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Theater: Brandenburger Märchen

Brandenburger Märchen

Brandenburger Märchen

Zwei Jahre war die Geschichtensammlerin Daniela Klein auf Spurensuche zur T4-Aktion in Brandenburg an der Havel, bei der 1940 mehr als 9.000 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen vergast und verbrannt wurden. Die Frage war: Was haben die Brandenburger*innen von den Vorgängen mitbekommen, die teilweise mitten in ihrer Stadt geschahen? Und: Wie hat dieses Miterleben ihre Leben geprägt? Aus Interviews mit über 150 Zeitzeugen, Nachfahren und Wissenschaftler*innen entstand das Theaterstück „Brandenburger Märchen“ – ein faszinierender Einblick in die kollektive Erinnerung der Stadt.

 

 

Regie: Reimund Groß * Schauspiel: Gernot Frischling, Jenny Boettcher, Marlene Schultke, Reimund Groß, Sebastian Ihlenfeldt * Scherenschnitte: Nina Braun * Akkordeon und Komposition: Bardo Henning * Licht: Arndt Sellentin * Technik: Soroush Reza Moradi * Grafik: George Chandrinos, Cynthia Mauruschat * Idee, Recherche, Text und Produktion Daniela Klein * Projektleitung: Katrin Werlich

Dauer: ca. 90 Min

 

Eine kurze Einführung zum historischen Kontext gibt in Berlin die Medizinhistorikerin Dr. Astrid Ley.

Im Anschluss an die Vorstellungen stehen die Schauspieler*innen und Projektverantwortlichen für Fragen und Diskussion zur Verfügung.

Der Flyer zum Download

 

Die Aufführungsdaten:

Brandenburg/Havel · 6. | 8. November 2017 · 19 : 30 Uhr
7. November 2017 · 18 : 00 Uhr
Brandenburger Theater · Grabenstr. 14 · 14776 Brandenburg/Havel

 

Berlin · 11. November 2017 · 20 : 00 Uhr
12. November 2017 · 17 : 30 Uhr
Hörsaalruine des Medizinhistorischen Museums der Charité
Campus Charité Mitte · Charitéplatz 1 · 10117 Berlin

 

Potsdam · 19. | 20. | 22. November 2017 · 18 : 30 Uhr
Spartacus · Friedrich-Engels-Str. 22 · 14473 Potsdam

 

 

Vorschau auf den Weltpsychiatriekongress in Berlin, 8. – 12. Oktober 2017

NS-Medizinverbrechen ein wichtiges Thema.

 

Von Eva Buchholz1)Die Autorin organisiert ebenfalls ein Symposium auf dem WPA-Kongress. Zuvor nimmt sie an der Kundgebung des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener (BPE) e.V. teil und demonstriert für Menschenrechte und gegen Zwang und Gewalt in der Psychiatrie. Thema ihres Symposiums ist: „Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in der Psychiatrie: Brauchen wir eine neue Psychiatrie-Enquête?“ Abstract

 

Bild: Südeingang, Messe Berlin GmbH
(Tagungsort des 17. Weltpsychiatriekongresses der WPA)

 

Vom 8. bis zum 12. Oktober 2017 findet in Deutschland der 17. World Congress of Psychiatry (Weltpsychiatriekongress) der World Psychiatric Association (WPA) statt. Veranstaltungsort ist das Kongressgelände Messe Berlin, Gastgeberin ist neben der WPA die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die den Kongress ausrichtet. Nach Angaben der Kongress-Webseite finden mehr als 900 Einzelveranstaltungen statt, erwartet werden rund 10.000 Besucherinnen und Besucher. Die nationalsozialistischen Medizinverbrechen im Namen von „Euthanasie“, ihre Aufarbeitung, das Gedenken an die Opfer sowie die Situation von Überlebenden (z.B. Zwangssterilisierten) werden im Kongressprogramm in verschiedenen Veranstaltungsformaten behandelt: Als Key Note Lecture des ehemaligen DGPPN-Präsidenten Prof. Dr. Dr. Frank Schneider, in mehreren Symposien, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen sowie durch weiteres Begleitprogramm (Ausstellungen, Führung zu Gedenkorten). Auch wenn das Thema nicht als eigenständiger „Topic“ des Kongresses aufgeführt wird, so stellt es aufgrund der Vielzahl der Veranstaltungen doch einen inhaltlichen Schwerpunkt dar.

 

Rund um den Weltpsychiatriekongress der WPA gab und gibt es auf Seiten von Betroffenenverbänden einige Ambivalenzen: Manche Verbände beteiligen sich im Programm und bringen die aus Betroffenensicht relevanten Themen und die eigene Perspektive ein; andere Verbände entschieden sich dafür, aufgrund der vielen ungelösten menschenrechtlichen Kontroversen in der Psychiatrie, sich vom Kongress zu distanzieren bzw. gegen ihn zu protestieren.2)Die beiden größten Psychiatrie-Erfahrenen-Verbände (BPE, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. und Die-BPE, Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V.) entschieden sich dafür, den WPA-Kongress offiziell nicht zu unterstützen, sondern gegen ihn zu protestieren und die WPA symbolisch wieder „auszuladen“. Dies erfolgte bereits im Dezember 2015 (veröffentlicht im BPE Rundbrief 1/2016, S. 14. Link: http://www.bpe-online.de > Rundbrief > 2016 > Nr. 1.) sowie auf der Webseite von Die-BPE Auf letzterer sind neben dem Protestschreiben, ein Brief mit offizieller Ausladung („disinvitation letter“), umfängliche Korrespondenz mit dem WPA-Präsidenten Dinesh Bhugra sowie Mitgliedern des „Ethics and Review Comittee“, ein Demoaufruf sowie eine WPA-Protestzeitung einsehbar. Auch „der BPE“ organisiert eine Protestveranstaltung anlässlich des Kongresses und lädt ein zur Kundgebung und Demonstration für Menschenrechte und gegen Zwang und Gewalt in der Psychiatrie. „Der BPE“ und „Die-BPE“ sind trotz ähnlich klingender Namen zwei verschiedene Organisationen. Die Ehrenvorsitzende des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener (BPE) e.V., Dorothea Buck – Überlebende der Zwangssterilisation und langjährige Aktivistin für eine menschliche Psychiatrie – konnte für ein offizielles Grußwort für den Kongress gewonnen werden.3)Videobotschaft auf der Webseite des Kongresses „Künstlerin und Betroffene: Dorothea Buck im Kurzinterview“

 

Im Folgenden soll denjenigen mit Interesse am Kongress ein Überblick über die angebotenen Veranstaltungen zum Thema der NS-Medizinverbrechen sowie einige praktische Informationen zum Programm und der Teilnahme gegeben werden.

 

Einige praktische Infos vorab

 

Die Teilnahmegebühren sind für einen Kongress dieser Größe wahrscheinlich nicht ungewöhnlich, dennoch höher als normale Tagungsgebühren: Die Beiträge (für Personen aus Deutschland, Country Group A) variieren zwischen 100 EUR (Betroffene, Angehörige), 200 EUR (Studierende), 250 EUR (Pflegekräfte, Sozialarbeiter/innen u.a.) bis hin zu 660 EUR (Ärzt/innen) bei Buchung bis zum 28. September 2017 (Gebühr für letztere danach höher). Das Programm lässt sich auf der Kongresswebseite im Online-Programm nach Kategorien recherchieren, z.B. nach inhaltlichen Schwerpunkten (44 verschiedene Topics), Tagen, deutschsprachigen Veranstaltungen (German Programme) oder Veranstaltungsformaten (Session Type). Zudem gibt es ein ePaper (komplettes Kongressprogramm zum Download) sowie eine App.

 

 

How to not lose your nerve…
Einige praktische Infos zur gezielten Recherche von Veranstaltungen

 

Wenn man eine Veranstaltung gezielt suchen und z.B. auch die Abstracts (Zusammenfassungen) der Vorträge lesen möchte, kann man sich entweder durch die verschiedenen Kategorien des Online-Programms (s.o.) durchklicken. Im ePaper lässt sich zwar ein schneller Überblick über die Gesamtheit der Veranstaltungen gewinnen, allerdings sind dort nicht die Abstracts enthalten. In der folgenden Zusammenstellung finden sich die Links zu den Gesamtabstracts (Beschreibung der Veranstaltung als Ganzes). Allerdings lässt sich von dort leider nicht zu den einzelnen Vorträgen und deren Abstracts weiterklicken. Um diese lesen zu können, muss die Veranstaltung nochmal gesondert im Online-Programm recherchiert und aufgerufen werden.

 

Dies versucht man entweder über die „Lupe“ (Suchfunktion als Icon, Bildschirm oben links) oder über die zweite Suchfunktion (dort sind die Suchergebnisse eindeutiger). Diese ist zu finden, wenn man unter dem Link des Online-Programms ganz nach unten scrollt. Bei „Enter search term here…“ kann dann ein Name oder Stichwort eingegeben werden, und die in Frage kommende(n) Veranstaltung(en) werden angezeigt. Von dort kann man sich dann zu den einzelnen Beiträgen weiterklicken (complicated, but eventually you get there…). Das Programm kann auch als App auf mobilen Endgeräten installiert werden, da ist die Bedienung einfacher (bei der Suche über „Speaker“ wird bspw. die ganze Veranstaltung inkl. aller Vorträge und verfügbaren Abstracts angezeigt) (empfehlenswert).

 

 

Kongressprogramm
(Veranstaltungen in chronologischer Reihenfolge)

 

Confronting the Nazi era – lessons from the German experience

Vortrag von Frank Schneider im Rahmen des Symposiums “Psychiatry and national security: challenges in a time of terrorism” (englischsprachig)

09.10.2017, 08:15 – 09:45 Uhr, Hall Helsinki 2

Abstract

 

Traumatisierung und Scham – die Aktivitäten von NS-Tätern in der Bundesrepublik und ihre Opfer

Symposium von Margret Hamm (Chair) und Andreas Scheulen (Co-Chair) (deutschsprachig)

09.10.2017, 10:00 – 11:30 Uhr, Room Lindau 3

Abstract

  • Vortrag 1 (Margret Hamm): Was bedeutet für Zwangssterilisierte und Euthanasie-Geschädigte der Einfluss von NS-Tätern in Politik und Gesellschaft? Versuch einer Bestandsaufnahme
  • Vortrag 2 (Andreas Scheulen): NS-Täter und Euthanasie-Geschädigte: Folgen für die Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland
  • Vortrag 3 (Dorothee Wirling): Zwangssterilisation und Euthanasie als erzählte Erfahrung – autobiographische Verarbeitungen von Betroffenen

 

National Socialism and psychiatry: accounting for the past and future prospects

Podiumsdiskussion mit Frank Schneider (Chair), Arno Deister (Co-Chair), Margret Hamm, Uwe Neumärker, Volker Roelcke und Hartmut Traub (englischsprachig)

09.10.2017, 11:45 – 13:15 Uhr, Hall A4

Abstract

 

German and international responses to Nazi Euthanasia at the Nuremberg Trials

Vortrag von Paul Weindling im Rahmen des Symposiums „Human rights abuses in psychiatry“ (englischsprachig)

09.10.2017, 13:30 – 15:00 Uhr, Hall Paris 2

Abstract des Symposium (kein Einzelabstract vorhanden)

 

The sky and beyond / Himmel und mehr (subtitled in Englisch)

Filmvorführung, mit anschließendem Gespräch mit Regisseurin Alexandra Pohlmeier und Prof. Dr. Thomas Bock

Himmel und mehr – Dorothea Buck auf der Spur (deutschsprachig, mit englischen Untertiteln)

Kino-Dokumentarfilm, Dtschl. 2009, Regie: Alexandra Pohlmeier

09.10.2017, 15:15 – 17:45 Uhr, Hall London 1

Abstract

 

Confronting psychiatry during the Nazi period – a concluded chapter?

