2009 war er in der heilpädagogischen Arbeit, u.a. in den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und der Stiftung Eben-Ezer in Lemgo tätig. Bereits in den 1980er Jahren begann er, zum NS-„Euthanasie“-Mord an seiner Tante Erna Kronshage (1922-1944) zu recherchieren – ausgelöst durch eine Zeitungsannonce.
Mittlerweile leistet Edward Wieand in mehreren Internetblogs eine umfangreiche Gedenkarbeit. In der Interview-Reihe „Das Schweigen brechen“ erzählt er von seinen Nachforschungen.

 

Visuelle Annäherung - Edward Wieand und seine Tante Erna Kronshage.

Visuelle Annäherung – Edward Wieand und seine Tante Erna Kronshage. (Bilder: Wieand)

 

Julia Frick: Wann haben Sie begonnen, über das Schicksal Ihrer Tante nachzuforschen? Können Sie sich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn Ihrer Recherchen war?

 

Edward Wieand: Begonnen habe ich 1986. In der Kirchenzeitung für Westfalen stieß ich auf eine Notiz vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Genauer gesagt war es ein Aufruf an Angehörige von NS-„Euthanasie“-Opfern oder solchen, die einen Fall von NS-„Euthanasie“ in ihrer Familie vermuteten. Ich hatte, was meine Tante Erna anging, einen solchen Verdacht – der LWL-Beauftragte, mit dem ich dann sprach, bestätigte ihn.

 

 

Julia Frick: Wie ging es dann weiter? Was waren Ihre nächsten Anlaufstellen?

 

Edward Wieand: Ich nahm Kontakt mit Ernst Klee auf, der ja einige bedeutende Schriften zum Thema NS-„Euthanasie“ verfasst hat. Ich las seine Bücher und suchte insbesondere nach Informationen über die Anstalt in Tiegenhof/Gnesen bzw. Dziekanka/Gniezno im heutigen Polen, wo meine Tante im Jahr 1944 umgebracht wurde. Auch vertiefte ich mich in Publikationen von Götz Aly und Michael Wunder („Auf dieser schiefen Ebene gibt es kein Halten mehr“). Letztlich suchte ich wegen der „Erbgesundheitsakte“ meiner Tante das Stadtarchiv Bielefeld auf.

 

 

Julia Frick: Was konnten Sie im Laufe der Jahre herausfinden?

 

Edward Wieand: Ich konnte – leider ohne Auffinden der Patientenakte – ziemlich minutiös das 484 Tage andauernde Martyrium meiner Tante Erna Kronshage rekonstruieren. Außerdem hatte ich glücklicherweise relativ viele Fotos im Familienbesitz zur Verfügung.

 

 

„Ich möchte besonders junge Menschen ansprechen, die sich vielleicht mit Erna identifizieren können. Schließlich ist sie mit gerade einmal 21 Jahren umgebracht worden.“

 

 

Julia Frick: Wie hat Ihre Familie bzw. Ihr Umfeld auf Ihr Engagement und auf die neuen Informationen reagiert?

 

Edward Wieand: Das war sehr unterschiedlich. Die einen waren angerührt, die anderen reagierten abweisend. Man schämte sich, wohl auch wegen des eigenen Verschweigens in all den Jahren: von 1944 bis zu meiner Bearbeitung ab 1986! Meinen Brüdern und Cousins war die Geschichte von Erna Kronshage eher „peinlich“ – doch auch sie waren auf eine gewisse Art und Weise interessiert …

 

 

Julia Frick: Wie würden Sie den Einfluss beschreiben, den Ihre Recherchen auf Sie selbst hatten und haben?

 

Edward Wieand: Ich war früher im Bereich der Sozialen Arbeit, in Heimen für behinderte Menschen tätig. Von daher war ich schon von Berufs wegen interessiert an der Thematik und erschrocken über die Taten und Mitwirkungen der altvorderen „Kollegen“ bei den „Euthanasie“-Morden. Gleichzeitig warnte ich als Heimleiter vor ähnlichen „Fragebögen“ etc., die ja im Behindertenbereich immer wieder gern genutzt werden.
Letztlich wurde mir auch bei der Tagung zur Namensnennung von „Euthanasie“-Opfern, die Ende Juni 2016 in der Topographie des Terrors stattfand, noch einmal das Diffizile aller Aspekte bewusst. Nämlich, dass es zwei Gruppen von Angehörigen gibt – solche, die die Namensnennung vorantreiben möchten, auch der Opfer zuliebe, und solche, die vor diesem Schritt (noch) Angst haben.

 

 

Julia Frick: Was treibt Sie und Ihre Arbeit an?