Symposium von Maike Rotzoll (Chair) und Volker Roelcke (Co-Chair) (englischsprachig)

10.10.2017, 11:45 – 13:15 Uhr, Hall New York 3

Abstract

  • Vortrag 1 (Hans-Walter Schmuhl): Resources for each other: the Society of German Neurologists and Psychiatrists and Nazi biopolitics
  • Vortrag 2 (Maike Rotzoll): Give them back a part of their dignity – research on the victims of patients’ murder (‘Euthanasia’) and its significance for understanding national socialist psychiatry
  • Vortrag 3 (Paul Weindling): Brain tissues as a legacy of Nazi psychiatry and their post-war use, 1940-2000
  • Vortrag 4 (Volker Roelcke): Psychiatric dissertations between 1930 and 1960: programs and practices of ‘normal’ research at university psychiatric departments during the Nazi period and beyond

 

Artists as victims and survivors of National Socialism – commemoration in Germany and the challenges today

Symposium von Andreas Spengler (Chair) und Thomas Röske (Co-Chair) (englischsprachig)

10.10.2017, 11:45 – 13:15 Uhr, Room M4/M5

Kein Gesamt-Abstract der Veranstaltung verfügbar.

Einzelabstract des Chairs

  • Vortrag 1 (Thomas Röske): Artists as victims of National Socialism: life, oevre, and commemoration
  • Vortrag 2 (Andreas Spengler): Artists as survivors in the post-war period: life, oevre, and commemoration
  • Vortrag 3 (Marc Steene): Art in psychiatric context or so called outsider art: the international perspective

 

Neue historische Kommission der DGPPN – Psychiatrie in Deutschland nach 1945

Symposium von Frank Schneider (Chair) und Heiner Fangerau (Co-Chair) (deutschsprachig)

10.10.2017, 15:15 – 16:45 Uhr, Room M6

Abstract

  • Vortrag 1 (Heiner Fangerau): Vorstellung der Historischen Kommission nach 1945
  • Vortrag 2 (Maike Rotzoll): Versorgungslandschaft(en) – Psychiatrie in der BRD vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Enquête
  • Vortrag 3 (Franz-Werner Kersting): Der lange Schatten des NS-Krankenmords – Psychiatriereform und „Vergangenheitsbewältigung“ 1955 – 1975
  • Vortrag 4 (Steffen Dörre): Die Psychiatrie nach 1945: West- und Ostdeutschland im Vergleich

 

The aftermath of exiled German psychiatry, 1933-1945: how the forced emigration of psychiatrist during the Third Reich shaped psychiatry in Europe, the USA and the Soviet Union

Symposium von Lara Rzesnitzek (Chair) und Uwe Henrik Peters (Co-Chair) (englischsprachig)

11.10.2017, 11:45 – 13:15 Uhr, Hall London 1

Abstract

  • Vortrag 1 (Uwe Henrik Peters): The aftermath of exiled German psychiatry, 1933 – 1945: Introduction
  • Vortrag 2 (Oleg Aizberg): Erich Sternberg and Arthur Kronfeld: about mild schizophrenia, insulin coma, Siberia and the establishment of old psychiatry
  • Vortrag 3 (Stephen Pow): What ensured an émigré psychiatrist’s successful transition to the North American work and research environment? Searching for patterns in the case studies
  • Vortrag 4 (Edith Sheffer): After emigration: Hans Asperger and the Nazi origins of autism

 

Nebel im August

Filmvorführung (deutschsprachig), Chair: Michael von Cranach

Film über das Schicksal von Ernst Lossa und die NS-“Euthanasie”-Morde in einer Heil- und Pflegeanstalt Anfang der 1940er Jahre (Spielfilm, Dtschl./Ö. 2016, Regie: Kai Wessel)

11.10.2017, 13:30 – 16:00 Uhr, Hall London 3

Abstract

 

Psychiatry in National Socialism: remembrance and responsibility

Key Note Lecture von Frank Schneider. Chair: Robert Herz, Co-Chair: Hans-Walter Schmuhl (englischsprachig)

11.10.2017, 17:00 – 18:00 Uhr, Hall A6/7

Abstract

 

The first public document on Nazi euthanasia in Germany – a French médecin-commandant, his encounter with German psychiatric hospital staff in Württemberg, 1945-46, and the consequences

Vortrag von Thomas Mueller im Rahmen des Symposiums “Ethics, religiosity and history”

11.10.2017, 17:00 – 18:30 Uhr, Room R5

Abstract

 

Break out into art – The cell of Julius Klingebiel / Ausbruch in die Kunst – Die Zelle des Julius Klingebiel (subtitled in English)

Filmvorführung (deutschsprachig, mit englischen Untertiteln), mit anschließendem Gespräch

Chairs: Thomas Röske und Asmus Finzen, Diskussant: Andreas Spengler

Dokumentarfilm, Dtschl 2016, Regie: Antje Schmidt

12.10.2017, 11:45 – 13:15 Uhr, Hall London 1

Abstract

 

 

Begleitprogramm

 

Ausstellungen im Rahmen des Kongresses:
Info

 

  • Travelling exhibition „Registered, persecuted, annihilated”
    (Wanderausstellung der DGPPN „Erfasst, verfolgt, vernichtet: Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“)4)Weitere Informationen zur Ausstellung der DGPPN „Erfasst, verfolgt, vernichtet: Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“ unter: https://www.dgppn.de/schwerpunkte/psychiatrie-im-nationalsozialismus/wanderausstellung.html
    8. – 12.10.2017, Hall B
  • Documentary and exhibition about Dorothea Buck
    8. – 12.10.2017, Hall B
  • Exhibition „Artists as Victims and Survivors of Nazi Psychiatry”
    8. – 12.10.2017, Hall B

 

Scientific Visits:
Info

 

  • Berlin in the 1940’s – in memoriam of the victims (englischsprachig)
    Visit the Topography of Terror and T4 Memorial in Berlin
    Führung zu Gedenkorten in Berlin (für internationale Gäste)
    12.10.2017, 15:00 – 18:00 Uhr

 

Einzelnachweise   [ + ]

1. Die Autorin organisiert ebenfalls ein Symposium auf dem WPA-Kongress. Zuvor nimmt sie an der Kundgebung des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener (BPE) e.V. teil und demonstriert für Menschenrechte und gegen Zwang und Gewalt in der Psychiatrie. Thema ihres Symposiums ist: „Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in der Psychiatrie: Brauchen wir eine neue Psychiatrie-Enquête?“ Abstract
2. Die beiden größten Psychiatrie-Erfahrenen-Verbände (BPE, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. und Die-BPE, Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V.) entschieden sich dafür, den WPA-Kongress offiziell nicht zu unterstützen, sondern gegen ihn zu protestieren und die WPA symbolisch wieder „auszuladen“. Dies erfolgte bereits im Dezember 2015 (veröffentlicht im BPE Rundbrief 1/2016, S. 14. Link: http://www.bpe-online.de > Rundbrief > 2016 > Nr. 1.) sowie auf der Webseite von Die-BPE Auf letzterer sind neben dem Protestschreiben, ein Brief mit offizieller Ausladung („disinvitation letter“), umfängliche Korrespondenz mit dem WPA-Präsidenten Dinesh Bhugra sowie Mitgliedern des „Ethics and Review Comittee“, ein Demoaufruf sowie eine WPA-Protestzeitung einsehbar. Auch „der BPE“ organisiert eine Protestveranstaltung anlässlich des Kongresses und lädt ein zur Kundgebung und Demonstration für Menschenrechte und gegen Zwang und Gewalt in der Psychiatrie. „Der BPE“ und „Die-BPE“ sind trotz ähnlich klingender Namen zwei verschiedene Organisationen.
3. Videobotschaft auf der Webseite des Kongresses „Künstlerin und Betroffene: Dorothea Buck im Kurzinterview“
4. Weitere Informationen zur Ausstellung der DGPPN „Erfasst, verfolgt, vernichtet: Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“ unter: https://www.dgppn.de/schwerpunkte/psychiatrie-im-nationalsozialismus/wanderausstellung.html

„Die Ursache des Schweigens ist nicht Scham“ – Andreas Hechler und seine Urgroßmutter Emilie Rau

Andreas Hechler studierte in Berlin Europäische Ethnologie und Gender Studies und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Bildungsreferent bei Dissens, einem Forschungs- und Bildungsinstitut mit Sitz in Berlin. Schwerpunkte seiner Arbeit in den letzten Jahren waren geschlechterreflektierte Neonazismusprävention, Intergeschlechtlichkeit in der Pädagogik, Männlichkeit, sexualisierte Gewalt und der Themenkomplex NS-„Euthanasie“, Familienbiografien, Ableismus und Erinnerungspolitik.

 

Im Gegensatz zu den meisten anderen Familien in Deutschland wurde in seiner Familie offen darüber gesprochen, dass ein früheres Familienmitglied, nämlich seine Urgroßmutter Emilie Rau, im Dritten Reich ermordet worden war. Die tiefere und in diesem Zuge auch wissenschaftliche Erforschung dessen hatte jedoch einen Anlass, der von außen kam. 

 

 

 

Emilie Listmann vor ihrer Hochzeit mit Christian Rau (Quelle: Hechler).

Julia Frick: Wann hast du begonnen, über das Schicksal deiner Urgroßmutter nachzuforschen? Kannst du dich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn deiner Recherchen war?

 

Andreas Hechler: Ich stoße mich zugegebenermaßen an dem Begriff „Schicksal“, weil es eben kein „Schicksal“ war, sondern die Geschichte auch anders hätte verlaufen können. „Schicksal“ hat etwas Unabänderliches und individualisiert ein gesellschaftliches Verhältnis – in diesem Fall die systematische Ermordung von als „krank“ und „behindert“ stigmatisierten Menschen.

 

 

Ich bin mit dem Wissen aufgewachsen, dass in unserer Familie jemand umgebracht wurde und dass das Unrecht war. In meiner Familie wurde offen darüber gesprochen – im Gegensatz zu vielen anderen Familien, in denen es NS-‚Euthanasie‘-Opfer gibt. Allerdings wusste ich nichts Genaues.

 

Als mich dann Mitte der 1990er-Jahre der deutsche Staat zwingen wollte, Kriegsdienst zu leisten und mir sehr klar war, dass ich das nicht will (im Rahmen des Konzepts der Gesamtverteidigung sehe ich auch den sog. ‚Zivildienst‘ als einen Kriegsdienst) und staatliche Zwangsdienste in jeglicher Hinsicht ablehne, hat mich mein damaliger Anwalt gefragt, ob es in meiner Familie ein NS-Opfer gibt. Ich erinnerte mich dunkel und habe dann innerfamiliär nachgefragt. Die Ermordung meiner Urgroßmutter Emilie Rau war zu diesem Zeitpunkt dank der unermüdlichen Arbeit meiner Großmutter gut in mehreren Ausstellungen und Begleitbänden (so zum Beispiel „Verlegt nach Hadamar“) dokumentiert, und so konnte ich recht einfach nachweisen, dass ich ein direkter Nachfahre einer Verfolgten des Naziregimes bin. Damit war ich aus dem Zwangsdienst raus. Die genauen rechtlichen Hintergründe sind mir nicht bekannt, aber es ist wohl so, dass direkte Nachfahr_innen von NS-Opfergruppen nicht dienen mussten (aber durften, wenn sie wollten). Auf jeden Fall war das alles der Anlass, mich noch mal genauer mit dieser Geschichte zu beschäftigen.

 

Fast 20 Jahre später haben Bekannte von mir dann den Sammelband „Gegendiagnose“ geplant und mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, etwas zu meiner Familiengeschichte zu schreiben. Ich wollte eigentlich nur einen ganz kurzen Essay zu der Frage schreiben, warum die Namen der im Rahmen der NS-‚Euthanasie‘ Ermordeten nicht genannt werden – doch herausgekommen ist dann ein 50-Seiten-Text zu den innerfamiliären Folgen der Ermordung meiner Urgroßmutter. Hierfür habe ich 2013 intensive Recherchen angestellt und u.a. Interviews mit der dritten und vierten Generation meiner Familie geführt, die Krankenakte meiner Urgroßmutter gelesen und den ganzen Schriftverkehr meiner Großmutter mit Behörden, Krankenhäusern und anderen Institutionen und Personen.

 

 

 

Julia Frick: Was waren dabei deine ersten Schritte und Anlaufstellen?

 

Andreas Hechler: Eines der Spezifika des Nationalsozialismus ist ja, dass er in Deutschland nicht nur Gesellschaftsgeschichte, sondern auch Familiengeschichte ist. Insofern habe ich da angefangen, wo die meisten – Opfer- wie Täter_innen-Nachfahr_innen – anfangen: bei meiner Familie. Ich hatte das Glück, dass meine Großmutter Marie Hechler in jahrzehntelanger Recherchearbeit einen riesigen Materialkorpus zusammengetragen hatte.

 

 

Julia Frick: Wie hat deine Familie bzw. dein Umfeld auf dein Engagement reagiert?

 

Andreas Hechler: Sehr positiv und unterstützend. Das Thema war ja schon lange ‚durch‘ aufgrund der Arbeiten meiner Großmutter in den 70er- und 80er-Jahren. Alle in meiner näheren Familie wissen zumindest rudimentär Bescheid, empfinden den Mord an Emilie Rau als große Ungerechtigkeit und standen mir für Interviews zur Verfügung. Meine Großmutter (Emilie Raus Tochter) war in dieser Hinsicht prägend für die ganze Familie.
Es gibt allerdings einen Teil meiner Familie zweiten Grades, der ein Unbehagen mit meinen Nachforschungen und meiner Textproduktion hat(te), innerfamiliär nicht über die Ermordung Emilie Raus spricht und – ganz klassisch – Scham empfindet. Dies ist ein Teil der Familie, den ich auch erst durch meine Recherchen kennengelernt habe.

 

Mir ist hier wichtig zu sagen, dass ich die innerfamiliäre Tabuisierung zwar falsch finde, aber diesen Umgang partiell auch nachvollziehen kann. Wir leben in einer ableistischen (behindertenfeindlichen) Gesellschaft und es gibt ganz real die Stigmatisierung von Menschen und Familien, die etwas mit Diagnosen und Psychiatrie zu tun haben.
Vor diesem Hintergrund denke ich, dass die immer wieder reproduzierte Rhetorik der ‚Scham in den Familien‘ mehr vernebelt als erklärt: die Ursache für das Schweigen in den Familien ist Ableismus, nicht Scham. Letztere ist Effekt des Ersteren, Scham ist nicht die eigentliche Ursache für das Schweigen. Diese gesellschaftliche Dimension muss zentral hervorgehoben werden, wenn über das Thema gesprochen und geschrieben wird; es liegt nicht (nur) in der Verantwortung der einzelnen Familien(mitglieder)!

 

 

 

Hätte meine Urgroßmutter vor ihrer Ermordung nicht schon Kinder gehabt, gäbe es mich nicht. Das zu realisieren ist krass.

 

 

 

Julia Frick: Wie würdest du den Einfluss beschreiben, den deine Recherchen auf dich selbst hatten und haben?

 

 

Andreas Hechler: Ich bin ja durch meine Recherchen sehr tief in das Leben meiner Urgroßmutter und der verschiedenen Generationen nach ihr eingetaucht, eine Zeit lang hat mich das richtig reingesogen. Eine Erkenntnis daraus war, dass die Ermordung eines Familienmitglieds eine sehr langfristige Wirkung auf die Familie haben kann. Das ist nicht neu, aber mir ist die Tiefendimension dessen anhand meiner eigenen Biografie noch mal klarer geworden. Nicht zuletzt der Umstand, dass ich lebe. Hätte meine Urgroßmutter vor ihrer Ermordung nicht schon Kinder gehabt, gäbe es mich nicht. Das zu realisieren ist krass.

 

Ich fand es auch interessant, meine eigenen Familienmitglieder unter einem spezifischen Fokus zu interviewen. Ich habe vieles erfahren, was ich nicht wusste. Es hat mich einigen von ihnen näher gebracht, von anderen habe ich mich eher etwas entfernt.

 

Ich muss(te) mich auch selbst in Ambiguitätstoleranz üben, sind doch den klaren Bildern von meiner Urgroßmutter als Opfer und meiner Großmutter als aufrechter Antifaschistin nun Gegennarrationen zur Seite gestellt worden, die etwas an mir nagen. Hier meinen eigenen Wunsch nach klar geschiedenen Täter-Opfer-Dichotomien zu erkennen war nicht so leicht.

 

Schlussendlich habe ich mich noch mal verstärkt dem Themenfeld Ableismus zugewendet, insbesondere unter einem Fokus, unter dem er selten verhandelt wird, nämlich einer historischen Dimension. Folgende Fragen haben für mich einen größeren Stellenwert erhalten: Warum gibt es Ableismus, warum gibt es ihn immer noch und wie ist seine spezifische Ausprägung in Deutschland? Und vor allem: Wie bekämpfen wir ihn?!

 

 

 

Julia Frick: Was treibt dich und deine Arbeit an?

 

 

Andreas Hechler: Mein großes Empfinden für (Un-)Gerechtigkeit, das Wissen um die Gewordenheit von Gesellschaft und dass diese veränderbar ist, das Wissen um die Notwendigkeit des Blicks zurück in die Geschichte, um die Gegenwart zu verstehen und für eine bessere Zukunft kämpfen zu können, meine familiäre Prägung und nicht zuletzt Unterstützung durch Freund_innen und Kampfgefährt_innen – ohne diese würde gar nichts gehen.
Ich freue mich auch, dass das Thema in den letzten zwei Jahren mehr Aufmerksamkeit erfährt und ich für Zeitungs- und Filminterviews, Artikel und Konferenzen zu dem Thema angefragt werde. Also diese Form der Anerkennung gibt mir auch Motivationsschübe.

 

 

 

 

 

 

Neues Denkmal erinnert an Patientenmorde im belarussischen Novinki

Der nationalsozialistische Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion traf das Territorium der damaligen Belarussischen Sozialistischen Sowjetrepublik (seit 1991: Republik Belarus) besonders hart. Infolge der Durchführung zahlloser Massenmorde sank die Bevölkerungszahl Belarus‘ um 1,7 Millionen Menschen; mehrere Hunderttausende Juden wurden gezielt durch Mitglieder der Einsatzgruppen erschossen, dazu kamen noch Morde an Roma und Kriegsgefangenen sowie ein Hungerplan, der gezielt die Menschen in den Städten dem Hungertod aussetzte, um Lebensmittel nach Deutschland bringen zu können.

 

Patienten in psychiatrischen Krankenhäusern waren unter diesen Umständen nahezu ohne Chancen, den Krieg zu überleben. Nicht nur litten sie besonders unter dem von den Besatzern bewusst herbeigeführtem Mangel an Nahrungsmitteln und Medikamenten, sondern sie wurden Ziel von Mordaktionen. Dies betraf beinahe alle Gebiete der besetzten Sowjetunion, wo im Rücken der Wehrmacht Einsatzgruppen Behinderte und psychisch Kranke erschossen und vergasten. Eine besondere Bedeutung nahmen dabei die Morde in Belarus ein, da sie zu den ersten koordinierten Aktionen gehörten, anhand derer zahlreiche Fragen berührt werden, die die Genese des Patientenmordes und damit verbunden des Holocaust sowie die Querverbindungen zur Aktion T4 im Altreich betreffen. Darauf kann hier nicht detailliert eingegangen werden, verwiesen sei auf einen Artikel von Gerrit Hohendorf und anderen im Gedenkstättenrundbrief 152.

 

In Minsk bestand eine psychiatrische Klinik in Novinki vor den Toren der Stadt, die auf dem Gelände einer Kolchose lag. Heinrich Himmler besuchte im Rahmen eines Besuches bei den Einsatzgruppen diesen Ort und gab dabei Artur Nebe die Weisung, die Kranken zu töten. Nebe war Führer der Einsatzgruppe B und als Chef des Reichskriminalpolizeiamtes schon in die „Euthanasie“-Verbrechen involviert gewesen, da dieses Amt für die Lieferung u.a. der Gasflaschen an die T4-Tötungsanstalten zuständig war. Dass „Geisteskranke“ zu töten waren, scheint an der Ostfront allgemein akzeptiert gewesen zu sein. So notierte der Generalstabschef des Heeres, Franz Halder im September 1941 in seinem Kriegstagebuch:

Russen sehen Geistesschwache als heilig an. Trotzdem Tötung nötig.1)zitiert nach Christian Gerlach, Kalkulierte Morde, Hamburg 1999, S. 1072)

 

Artur Nebe wandte sich an Albert Widmann, einem im Krimialtechnischen Institut arbeitenden und bereits in der Aktion T4 versierten Chemiker mit der Bitte um Unterstützung. Widmann fuhr darauf hin nach Minsk, und nahm 400 Kilogramm Sprengstoff sowie zwei Metallschläuche mit. Mit dem Sprengstoff wurden Patienten des Krankenhauses Nowinki in einem Wald bei Minsk getötet; dies erwies sich aber als eine nicht effiziente Tötungsmethode. Mit Hilfe der Metallschläuche wurde am 18. September 1941 ein Badehaus des Krankenhauses mit Gas geflutet, um über 100 Kranke zu ermorden. Einige Tage später wurden die jüdischen Patienten von Nowinki erschossen. Später, am 6. und 7. Dezember, wurden auch noch 200 Patienten der psychiatrischen Abteilung des 2. Zivilkrankenhauses von Minsk erschossen.