 

Edward Wieand: Für mich als „Alt-68er“ war das sicherlich zunächst einmal eine notwendige politische Konsequenz gegenüber der Elterngeneration. Hinzu kam dann der berufsbezogene Aspekt – und heutzutage ist es mir wichtig, das Einzelschicksal meiner Tante bekanntzumachen. Auch, um gegen rückwärtsgewandte Entwicklungen in der Gesellschaft Stellung zu beziehen oder eventuelle „Wiederholungen“ (wie zum Beispiel die Gefahr der Verwendung „chemischer Keulen“ in der Psychiatrie) zu verhindern. Hier möchte ich besonders junge Menschen ansprechen, die sich vielleicht mit Erna identifizieren können. Schließlich ist sie mit gerade einmal 21 Jahren umgebracht worden.

 

 

Ernas Leben und ihre Leidensgeschichte in beeindruckenden Bildern: https://www.yumpu.com/de/embed/view/TxZNidnmMoBv4XGU 

 

 

Einer der Blogs von Edward Wieand: http://erna-4-teens.blogspot.de

 

 

Ernas Biografie: http://gedenkort-t4.eu/de/vergangenheit/kronshage-erna

 

 

Vorstellung des Gedenkbuches der Opfer aus der Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Buch

Wann: 16. Feb. 2017 um 17 Uhr
Wo: Akademie der Gesundheit, Schwanebecker Chaussee 4 E-H; 13125 Berlin. Vortragssaal; Haus 206 (Hufelandcampus)

KrankenhausBuch Anfang des 20. Jahrhunderts. Quelle:http://www.planetarium-berlin.de

Krankenhaus Buch Anfang des 20. Jahrhunderts. Quelle:http://www.planetarium-berlin.de

Mit 2.700 Plätzen war die Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Buch bis Ende 1940 die größte der vier Berliner Einrichtungen zur Pflege und Versorgung psychisch kranker und geistig behinderter Menschen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anstalt aufgelöst und die Gebäude für andere medizinische Zwecke genutzt. Zahlreiche Patienten und Pfleglinge fielen den der NS-Krankenmord- Aktionen zum Opfer. Entweder starben sie in den Gaskammern der „Aktion T4“ oder wurden im Rahmen dezentraler „Euthanasie“-Maßnahmen durch Hunger und/oder Medikamente getötet.

Das Denkmal: Ein Kissen aus Kunstharz

Denkmal in Berlin-Buch: Ein Kissen aus Kunstharz

Durch die Veröffentlichung ihrer Namen in einem Gedenkbuch sollen die Ermordeten ihre Identität zurückerlangen. Damit kann einerseits das öffentliche Gedenken an diese Opfergruppe unterstützt werden, andererseits wird auch individuelles Gedenken möglich, indem die Nachkommen gesicherte Auskünfte über das Schicksal ihres Angehörigen erhalten.

 

Terminübersicht für den Tag der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.1.2017

Der 27.1. ist seit einer Proklamation des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog vom 3.1.1996 in Deutschland als Tag der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus eingeführt. Wie schon letztes Jahr, haben wir auch für 2017 wieder eine Terminübersicht gestaltet. Sie erfasst alle Veranstaltungen, die sich am und um den 27.1. der Erinnerung an die Opfer der NS-„Euthanasie“ und der Zwangssterilisationen widmen. Das herausragende Ereignis wird sicher die Gedenkstunde im Bundestag sein, die in diesem Jahr an die NS-„Euthanasie“ erinnert. Dazu wird als Angehörige eines Opfers u.a. Sigrid Falkenstein sprechen.
Falls wir etwas übersehen haben, schreiben Sie uns bitte. (robert.parzer@gedenkort-t4.eu). Hier der Link, falls die Karte nicht angezeigt werden sollte.

 

https://www.google.com/maps/d/u/0/edit?mid=1uRLYY0shl0sF1cb9GcG-5Z4LN_Y&ll=50.78634287332133%2C11.330509199999938&z=6

„Ich wollte sie präsent werden lassen“ – Hannah Bischof und ihre Großmutter Maria

 

Vor fast 15 Jahren haben sich die Berliner Malerin Hannah Bischof und ihre Schwester Regina Fenski auf die Suche gemacht. Auf die Suche nach ihrer Großmutter Maria, die im August 1942 in der Heilanstalt Neuruppin ermordet wurde. Hannah hat ihrer Großmutter einen Bilderzyklus gewidmet – für die Interview-Reihe „Das Schweigen brechen“ erzählt Hannah, wie sie die Jahre der Recherche und der Aufarbeitung erlebt hat.

 

Hannah Bischof und ihre Großmutter Maria Fenski

Hannah Bischof lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Großmutter Maria Fenski wurde im Alter von nur 36 Jahren in Neuruppin ermordet. (Bilder: Bischof)

 

Julia Frick: Wann hast du begonnen, über das Schicksal deiner Großmutter nachzuforschen? Kannst du dich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn deiner Recherchen war?