 

 

Diese Verbrechen kamen bei zahlreichen Prozessen zur Sprache, unter anderem bei den Prozessen gegen Mitglieder und Führer von Einsatzgruppen wie Dr. Bradfisch in München, Georg Heuser in Koblenz und Karl Frenzl in Karl-Marx-Stadt. Auch in Minsk selbst kam es zu Verfahren, doch erst über 70 Jahre nach den Verbrechen rückten die Opfer der Verbrechen in den Fokus der Erinnerungskultur. Dank einer von der Stiftung EVZ geförderten Ausstellung in Minsk (Bericht hier), an der das einzige unabhängige Hochschulinstitut in Belarus, das European College of Liberal Arts mit ihrem Zentrum für Public History beteiligt war, kam es zu Kontakten zum psychiatrischen Krankenhaus. Alexej Bratochkin und Oleg Aizberg legten die Grundlagen, damit am 5. September 2017 ein Gedenkstein der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Er wurde von Igor Zosimovich entworfen und enthält die Inschrift

Als ein Andenken und im Respekt vor der menschlichen Würde der von den Nazi-Okkupanten ermordeten Patienten des psychiatrischen Krankenhauses und der Arbeitskolonie Novinki

 

Für deutsche Ohren mag diese Wortwahl ungewohnt klingen, vielleicht sogar als antiquiert erscheinen. Betrachtet man aber den belarussischen Kontext, so ist dieses Denkmal als durchaus würdevoll und angemessen zu bezeichnen; es wirkt angesichts der etwa im Museum des Großen Vaterländischen Krieges aufgefahrenen Gigantomanie wohltuend bescheiden und zurückhaltend. Was nun noch zu wünschen wäre, ist, dass es auch in Belarus gelingen möge, den Opfern wieder einen Namen zu geben. Dazu sind aber noch umfangreiche Studien notwendig, und wohl auch ein weiterer Mentalitätswandel in der Erinnerungskultur Belarus‘.  Jedenfalls ist dieser Gedenkstein auch als ein Beispiel besonders gelungener Förderpolitik der Stiftung EVZ anzusprechen: Durch die finanzielle Unterstützung der Ausstellung in Minsk wurde letztlich nicht nur das Denkmal in Novinki ermöglicht, sondern es gelang auch, vielfältige und fruchtbare Arbeitsbeziehung zwischen Interessierten in Deutschland und Belarus herzustellen.

 

Einzelnachweise   [ + ]

1. zitiert nach Christian Gerlach, Kalkulierte Morde, Hamburg 1999, S. 1072

Veranstaltungen zum Gedenken an den „Euthanasierlass“ 1.9.1939

Gestern haben wir schon auf die Gedenkveranstaltung in Brandenburg/Havel hingewiesen. Wir möchten auf zwei weitere aufmerksam machen:

Gießen: Die Gedenkveranstaltung für die Euthanasieopfer ist am 1. September 2017 in der Kapelle der Vitos-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Gießen, Licher Straße 106, ab 19 Uhr.

Berlin: Begleitprogramm zur Gedenkveranstaltung für die Opfer von »Euthanasie« und Zwangssterilisation Gegen das Vergessen: Aus der Geschichte lernen [PDF]

Ergänzungen gerne als Kommentar!

 

Gedenkveranstaltung für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg an der Havel, Freitag, 1.9.2017, 10 Uhr

Im Folgenden machen wir auf eine Einladung der Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg/Havel zum Gedenken an den 1.9.1939 aufmerksam.

 

Mit einem auf den 1. September 1939, den Tag des deutschen Angriffs auf Polen, zurückdatierten Schreiben veranlasste Adolf Hitler die Ermordung von über 70.000 Menschen mit psychischer Erkrankung oder Behinderung. Diese unter dem Kürzel „T4“ bekannt gewordene Aktion fand zwischen Januar 1940 und August 1941 in sechs verschiedenen Tötungsanstalten statt.

Allein in der Stadt Brandenburg an der Havel wurden zwischen Februar und Oktober 1940 über 9.000 Menschen vergast.

 

Wir laden Sie gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin und der Stadtverordnetenversammlung Brandenburg an der Havels ein, anlässlich des Jahrestages des Beginns dieser beispiellosen Mordaktion an die Opfer zu erinnern.

Die Gedenkveranstaltung findet
am Freitag, den 1. September 2016 um 10 Uhr
auf dem Gelände der Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde am Nicolaiplatz 28 in Brandenburg an der Havel statt.

 

Unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Lebenshilfe-Werkstatt Brandenburg, die im letzten Jahr als Gedenkstätten-Guides für inklusive Führungen in der Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde ausgebildet wurden, berichten von ihrer Tätigkeit.

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung laden die Gedenkstätten Brandenburg an der Havel anlässlich des Jahrestages zu einer Führung in „Leichter Sprache“ mit den Guides der Lebenshilfe ein.

Interview mit der Interviewerin: Julia Frick

Da unsere Interviewerin Julia Frick fleißig an ihrer Bachelorarbeit zum Gedenk- und Informationsort für die Opfer nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde schreibt, gibt es in diesem Monat kein neues Gespräch mit einer/m Angehörigen eines Opfers.

 

Screenshot bundeswettbewerb-lyrix.de

Screenshot bundeswettbewerb-lyrix.de

 

Statt dessen können wir enthüllen, dass sie 2008 und 2009 zu den Preisträgern des Bundeswettbewerbes lyrix gehörte und unlängst zu ihrem Werdegang nach dem zweifachen Gewinn befragt wurde. Ein nicht unbeträchtlicher Teil davon ist ihre Arbeit zur Erinnerung an die Opfer der „Euthanasie“-Morde. Das Interview kann hier nachgelesen werden.

 

 

„Euthanasie“ im Reichsgau Wartheland: Eine Exkursion der Osteuropäischen Geschichte der Universität Gießen nach Lodz im Mai 2017

Im Rahmen eines Seminars über die Patientenmorde der Nationalsozialisten im Deutschen Reich und im Reichsgau Wartheland unternahm eine kleine Studentengruppe in Begleitung von Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg und Robert Parzer eine Exkursion nach Lodz, um sich selbst vor Ort ein Bild des Geschehens der Krankenmorde im von Deutschland besetzten Polen zu machen. Ein Nebenfokus wurde auch gelegt auf die durchaus erzählenswerte Stadtgeschichte von Lodz mit Fokus auf der jüdischen Historie. Dass Exkursionen dieser Art ein überaus guter Weg sind, Studenten und jungen Forschern die Vergangenheit nahezubringen und für ein Thema zu begeistern, soll der nachfolgende Bericht aufzeigen.

 

Die Patientenmorde zur Zeit des Dritten Reichs, in der nationalsozialistischen Tätersprache auch euphemistisch als „Euthanasie“ bezeichnet, sind ein Thema, das im Schulunterricht nur an wenigen Stellen begegnet: Vielleicht als kurzer Exkurs im Fach Religion in der Mittelstufe oder im Fach Geschichte in den höheren Jahrgängen – vorausgesetzt, man besucht ein Gymnasium. Straffe Lehrpläne und Zeitdruck lassen eine intensivere Beschäftigung mit diesem sehr sensiblen Thema leider nicht zu – auch in der Geschichtswissenschaft gibt es erst in den letzten Dekaden vermehrt Tendenzen, sich dieses Themas zu widmen: Und noch immer gibt es große Lücken. Es handelt sich also um ein Feld, das durchaus Brisanz birgt und mehr in den Fokus der Wissenschaft gerückt sein will. Ganz besonders gilt dies für die Patientenmorde im Reichsgau Wartheland, einem zur Zeit des Zweiten Weltkrieges dem Deutschen Reich zugeschlagenen Teil Polens.

 

Den Studenten aus der Region um Gießen ist das Thema jedoch nicht gänzlich unbekannt: So findet sich in der näheren Umgebung die ehemalige Tötungsanstalt Hadamar, wo weit über 14.500 psychisch Kranke, körperlich Behinderte und andere von den Nationalsozialisten als minderwertig Empfundene zuerst vergast und später systematisch durch bewusste Vernachlässigung umkamen. Die „Euthanasie“-Verbrechen in Hadamar können also in zwei Phasen eingeteilt werden: Von Januar bis September des Jahres 1941 wurden mehr als 10.000 Menschen in der Gaskammer ermordet, von 1942 bis 1945 waren mehr als 4.500 Patienten, die vorsätzlich umkamen.

 

Zugegeben – es gibt „angenehmere“ Themen, mit denen man sich als Geschichtsstudent beschäftigen kann. Vielleicht schrecken solche „schweren“ Themen einige Studenten ab; Viele erwähnen, dass sie „es nicht mehr hören können“ – besonders durch die detaillierte Behandlung der Geschichte des Holocaust in mehreren Unterrichtsstufen in der Schule scheint sich bei vielen Lernenden eine ablehnende Haltung einzustellen. Dabei wird es umso wichtiger, sich mit den nationalsozialistischen Verbrechen zu beschäftigen. Gäbe es einen desaströseren Fall, als den, dass sich breite Schichten der jungen Leute und der Schüler nicht mehr mit diesem unglaublichen Verbrechen befassen wollen und es irgendwann an den Rand der Geschichte verdrängt würde?

 

Genau deshalb war unsere Exkursion auch für Lehramtsstudenten interessant – und notwendig, denn um zu begreifen, was geschehen ist, sollte man es mit eigenen Augen gesehen haben.

 

Am Abend des 22. Mai verließ unser Reisebus mit 15 Studenten Gießen – die Fahrt sollte die ganze Nacht hindurch gehen. Die Gruppe war sich anfangs gänzlich unbekannt. Nur einige wenige kannten sich vorher: Man sah sich im Seminar, man nickt sich zu, man spricht kurz. Und nun werden wir uns für sieben Tage wohl sehr gut kennenlernen. Vielleicht auch angesichts des sensiblen Themas ist unsere Gruppe sehr schnell und gut zusammengewachsen.

 

Eine von Herrn Parzer geleitete thematische Einführung in die Materie der Patientenmorde allgemein und deren Durchführung im Wartheland als Grundlage für die nächsten Tage mündete in eine äußerst rege Diskussion und anschließend auch in persönliche Gespräche – das Interesse war geweckt.

 

Das Babiński-Spital (damals noch unter dem Namen Kochanówka-Krankenhaus, zur NS-Zeit dann Nord-West-Krankenhaus) in unmittelbarer Nähe der Stadt Lodz war einer der Schauplätze der „Euthanasie“ im besetzten Polen. Wie die meisten deutschen psychiatrischen Anstalten, die in die Patientenmorde verwickelt waren, ist auch das Krankenhaus bei Lodz bis heute als solches in Betrieb – was eigentlich jedem, der sich eingehender damit beschäftigt, sauer aufstoßen sollte.

In den ersten Jahren des Krieges wurden dort auf grauenvolle Weise psychisch Kranke und Behinderte ermordet. Zuerst wurde den Selektierten ein Beruhigungsmittel injiziert, daraufhin fuhr der eine Kolonne vor, die auch eine mobile Gaskammer, den Gaswagen, beinhaltete. Die Selektierten mussten Lastwägen besteigen, die zu einem nahe gelegenen Wald fuhren. Dort wurden die Patienten in den Gaswagen umgeladen, ermordet und von Mitgliedern eines aus polnischen Häftlingen bestehenden Arbeitskommandos verscharrt. Von März bis August des Jahres 1940 forderte diese Prozedur über 600 Menschenleben. Auch aus dem Ghetto Lodz sind Opfer bekannt. So wurden nach Einrichtung des Ghettos auch einige psychisch kranke und behinderte Internierte dorthin verbracht und im Zuge von Deportationen ermordet.

 

Bemerkenswert ist die Anbringung einer Gedenktafel am Krankenhaus – ein Prozess, der dadurch besondere Aufmerksamkeit auf sich zog, dass sich die Prozedur über drei Jahre hinzog. Interessant ist auch die Tatsache, dass sich auf der mehrsprachigen Tafel im heutigen Polen auch eine russischsprachige Inschrift finden lässt. So rückte dieses Verbrechen auch ein Stück weit mehr in den Fokus der städtischen Bevölkerung – wenn auch circa 70 Jahre später.

 

Die Tafeln am Babinski-Krankenhaus

Die Tafeln am Babinski-Krankenhaus

 

Eindrucksvolles Zeugnis des Alltags im psychiatrischen Krankenhaus ist eine weitestgehend erhaltene Sammlung künstlerischer Artefakte, wie Gemälde und Skulpturen von Patienten, die in der Anstalt bis heute verwahrt werden. Gerne war man bereit, uns diese zu zeigen. Sie zeichnen ein beinahe verstörendes Bild davon, wie diese Menschen den tristen Alltag in der Anstalt verarbeitet haben mussten. Keinesfalls handelt es sich dabei um naive oder einfache Kunst, sondern um beeindruckende Werke mit einer für Außenstehende vollkommen andere Sicht auf den Alltag und die Realität des Lebens. Die Portraits bestechen durch bizarre Farbgebung und Formen und wirken beinahe bedrückend, jedoch funktionieren sie wie eine Brille, die man sich aufsetzen kann, um die Welt mit den Augen eines Betroffenen zu sehen. Zu verweisen ist an dieser Stelle auf die Heidelberger Sammlung Prinzhorn, ein nach 1945 wiederentdecktes Konvolut von Artefakten der Patienten verschiedener psychiatrischer Anstalten. Erst kürzlich waren einige dieser Kunstwerke anlässlich des Festaktes zur Befreiung der Tötungsanstalt Hadamar am 26.03.1945 dort vor Ort zu sehen.

 

Vielleicht kann man annehmen, dass unsere Exkursion, neben neuen historischen Fakten und Eindrücken für die Studenten, für fortgeschrittenere Wissenschaftler wenig Neues zu bieten habe. Doch auch hier bot sich eine einmalige Gelegenheit: Als nach einiger Zeit, nach verschiedenen Präsentationen über die Anstaltsgeschichte und dem Besuch der Kunstsammlung, die Stimmung etwas familiärer wurde, schien die Leiterin des Krankenhauses einen echten Schatz aus dem Fundus geholt zu haben. Feinsäuberlich und detailliert wurde im Krankenhaus über Jahrzehnte ein Fotoalbum geführt, was nicht nur die Eindrücke für uns Studenten untermauerte, sondern auch für Doktoranden ausgesprochen interessant war: So fanden sich Fotos von Ärzten, von Pflegern und Tätern, deren äußere Erscheinung für deren Recherchen bis dato vollkommen unbekannt war. Und wieder einmal zeigt sich, dass, wer ein Historiker ist, nicht nur Expertise und Neugier braucht, sondern auch eine große Portion Glück – denn auch Zufallsfunde sind das, worauf man angewiesen ist.

 

Prof. Bömelburg mit Studierenden in Księży Młyń in Lodz

Prof. Bömelburg mit Studierenden in Księży Młyń in Lodz. Foto Robert Parzer CC-BY-SA.

Von besonderer Relevanz für das Gelingen der Exkursion war auch der Austausch zwischen deutschen und polnischen Studenten – so fand im Rahmen dessen auch ein gemeinsames Seminar mit polnischen und deutschen Studierenden statt, das sich mit der Geschichte des Reichsgaus Wartheland und den „Euthanasie“-Verbrechen befasste. Die Erfahrung lehrt, dass der beste Weg, um verschiedene Positionen zusammenzuführen, der direkte Dialog ist.

Neben den Patientenmorden im besetzten Polen standen aber auch andere Themen auf dem Exkursionsplan, wie einer Stadtführung allgemein, dem Besuch des Staatsarchivs, aber auch des jüdischen Friedhofs und des ehemaligen Ghettos von Lodz. Auch das Vernichtungslager Kulmhof in Chełmno wurde am letzten Tag der Exkursion besichtigt. Es war mit einer einjährigen Unterbrechung von 1941 bis 1944 in Betrieb war – zuletzt ausschließlich für die Ermordung der Juden des Ghettos der inzwischen in Litzmannstadt umbenannten Stadt Lodz.

 

Stadtführung durch Lodz mit Dr. Adam Sitarek

Stadtführung durch Lodz mit Dr. Adam Sitarek. Foto Robert Parzer CC-BY-SA

Exkursionen mögen aufwendig sein, sie mögen auch manchmal einige finanzielle Mittel benötigen. Aber es gibt wohl keinen besseren Weg, um Studenten und zukünftigen Forschern ein Thema nahezulegen, als sie es mit eigenen Augen erfahren zu lassen. Die gesammelten Eindrücke während der Studienreise fließen sicherlich in die Hausarbeiten ein – und vielleicht auch in längerfristige Projekte. Besonders für angehende Lehrer, deren Aufgabe es sein wird, der nächsten Generation unsere Geschichte zu vermitteln, ist es mehr als ratsam, das, was sie eines Tages unterrichten werden, selbst mit eigenen Augen gesehen zu haben. Und genau das ist in sieben sehr intensiven Tagen geschehen.

Gießen, den 07.08.2017

Dominik Käßler, Student der Osteuropäischen Geschichte

Die Exkursion wurde aus Mitteln der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ gefördert.

Weiterführender Link hier auf dem Blog:

NS-Krankenmord im besetzten Polen: Unbekannte Tatorte in Łódź

 

Forschungsarbeit zum Gedenkort T4: Der umstrittene Ort. Zur kollektiven Aushandlung von Erinnerung im öffentlichen Raum am Beispiel der Neugestaltung des Gedenk- und Informationsortes Tiergartenstraße 4 in Berlin.

Ende September werde ich an der Christian-Albrechts-Universität Kiel bei Frau Prof. Dr. Silke Göttsch-Elten meine Bachelorarbeit im Fach Europäische Ethnologie/Volkskunde vorlegen. Hier möchte ich vorab über mein Forschungsvorhaben informieren. Meine Forschungsergebnisse werde ich aller Wahrscheinlichkeit nach im November auf der Herbsttagung des Arbeitskreises zur Erforschung der NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisation in der Berliner Charité vorstellen.

 

 

Von Julia Frick

 

 

Der „Gedenk- und Informationsort Tiergartenstraße 4 für die Opfer der NS-‚Euthanasie‘-Morde“ in Berlin, kurz Gedenkort T4, befindet sich direkt neben der Philharmonie im Stadtteil Tiergarten. Sein heutiges Erscheinungsbild ist Ergebnis und Spiegel einer jahrelangen Debatte verschiedener Interessengruppen darüber, wie ein durch Kriegszerstörung und spätere Baumaßnahmen unsichtbar gewordener historischer Täterort als Erinnerungsort, als Denkmal und Bildungsstätte sichtbar gemacht werden kann.

 

 

Der Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen ‚Euthanasie‘-Morde. (Foto: Frick)

 

Umstrittene Erinnerung

 

Der Gedenkort T4 präsentiert sich somit als umstrittener Ort, an dem im Laufe der Jahre unterschiedliche Strategien der symbolischen Besetzung und des „Sichtbarmachens“ von Geschichte realisiert wurden bzw. werden sollten.

Sowohl Historiker_innen und Mediziner_innen, Politiker_innen und Stiftungen als auch im Dritten Reich zwangssterilisierte Menschen, Nachfahren von Ermordeten und Menschen mit Behinderungen und/oder psychischen Erkrankungen haben sich in diesen Ort eingeschrieben. So entstanden zwischen 1989 und 2014 zwei dauerhafte Objektivationen, die auf unterschiedliche Weise Erinnerung sichtbar machen. In gleicher Weise blieben jedoch andere Initiativen erfolglos, ihr Bild von Geschichte und Erinnerung unsichtbar.

Die Geschichte des heutigen Gedenkort T4 illustriert anschaulich, dass Erinnerung im öffentlichen, v.a. urbanen Raum stets als gesellschaftlicher Aushandlungsprozess zu verstehen ist. „An der öffentlichen Erinnerungskultur“, so fasst es Sabine Moller zusammen, „ist ablesbar, welche Erinnerung auf dieser Ebene durchgesetzt wurde“ (Moller 2010, S. 90).

 

 

Forschungsfrage und theoretische Basis

 

Meiner Bachelorarbeit wird die Forschungsfrage zugrunde liegen, wie Erinnerung im Kontext der Neugestaltung des Gedenkort T4 von den verschiedenen Interessengruppen ausgehandelt wurde. Welche Konfliktlinien wurden sichtbar? Welche Argumentationen und Aneignungsstrategien gab es, und welche haben sich letztlich in der Gestaltung und Konzeption des Ortes durchgesetzt?

Bei meiner Analyse möchte ich mich zum einen auf Maurice Halbwachs‘ Theorie der cadres sociaux (Soziale Bezugsrahmen/Kollektive Erinnerung als soziale Konstruktion) stützen. Zum anderen sollen Jan Assmanns Weiterentwicklungen des Halbwachs’schen Modells in Richtung eines kommunikativen und eines kulturellen Gedächtnisses Berücksichtigung finden. Aleida Assmanns Ansätze wiederum erscheinen mir unabdingbar, da sie dieses Konzept in mehreren Werken direkt auf die deutsche Erinnerungskultur zum Dritten Reich anwendet.

 

 

Vorgehen

 

Als zeitlichen Rahmen für meine Analyse habe ich den Zeitraum zwischen 2007 und 2014 gewählt. Im Jahr 2007 formierte sich der sogenannte „Runde Tisch T4“, eine Arbeitsgemeinschaft bestehend aus Stiftungsvertreter_innen, Politiker_innen, Angehörigen von NS-‚Euthanasie‘-Opfern, Wissenschaftler_innen sowie Betroffenen[1], deren erklärtes Ziel eine Neugestaltung des historischen Ortes „Tiergartenstraße 4“ war. Das Ende dieser Bemühungen markierte schließlich 2014 die Einweihung des im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbs neu errichteten Gedenk- und Informationsortes T4.

Als Material liegen mir zum einen Anträge, Forderungen und Stellungnahmen der verschiedenen Interessengruppen vor, die mögliche Neukonzeptionen des Gedenkort T4 beinhalten. Zum anderen war der Ort „Tiergartenstraße 4“ auch (und gerade) in jenen Jahren des Umbruchs Raum für rituelle Praktiken des Erinnerns. Eine weitere Quelle werden demnach diverse Redebeiträge der immer Anfang September stattfindenden Gedenkfeier an der Tiergartenstraße 4 sein.

Um Aufschluss über die verschiedenen Konfliktlinien und Argumentationen zu erlangen, werden diese Dokumente systematisch erschlossen und qualitativ ausgewertet.