 

Hannah Bischof: Das war 2003. Geforscht hat eigentlich meine Schwester Dr. Regina Fenski, weil sie über das Leben unserer Großmutter ein Buch schreiben wollte und deshalb in Neuruppin nach ihrer Krankenakte gefragt hat. Mein Vater ist mit derselben Frage einige Jahre zuvor abschlägig beschieden worden; 2003 war die Akte plötzlich da… Meine Schwester hat mich gebeten, sie zu begleiten, und wir sind dann zusammen nach Neuruppin in die Ruppiner Kliniken gefahren. Wir wussten, dass unsere Großmutter 1942 in Neuruppin gestorben war; deshalb hatte meine Schwester dort gefragt. Wir waren beide sehr nervös und aufgeregt. Wir haben dann beide dort eine Kopie der Krankenakte erhalten.

 

Julia Frick: Wie ging es dann weiter?

 

Hannah Bischof: 2015, als schon etliche Bilder für meine Großmutter in meinem Atelier entstanden waren, bin ich auch nach Berlin-Lichtenberg in das Elisabeth-Herzberge-Krankenhaus gefahren und hatte dort ein Gespräch mit der Archivarin des Krankenhauses. Denn bevor Maria nach Neuruppin kam, war sie in diesem Krankenhaus gewesen. Die Archivarin sagte mir, dass die Akten damals alle an die Kliniken mitgegeben worden waren, in die die Patienten von Herzberge verlegt wurden. Deshalb existierten in Herzberge überhaupt keine Akten mehr.

 

Julia Frick: Was konntet ihr im Laufe der Zeit über das Schicksal eurer Großmutter herausfinden?

 

Hannah Bischof: Mit der Kopie der Krankenakte konnten wir den Großteil des Lebens unserer Großmutter nachvollziehen – zumindest den Teil, den sie in Kliniken verbracht hat. Wir begriffen, dass sie wirklich krank gewesen war und Psychosen hatte. Nach der Einschätzung von Dr. Göhlert, dem damaligen ärztlichen Direktor der Neuruppiner Kliniken, litt sie tatsächlich an Schizophrenie. Wir konnten auch herausfinden, dass sie an Unterernährung gestorben war; zum Zeitpunkt ihres Todes wog sie nur noch 42 Kilo, wie aus der Gewichtstabelle in der Akte hervorging. Diese bezeugte einen rapiden Gewichtsverlust in den letzten Monaten ihres Lebens.

Man hatte unsere Großmutter also verhungern lassen, und die angegebene Todesursache „Herzmuskelentartung“ war damit nicht einmal „gelogen“ – diese Krankheit des Herzens und des Herzmuskelgewebes ist eine Folge von Unterernährung. Wir konnten auch anhand der Akte herausfinden, dass sie schon mit 17 in einer Klinik in Osnabrück behandelt worden war. Ich fragte in der Klinik nach und bekam ihren dortigen Aufenthalt bestätigt.

 

 


„Mit dazu beitragen zu können, dass in den Familien darüber gesprochen wird, dass sich auch die Jüngeren dafür interessieren, was damals passiert ist, das wäre schön.“


 

 

Julia Frick: Wie hat eure Familie bzw. euer Umfeld auf euer Engagement und auf die neuen Informationen reagiert?

 

Hannah Bischof: Mein Engagement bezog sich ja nicht direkt auf die Recherchen; ich bin Malerin und habe das Leben und Sterben meiner Großmutter erst sehr viel später, lange nach den Besuchen in Neuruppin und Herzberge, in Bildern verarbeitet. Aber der Besitz der Krankenakte hat einiges aufgewühlt; meine Schwester und ich besuchten 2003 die Tochter unserer Großmutter, unsere Tante, der wir eine Kopie der Akte geschickt hatten und die uns erzählte, dass sie nach dem Lesen drei Tage geweint habe. Sie konnte uns noch sehr viel aus dieser Zeit berichten und war sehr froh, dass wir diesen Schritt unternommen und die Akte erhalten hatten. Ein Teil der Familie interessierte sich auch für diese Informationen und war sehr betroffen über das, was wir herausgefunden hatten – zumal bis dahin auch bei einigen die Version kursierte, dass unsere Großmutter Selbstmord begangen habe…

 

Julia Frick: Wie würdest du den Einfluss beschreiben, den eure gemeinsamen Recherchen auf dich selbst hatten?