 

 

Aktueller Forschungsstand

 

Während die Forschung zu Erinnerungskulturen und -praktiken bezüglich des Nationalsozialismus in den Geschichts-, Kultur- und Sozialwissenschaften seit einigen Jahren regelrecht boomt (vgl. u.a. Assmann 2014, Assmann 2016 und Rürup 2014), so liegen die Forschungsschwerpunkte in allen beteiligten Disziplinen doch noch immer auf dem Holocaust. Die Erforschung der NS-‚Euthanasie‘-Morde in Bezug auf ein wie auch immer geartetes kollektives Gedächtnis hingegen ist aus wissenschaftlicher, vor allem kulturanthropologischer Sicht, noch ein weitgehend brachliegendes Feld.

Nach eingehender Recherche liegt mir zwar kein dezidiert kulturanthropologisches/europäisch-ethnologisches Werk vor, welches sich mit erinnerungskulturellen Praktiken bezüglich des Gedenkens an die Opfer der NS-‚Euthanasie‘-Morde befasst. Zwei interdisziplinäre Sammelbände seien hier jedoch zu nennen, einer davon gerade jüngst erst erschienen, die ein langsam aufkommendes kulturwissenschaftliches Interesse an der Thematik erkennen lassen.

 

Zum einen ist dies der Band „NS-‚Euthanasie‘ und Erinnerung. Vergangenheitsaufarbeitung. Gedenkformen. Betroffenenperspektiven.“ von Stefanie Westermann, Richard Kühl und Tim Ohnhäuser (2011). Gleich in der Einleitung benennen die Herausgeber_innen das Forschungsdefizit und sprechen bezüglich der NS-‚Euthanasie‘-Morde von einem „jahrzehntelang aus dem kollektiven Gedächtnis mehr oder weniger bewusst ausgegrenzten Verbrechenskomplex“ (Westermann et al. 2011, S. 8).

Zum anderen erscheint der gerade erst von Thomas Müller, Paul-Otto Schmidt-Michel et al. veröffentlichte Band „Vergangen? Spurensuche und Erinnerungsarbeit. Das Denkmal der Grauen Busse.“ (2017) vielversprechend, da er Beiträge zur Aufarbeitung der NS-‚Euthanasie‘ aus den Geschichts- und Kulturwissenschaften ebenso beinhaltet wie solche aus (denkmal)gestalterischer bzw. künstlerischer Perspektive.

 

 

Auswahlbibliografie

 

Assmann, Aleida (2016)

Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine Intervention. 2. Auflage. München.

 

Assmann, Aleida (2014)

Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. 2. Auflage. München.

 

Endlich, Stefanie (2016)

Orte und Formen des Gedenkens an Opfer der „Euthanasie“-Verbrechen. In: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hrg.): „Euthanasie“-Verbrechen. Forschungen zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik (Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Heft 17). Bremen. S. 150-162.

 

Endlich, Stefanie et al. (Hrg.) (2014)

Tiergartenstraße 4. Geschichte eines schwierigen Ortes. Berlin.
Jaworski, Rudolf und Peter Stachel (Hrg.) (2007)
Die Besetzung des öffentlichen Raumes. Politische Plätze, Denkmäler und Straßennamen im europäischen Vergleich. Berlin.

 

Jureit, Ulrike und Christian Schneider (2010)
Gefühlte Opfer. Illusionen der Vergangenheitsbewältigung. Stuttgart.

 

Moller, Sabine (2010)
Das kollektive Gedächtnis. In: Gudehus, Christian / Ariane Eichenberg / Harald Welzer (Hrg.): Gedächtnis und Erinnerung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart. S. 85-92.

 

Müller, Thomas et al. (Hrg.) (2017)
Vergangen? Spurensuche und Erinnerungsarbeit. Das Denkmal der Grauen Busse. Zwiefalten.

 

Rürup, Reinhard (2014)
Der lange Schatten des Nationalsozialismus. Geschichte, Geschichtspolitik und Erinnerungskultur. Göttingen.

 

Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Hrg.) (2015)
Tiergartenstraße 4. Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde. Berlin.

 

Westermann, Stefanie/Richard Kühl/Tim Ohnhäuser (Hrg.) (2011)
NS-„Euthanasie“ und Erinnerung. Vergangenheitsaufarbeitung, Gedenkformen, Betroffenen-perspektiven (Medizin und Nationalsozialismus, Band 3). Berlin.

 

 

[1] Mit „Betroffenen“ sind zwar in erster Linie Menschen gemeint, die zwischen 1933 und 1945 zwangssterilisiert
wurden. Als „Betroffene“ bezeichnen und definieren sich aber teilweise auch solche, die von einer
körperlichen, psychischen oder geistigen Einschränkung betroffen sind und sich aus dieser Gegebenheit
heraus mit den Opfern der NS-„Euthanasie“-Morde identifizieren.

 

 

 

„Ich fühlte mich verantwortlich dafür, das Schweigen zu brechen“ – Sigrid Falkenstein und ihre Tante Anna Lehnkering

 

Es wäre wohl nicht übertrieben, Sigrid Falkenstein (Jg. 1946), als Vorreiterin derjenigen Angehörigen von „Euthanasie“-Opfern zu bezeichnen, die mit ihren Recherchen an die Öffentlichkeit gingen. Den Anfang machte im Jahr 2003 ein überraschender Fund im Internet. Was dann geschah, ist vielen bereits bekannt – im Interview mit Julia Frick erzählte die Autorin und pensionierte Lehrerin die Geschichte ihrer Recherche noch einmal in ihren eigenen Worten.

 

Erinnern als Verpflichtung: Sigrid Falkenstein und ihre Tante Anna Lehnkering (1915-1940). Fotos: Falkenstein.

 

Julia Frick: Wann hast Du begonnen, über das Schicksal Deiner Tante nachzuforschen? Kannst Du Dich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn Deiner Recherchen war?

 

Sigrid Falkenstein: Ich erinnere mich noch genau an jenen Abend im Herbst 2003, als ich aus purem Zufall im Internet auf den Namen meiner Tante stieß. Auf der Suche nach genealogischen Daten hatte ich den Namen meiner Großmutter in die Suchmaschine eingegeben. Sie hieß wie ihre Tochter, Anna Lehnkering.
Zuerst war ich verwirrt, dann schockiert, denn der Name stand auf einer Liste von Personen, die – so hieß es dort in englischer Sprache – von deutschen Ärzten während der NS-Zeit ermordet worden waren, also auf einer Liste von Opfern der NS-„Euthanasie“. Aufgrund des Geburtsdatums konnte ich schlussfolgern, dass es sich um „Änne“, die fünf Jahre ältere Schwester meines Vaters, handeln musste. Bis dahin kannte ich lediglich ein Foto von ihr und wusste, dass sie jung gestorben war. Und ich konnte mich nicht erinnern, dass in unserer Familie jemals über Anna gesprochen worden war.

 

 

Julia Frick: Was waren Deine ersten Schritte und Anlaufstellen?

 

Sigrid Falkenstein: Natürlich habe ich zuerst meinen Vater mit der Entdeckung dieses „Familiengeheimnisses“ konfrontiert. Er bemühte sich um Antworten, doch seine Erinnerungen waren sehr bruchstückhaft. Es schien, als ob er die schlimmen Geschehnisse ausgeblendet hätte. Doch was ich erfuhr, war, dass Anna „irgendwann Mitte der 1930er-Jahre in irgendeine Anstalt eingewiesen worden war, und irgendwann während des Krieges in irgendeiner Anstalt gestorben sei“.

Meine Spurensuche wäre wohl in einer Sackgasse gelandet, wenn ich auf besagter Internetseite nicht einen Hinweis auf Annas Patientenakte im Bundesarchiv bekommen hätte. In dieser Akte aus der Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau fand ich viele Informationen und Querverweise auf andere Unterlagen. Ich nahm unter anderem Kontakt zur Klinik in Bedburg-Hau und zur Gedenkstätte Grafeneck auf, kontaktierte das Archiv des Landschaftsverbands Rheinland und kommunale Archive im Ruhrgebiet.

Das Studium der Quellen war für mich als Laie manchmal ziemlich schwierig. Einerseits muss man die Akten aus der NS-Zeit mit Vorbehalt lesen, denn sie spiegeln den Zeitgeist der nationalsozialistischen Rassenhygiene. Vieles war lediglich zwischen den Zeilen zu lesen und ließ nur spekulative Rückschlüsse auf Annas Persönlichkeit zu. Andererseits wurde das Lesen zusätzlich durch die teilweise sehr undeutliche Sütterlin-Schrift erschwert.

Bis 2003 war mein Wissen über die NS-„Euthanasie“ eher oberflächlich. Danach begann ich, mich genauer zu informieren, unter anderem mithilfe des Internets. Auch habe ich verschiedene Bücher gelesen, vor allem die von Ernst Klee haben mir dabei geholfen, Annas Lebensgeschichte in einen größeren geschichtlichen Zusammenhang einzuordnen. So gelang es mir, nach und nach ihre Biografie aus vielen kleinen Puzzleteilen zusammenzusetzen.

 

 

 

Julia Frick: Was konntest Du herausfinden?

 

Sigrid Falkenstein: Im Laufe meiner Spurensuche habe ich nicht nur eine Menge über Anna und unsere Familie erfahren, sondern auch über die Geschichte und die Gesellschaft unseres Landes.

Hier einige biografische Fakten über Anna, hinter denen sich unendlicher Kummer und Leid verbergen: Sie wurde 1915 im Ruhrgebiet geboren. Anscheinend entwickelte sie sich bis zu ihrem vierten Lebensjahr normal. Dann zeigte sie zunehmend Auffälligkeiten, war laut Akte „nervös, ängstlich und schreckhaft“. 1924 kam sie wegen Lernschwierigkeiten in eine Hilfsschule. Nach ihrer Schulentlassung 1929 erlernte sie keinen Beruf, sondern half der Mutter im Haushalt. Rund zwei Jahre später erstellte die Bonner „Kinderanstalt für seelisch Abnorme“ die Diagnose „Schwachsinn“, ein damals üblicher Begriff für „geistige Behinderung“. 1935 wurde Anna auf Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ im Evangelischen Krankenhaus der Stadt Mülheim an der Ruhr zwangssterilisiert. Ende 1936 wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau (Kreis Kleve) eingewiesen. Anfang März 1940 wurde sie schließlich im Rahmen der „Aktion T4“ nach Grafeneck deportiert und dort als angeblich erbkranker und damit nach damaligem Gedankengut lebensunwerter Mensch in der Gaskammer ermordet.

 

 

 

„Wer – wenn nicht wir als Angehörige – könnte glaubwürdiger bezeugen, dass die Opfer keine anonyme Masse waren?! Wer – wenn nicht wir – könnte ihnen besser Gesicht und Namen zurückgeben!“

 

 

 

Julia Frick: Wie hat Deine Familie bzw. Dein Umfeld auf Dein Engagement und auf die neuen Informationen reagiert?