 

Hannah Bischof: Letztendlich haben die Recherchen meiner Schwester und auch meine eigenen (in Osnabrück und in Berlin-Lichtenberg) dazu geführt, dass ich das Leben und Sterben meiner Großmutter in sechzehn Gemälden verarbeitet habe. Mit diesen Bildern und Fotos habe ich eine Ausstellung konzipiert, die ich 2016 in Neustadt (Schleswig-Holstein) und in Brandenburg an der Havel gezeigt habe. Von Januar bis März 2017 wird sie in Berlin in der Stiftung „Erinnerung – Verantwortung – Zukunft“ zu sehen sein. Meine Großmutter ist damit für mich sehr präsent geworden; sie ist wieder Teil der Familie, sie ist in die Familie zurückgekehrt.

 

Julia Frick: Zu guter Letzt – was treibt dich und deine Arbeit an?

 

Hannah Bischof: Mein Wunsch war, meiner Großmutter die Würde zurückzugeben, die ihr die Nationalsozialisten genommen hatten. Ich wollte sie präsent werden lassen, wollte der Öffentlichkeit zeigen, wer sie war und was man ihr angetan hatte. Ich wollte – und will – darauf hinweisen, was passiert, wenn man Menschen in einer Gesellschaft bewusst ausgrenzt. Und ich wünsche mir, dass die Menschen über dieses Unrecht sprechen. Gerade das Thema der sog. „Euthanasie“ ist in unserer und wahrscheinlich auch in anderen Gesellschaften m.E. noch nicht aufgearbeitet – aus Scham und wegen diffuser Ängste. Mit dazu beitragen zu können, dass in den Familien darüber gesprochen wird, dass sich auch die Jüngeren dafür interessieren, was damals passiert ist, das wäre schön.

 

 

Die Biografie von Maria Fenski können Sie hier nachlesen: http://gedenkort-t4.eu/de/vergangenheit/maria-fenski

 

Wenn Sie mehr über Hannah Bischof und ihre Arbeit erfahren möchten, besuchen Sie ihre Website: http://www.hannah-bischof.de

 

Engagierte Mitstreiter*innen für Arbeitskreis des Fördervereins Gedenkort T4 e.V. gesucht!

Neuer Arbeitskreis: „Was vor 1933 begann und mit dem Jahr 1945 noch nicht zu Ende gekommen ist“

Beim Treffen des Vorstands des Fördervereins Gedenkort T4 e.V. im Dezember 2016 wurde die Einrichtung eines Arbeitskreises beschlossen. Dieser trägt den Namen „Was vor 1933 begann und mit dem Jahr 1945 noch nicht zu Ende gekommen ist“ (kurz: AK „VOR 1933 – NACH 1945“). Widmen möchte sich der Arbeitskreis u.a. den Bedingungen in den „Heilanstalten“ und „Irrenhäusern“ im Dritten Reich und der Frage, was die „Behandlung“ für die Betroffenen konkret bedeutet hat. Es soll dabei gefragt werden, welche Formen der Abwertung und Diskriminierung der betroffenen Personengruppe schon vor 1933 und den nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen bestanden, welche Kontinuitäten sich für die Zeit ab 1945 aufzeigen lassen und wie es heute aussieht in Psychiatrien und Einrichtungen der Behindertenhilfe.

Der Arbeitskreis wird von Eva Buchholz geleitet. Interessent*innen melden sich bis zum 31. Januar 2017 bei ihr per Mail: eva.buchholz@gedenkort-t4.eu.

Alle weiteren Informationen hier im Flyer

Ank.: Interviewreihe mit Angehörigen von Opfern der NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisationen

 

Seit einigen Jahren gibt es ein erinnerungskulturelles Phänomen zu beobachten: Immer mehr Angehörige von Opfern der NS-„Euthanasie“ gehen an die Öffentlichkeit. Sie schreiben Bücher, Biografien, sprechen auf Konferenzen und gestalten Gedenkseiten im Netz.

 

Eine von ihnen ist Julia Frick, die hier im Blog schon öfter zu Wort kam. Seit sie entdeckte, dass ihr Großvater im Jahr 1941 in der Nervenheilanstalt Bernau ermordet wurde, ist sie in allen nur denkbaren Formaten aktiv, zur Zeit vor allem als stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Gedenkort-T4.e.V. Nun hat sie ein Projekt gestartet, das uns das gesamte Jahr hier auf dem Blog begleiten wird:

 

Eine Reihe von Interviews mit anderen forschenden Angehörigen von „Euthanasie“-Opfern. Wie haben sie mit der Recherche begonnen? Was treibt sie an? Und welchen Einfluss hat ihre Arbeit auf ihr familiäres Umfeld und nicht zuletzt auf sie selbst? Diesen und anderen Fragen will Julia Frick gemeinsam mit ihren Interviewpartner_innen nachgehen.

 

Das erste Interview von Julia Frick wird am 15. Januar 2017 erscheinen.