 

Sigrid Falkenstein: Ich bin sehr froh, denn im Unterschied zu manchen anderen betroffenen Familien ist meine Spurensuche und Erinnerungsarbeit in meiner Familie weitgehend auf Interesse und Zustimmung gestoßen. Es war und ist mir sehr wichtig, meinen Kindern, Nichten, Neffen und Enkelkindern zu erzählen, was geschehen ist, denn sie werden die Zukunft mitgestalten. „Annas Geschichte lässt mich dankbar sein für die Zeit, in der ich leben darf und erinnert mich daran, wie wichtig Toleranz und Nächstenliebe in unserer Gesellschaft sein sollten“, so eine meiner Töchter. Sie hoffe, sagte sie weiter, dass dadurch dem ein oder anderen klar werde, wie wichtig es ist, dass wir respektvoll miteinander umgehen – mit jedem, so unterschiedlich wir auch sein mögen. Und was Anna selbst angeht: Sie ist heute fest im Familiengedächtnis verankert.

 

 

 

Julia Frick: Wie würdest Du den Einfluss beschreiben, den Deine Recherchen auf Dich selbst hatten und haben?

 

Sigrid Falkenstein: Die Erinnerungsarbeit für Anna hatte und hat großen Einfluss auf mein Leben und hat es in vielerlei Hinsicht verändert. Das liegt vor allem daran, dass sich aus den rein privaten Anfängen meiner Spurensuche nach und nach ein bürgerschaftliches Engagement gegen das Vergessen entwickelt hat.
Als ich 2004 eine Internet-Gedenkseite für Anna veröffentlichte, war das, als hätte ich einen Stein ins Wasser geworfen, der immer mehr Wellen erzeugte. Seitdem ich 2012 das Buch „Annas Spuren“ veröffentlicht habe, hat die öffentliche Aufmerksamkeit weiter zugenommen. Beteiligung an bürgerschaftlichen Initiativen, Vorträge, Lesungen, TV-Auftritte meinerseits waren die Folge und führten zu zahlreichen Begegnungen mit beeindruckenden Menschen an den verschiedensten Orten – Erlebnisse, die mein Leben bereichert haben und die es ohne Anna nie gegeben hätte.

Im Verlauf meiner Erinnerungsarbeit habe ich viel gelernt. So habe ich erfahren, dass man als einzelner Mensch etwas anstoßen bzw. verändern kann. Aber dazu braucht man Netzwerke und eine möglichst breite Unterstützung durch Politik, Institutionen, Verbände und nicht zuletzt durch die Presse. Um das zu organisieren, ist eine Menge Hartnäckigkeit und Ausdauer nötig.

Es ist manchmal schwierig für mich, ein „öffentlicher Mensch“ zu sein, und es bringt psychische und physische Belastungen mit sich. Aber wenn man sich „so weit aus dem Fenster lehnt“ wie ich, muss man lernen, das öffentliche Interesse auszuhalten. Dabei hilft mir, dass ich meine Erinnerungsarbeit als Aufgabe, als Verpflichtung Anna gegenüber verstehe.

 

 

 

Julia Frick: Was treibt Dich und Deine Arbeit an?

 

Sigrid Falkenstein: Am Anfang wollte ich einfach wissen, was geschehen ist. Ich war entsetzt über das, was ich erfuhr. Anna ist unfassbares Unrecht geschehen – das Auslöschen der Erinnerung gehört dazu. Ich fühlte mich verantwortlich dafür, das Schweigen zu brechen und an sie zu erinnern. So wollte ich ihr wenigstens symbolisch etwas von ihrer Identität und Würde zurückgeben – sozusagen als Akt später Gerechtigkeit.

Darüber hinaus haben mich Fragen über unsere Familie beschäftigt, über die Lebensumstände, die auch mein Leben geprägt haben. Ich wollte verstehen, wie es zu dem Teufelskreis von Schweigen und Verdrängen kommen konnte. Je mehr ich mich mit den rassehygienischen und gesellschaftspolitischen Hintergründen befasste, umso klarer wurde mir, warum die Themen Zwangssterilisation und „Euthanasie“ in vielen betroffenen Familien tabuisiert wurden – teilweise bis heute.

Ich habe in meiner Familie erlebt, dass Schweigen krankmachen kann. Es kann heilsam sein, die Vergangenheit aufzuarbeiten und über das Erlebte zu sprechen. Das wollte ich anderen Betroffenen mitteilen und sie zur Spurensuche ermutigen. Wer – wenn nicht wir als Angehörige – könnte glaubwürdiger bezeugen, dass die Opfer keine anonyme Masse waren?! Wer – wenn nicht wir – könnte ihnen besser Gesicht und Namen zurückgeben!

Ich finde es wichtig, Geschichten wie die von Anna zu erzählen, denn es sind meiner Meinung nach Einzelschicksale, die jenseits anonymer Zahlenkolonnen Geschichte begreifbar machen. Wir können, wir müssen aus der Geschichte lernen, denn die alten Denkmuster von Ausgrenzung und Diskriminierung, rassistische Vorurteile und Vorbehalte gegenüber Minderheiten existieren nach wie vor. Der Mensch als Gegenstand ökonomischer Kosten-Nutzen-Rechnung, das sind Formen der Abwertung, auf die wir auch heute achten müssen. Vielleicht fassen die Worte von Max Mannheimer gut zusammen, was mich antreibt: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“

 

 

ANNAS SPUREN – Ein Opfer der NS-‚Euthanasie“ von Sigrid Falkenstein (unter Mitarbeit von Prof. Dr. Dr. Frank Schneider ist 2012 im Herbig-Verlag erschienen. 2015 erschien es zudem in Leichter Sprache.

 

 

Auch auf Gedenkort T4 ist Anna Lehnkerings Biografie zu lesen.

 

 

 

Neue Biografie: Herta Martha Wieland

Um 8.45 Uhr Tod in der Heil- und Pflegeanstalt Teupitz, ihr Mann besuchte gegen Mittag noch einmal die Klinik: da wird ihm nur ihr Tod mitgeteilt (er sagte später: „Die haben sie gespritzt.“ Wie sich eine Tochter erinnert). Todesursache: „Entkräftung bei Geisteskrankheit“ – wobei sie 6 Tage vorher, am Tag ihrer Einweisung, physisch vollkommen gesund und bei Kräften war. Tatsächliche Todesursache: vermutlich eine Luminal- oder Luftspritze.

 

Herta Wieland mit ihrer Familie 1935

Herta Wieland (links) mit ihrer Familie 1935. Quelle: Privatsammlung

Es ist nicht viel, was man über Herta Martha Wieland weiß. Das Wenige hat ihre Enkelin recherchiert und unserer Sammlung von Lebensgeschichten von Opfern der nationalsozialistischen „Euthanasie“-verbrechen angefügt. Hier können Sie die Biographie lesen.

 

 

 

Buchvorstellung: Ausgegrenzt! Warum? Zwangssterilisierte und Geschädigte der NS-›Euthanasie‹ in der Bundesrepublik Deutschland

Wann: 20.6.2017, 19.00

Wo: Dokumentationszentrum Topogaphie des Terrors, Berlin

 

Die Geschichte der Menschen, die im Nationalsozialismus zwangssterilisiert wurden oder deren Angehörige den Patientenmorden zum Opfer fielen, wurde nach 1945 relativ konsequent verdrängt: Anträgen auf Entschädigungen wurde nicht entsprochen, weil die Opfergruppe nicht in das Bundesentschädigungsgesetz aufgenommen wurde, Zwangssterilisation oft nicht als Verbrechen gewertet und generell hing über den Thema ein Tabu. Dass sich 1987 der Bund der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten e.V. gründete, bedeutete demzufolge auch, dass sich erstmals seit 1933 Betroffene und Angehörige austauschen konnten. Auch wenn sich der Verein 2009 auflöste, so existiert er als Arbeitsgemeinschaft weiter und kämpft immer noch um Entschädigungen und Anerkennung. Im Jahr 2003 produzierte der Verein die Wanderausstellung Lebensunwert – Zerstörte Leben und gab 2006 das Buch unter gleichem Titel heraus (Verlag).

 

Die Herausgeberin der neuen Publikation Margret Hamm wird das Buch in der Topographie des Terrors vorstellen. Man darf in diesem Zusammenhang auch gespannt sein, ob das Thema der Namensnennung von Opfern aufgebracht werden wird. Die Arbeitsgemeinschaft positionierte sich in letzter Zeit immer wieder gegen die öffentliche Nennung mit der Begründung, dass die Opfer nicht gefragt werden könnten und dass dies nach den Jahrzehnten der Verdrängung eine Art überholter Aktionismus sei. Verweisen sei hier auf einen Brief der AG vom März des Jahres an die Ministerin für Justiz, Kultur und Europa in Schleswig-Holstein, der sich gegen die Nennung der Namen der aus der Anstalt Neustadt deportierten Patienten wandte.

 

 

Familiengeschichte mit doppeltem Boden – Barbara Stellbrink-Kesy und ihre Großtante Irmgard Heiss

Barbara Stellbrink-Kesy (Jg. 1952) ist Vorstandsmitglied im Förderkreis Gedenkort T4 e.V. und arbeitet als Kunsttherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie in Berlin. Ihren beruflichen Schwerpunkt bildet seit 2003 die transkulturelle bzw. interkulturelle Kunsttherapie sowie die Kunsttherapie mit Kindern und Jugendlichen und speziell mit Frauen. Bei einem Umzug nach dem Tod ihres Vaters offenbarte sich ihr – buchstäblich – die Doppelbödigkeit der eigenen Familiengeschichte und eine umfangreiche Spurensuche begann.

 

Zwei mutige Frauen: Barbara Stellbrink-Kesy und Irmgard Heiss (1897-1944).

 

 

Julia Frick: Wann hast Du begonnen, über das Schicksal Deiner Großtante nachzuforschen? Kannst Du dich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn Deiner Recherchen war?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Zum ersten Mal sprachen meine Eltern Mitte der 90er Jahre in meiner Gegenwart über Irmgard Heiss. Ich war schon über 40 Jahre alt, sieben Jahre nach ihrem Tod geboren und in ihrem Elternhaus aufgewachsen. Mein Vater vermutete, Irmgard, die Schwester seiner Mutter, könne ein Opfer der Krankenmorde geworden sein, er wisse aber nichts Genaues. Es schockierte mich, dass ein Mitglied der Familie jahrelang einfach verschwiegen worden und unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen war. Gegenüber uns ‚Kindern‘ war das Familiengeheimnis offensichtlich streng gewahrt worden. Einige Zeit nach diesem Gespräch gab mir mein Vater eine Fotografie und einen handgeschriebenen Brief seiner Tante. Das waren meine ersten Anhaltspunkte.

 

Als ich dann nach dem Tod meines Vaters einen Schrank von einem Raum in einen anderen transportierte, fiel darin etwas polternd zur Seite, was sich als eingebauter doppelter Boden herausstellte. Darunter fanden sich Irmgards letzte Briefe aus den Jahren 1939 – 42 an die Familie…

 

 

Julia Frick: Was waren danach Deine ersten Schritte und Anlaufstellen?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Niemand in meinem Freundes- und Bekanntenkreis hatte bis dahin von einem ähnlichen Fall berichtet. Ich selbst war seit meiner Jugend  politisch interessiert und keineswegs uninformiert – doch dieses Thema stellte offenbar ein Tabu dar. Es war schwer, mit einer Geschichte umzugehen, für die es an Worten und Bildern fehlte. Ich versuchte zunächst, die in Sütterlin eng beschriebenen Briefe zu entziffern. Dazu wandte ich mich an diejenigen in der Familie, die noch direkt mit Irmgards Lebensgeschichte zu tun gehabt haben konnten. Die Nichte Irmgards half mir bei der Transkription der Briefe. Ihr Vater Karl-Friedrich Stellbrink war Irmgards Bruder gewesen, Pfarrer in Lübeck.

 

Ich rätselte damals noch, was es mit den Absender-Adressen der Anstalten ‚Lengerich‘ und ‚Weilmünster‘ auf sich hatte. Als ich dann 2003 einen Vortrag zum Thema „Psychiatrie im Nationalsozialismus“ hörte, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl: Was in unserer Familie geschehen war, stand in einem größeren Zusammenhang, es ist wichtig. Anschließend sprach ich den Vortragenden aufgeregt an um herauszufinden, welche Anstalten hinter diesen Adressen stehen mochten.

 

Im Jahr 2008 half mir ein Historiker dabei, die Krankenakte der Patientin Irmgard Heiss im westfälischen Landesarchiv zu finden. Die Akte des ‚Lindenhauses‘ erwies sich als vollständig über den Zeitraum von 1925 – 1944. Doch die Eintragungen stellten sich mir zunächst als verwirrende Fülle von Einzelinformationen dar. Viele Dokumente waren erschreckend in Wortwahl und Duktus. Da war von „Parasitismus Sozialis“ die Rede, sowie von „Minderwertigkeit“, „moralischem Schwachsinn“und „Asozialität“. Von solchen ‚Diagnosen‘ hatte ich noch nie gehört. Widersprüchliche Informationen gaben mir Rätsel auf: Warum wollen die Psychiater Irmgard Heiss 1925 nach ihrer Aufnahme gleich wieder entlassen, bezeichnen sie als „nicht irrenanstaltspflegebedürftig“? Und warum machten sie die Ankündigung dann doch nicht wahr? Warum wurde Irmgard stattdessen in die Anstalt Gütersloh verlegt, und warum schrieb der dortige Direktor Simon in ihrem Fall derartig menschenverachtende Briefe an den Landeshauptmann in Münster? War sie denn nun krank gewesen oder nicht?

 

Ich besuchte Tagungen, studierte die Literatur, sprach Fachleute an, und ein mühsamer Prozess begann. Viel Unterstützung bekam ich zwar ehrlich gesagt nicht, aber immerhin waren weitere Schritte in der Recherche möglich.

 

 

Julia Frick: Wie hat Deine Familie bzw. Dein Umfeld auf Dein Engagement reagiert?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Meine enge Familie war interessiert, andere hielten sich bedeckt. Auch jene Nichte, die mir beim Entziffern der Briefe geholfen hatte, war erschüttert, als ihr klar wurde, wie wenig sie über dieses Familienmitglied wusste. Mit dem Auffinden der Krankenakte wuchsen bei ihr Befürchtungen, es könne nun erneut ein Schatten auf das Andenken ihres Vaters fallen. Das Stigma schien durch die Generationenfolge hindurch seine Wirkung nicht verloren zu haben.

 

Nach und nach fand ich mit ihr gemeinsam heraus, worum es in ihren Befürchtungen genau ging: Würde jemand Karl-Friedrich Stellbrink nun rückwirkend vorwerfen, dass er seine Schwester nicht selbst aus der Anstalt abgeholt und gerettet hatte? Würde die nunmehr nachgewiesene Existenz einer Schwester, die Psychiatriepatientin war, als Indiz für eine angebliche Persönlichkeitsstörung Stellbrinks gewertet werden, wie sie nach seiner Verurteilung – und bis weit in die Nachkriegszeit hinein – gelegentlich behauptet worden war?* Musste nicht zwangsläufig ein schlechtes Licht auf Hildegard Stellbrink fallen, weil auch sie die Schwägerin und enge Freundin nicht gerettet hatte?

 

Einerseits wollte ich nun für Irmgard einen Stolperstein vor ihrem Elternhaus verlegen lassen, ein kleines Familienritual ermöglichen, um ihr ihren Platz im Familiengedächtnis zurückzugeben. Ihr Leben und Sterben weiterhin zu verschweigen, erschien mir als ein untergründiges Weiterwirken der Rassenhygiene und des nationalsozialistischen Denkens. Ich fand es schwer erträglich, dass das Andenken des einen Opfers gegen dasjenige des anderen aufgerechnet werden sollte.

 

Andererseits wollte ich keine Schritte gegen den Willen meiner Tante unternehmen, das war für mich ein Gebot des Respekts. Aber je mehr Einblick ich in die Zusammenhänge gewann, umso eher konnte ich ihre Befürchtungen entkräften. So kam es, dass nach zehn Jahren intensiver Auseinandersetzung die letzte noch lebende betroffene Angehörige dieser Generation ihre Einstellung veränderte. Seit 2011 liegt ein Stolperstein vor dem Elternhaus Irmgards in Detmold, der bislang Einzige in der Stadt. Meine Tante, bis ins hohe Alter geistig rege, die viel für das ehrende Andenken an ihren Vater getan hatte, war mir im Verlauf dieser Zeit zu einer wichtigen Zeugin und Vertrauten in der Aufarbeitung geworden. Als sich die Möglichkeit einer Kurzdarstellung der verschlungenen Lebenswege der Geschwister Irmgard Heiss und Karl-Friedrich Stellbrink im Rahmen der Ausstellung „Erfasst – Verfolgt – Vernichtet“ der DGPPN bot, war ich froh über ihre Zustimmung für eine Veröffentlichung.

 

* Mehr über Karl-Friedrich Stellbrink und die ‚Lübecker Märtyrer‘ finden Sie hier

 

 

Julia Frick: Was konntest Du letztlich über Deine Großtante herausfinden?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Irmgard ist in ihrer Jugend sehr musikalisch gewesen, sie tanzte und sang und wäre gern Künstlerin geworden, was von der pietistischen Familie jedoch missbilligt wurde. Später heiratete sie dann auch noch ‚unter ihrem Stand‘, nämlich einen Bergmann. Sie erlebte häusliche Gewalt, wollte sich scheiden lassen, geriet in Not. Als sich ihr Mann in Untersuchungshaft befand, plante sie mit ihren kleinen Söhnen die beschwerliche Schiffsreise nach Brasilien zu Bruder und Schwägerin, die dort deutschsprachige Kolonisten seelsorgerisch betreuten. Doch eine erneute Schwangerschaft zerstörte die Hoffnung auf einen Neubeginn. Irmgard gab die Kinder schweren Herzens in Pflegefamilien und brachte im Krankenhaus ein gesundes Mädchen zur Welt. Doch als sie sich dort gegen die Reglementierungen mit vorgeschriebenen Stillzeiten wehrt, wird sie von Baby Meta, zweieinhalb Monate alt, getrennt und als ‚geisteskrank‘ in die Psychiatrie eingewiesen.

 

Diese Diagnose zweifeln die Psychiater an und wollen sie entlassen. Doch wohin? Ihre Eltern wollen sie nicht unterstützen, die Ehe will sie unter keinen Umständen fortsetzen. Die Ärzte können sich damals nicht vorstellen, dass diese Frau ohne Aufsicht und strenge Führung eines Mannes leben kann. Ein sozialhygienisch orientierter Amtsarzt schreibt 1926, er sehe sich wegen ihrer „Haltlosigkeit und Triebhaftigkeit“ gezwungen, diese Frau aus der Gesellschaft auszuschließen. Sie müsse „in Anstalten gehalten“ werden, denn andernfalls bestehe die Gefahr, dass sie erneut „belastete Kinder“ in die Welt setze. Als Irmgard  im Sommer 1926 dann doch entlassen wird, ist Baby Meta im Waisenhaus von Bethel an Diphterie gestorben und die Scheidungsklage abgewiesen.

 

Am Tag nach der Entlassung beantragen ihre Eltern, in ihrer Familienehre schwer angeschlagen, mit Unterstützung des Amtsarztes Irmgards Entmündigung. Diese taucht unter,  hält sich mit Fabrikarbeit über Wasser. 1928 wird sie mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus von Münster aufgenommen. Dort will sie auf ihrer Station  in suizidaler Absicht den Medikamentenschrank aufbrechen. „Weil ich überflüssig bin, auf der Welt“, sagt sie. Es folgt erneut die Überführung in die Psychiatrie. Sie erhält nun die Diagnose Schizophrenie und wird letztlich entmündigt. Auch die Ehe wird jetzt, unter anderen Vorzeichen, geschieden. Ihr Bruder Karl Friedrich und seine Frau Hildegard, gerade vom anstrengenden Auslandspfarramt aus Brasilien zurückgekehrt, erklären sich auf Bitten der Großeltern bereit, Irmgards Söhne Ewald und Hugo aufzunehmen. Sie erwägen, auch Irmgard zu sich zu holen, doch die Ärzte raten ihnen ab. Irmgard Heiss ist nun Patientin in Lengerich und wird dort die nächsten zehn Jahre verbringen.

 

Am 7. August 1941 dann reist Karl-Friedrich Stellbrink beunruhigt und völlig überlastet von Lübeck nach Detmold, um seine Schwestern vor den unmittelbar drohenden Verlegungen von Patienten aus Westfalen und Schleswig-Holstein in die sogenannten Mordanstalten zu warnen. Hitler hatte gerade den Stopp der Vergasungen verfügt, unter anderem wegen der berühmten Predigten des Bischofs Clemens August Graf von Galen, die auch die vier Lübecker Geistlichen heimlich verbreitet hatten. Statt in der Tötungsanstalt Hadamar zu enden, wie vorgesehen, strandete darum bald darauf der letzte Transport aus Lengerich in der ‚Zwischenanstalt‘ Weilmünster. Unter den westfälischen Patienten war auch Irmgard Heiss. Ein Besuchsverbot für Verwandte war angeordnet, und es gab für die verlegten Patienten kaum mehr Versorgung, denn das Morden wurde nun mit anderen Mitteln weitergeführt. Der zuständige Anstaltsdezernent Bernotat, wird als ein besonders eifriger Überzeugungstäter beschrieben.

 

 

Jedes rekonstruierte Leben schließt einen bis dahin ausgegrenzten Menschen wieder in die Erinnerung ein und bietet Möglichkeiten, die Dinge besser im Zusammenhang zu begreifen.

 

 

Julia Frick: Wie würdest Du den Einfluss beschreiben, den Deine Recherchen auf Dich selbst hatten und haben?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Ich schreibe seit einiger Zeit an Irmgards Biografie, das hat natürlich mein Leben verändert. Die Quellen, die ich zur Verfügung habe, die Briefe an meine Urgroßeltern nach Brasilien, schildern das Geschehen aus ihrer Sicht. Karl-Friedrichs und Irmgards beeindruckende Briefe ordnen sich allmählich wie von selbst zu einem Gesamtbild – eine Erzählung entsteht. Da diese Quellen so viele Zusammenhänge aufzeigen, ist es eine sehr herausfordernde Aufgabe, die Zeit und Sorgfalt benötigt. In einem eigenen Teil des entstehenden Buchs erkläre ich die Hintergründe, z.B. die Frage nach der damaligen Psychopathiediagnose. Die Veröffentlichungen anderer Angehöriger von Opfern der Krankenmorde waren für mich inspirierend und ermutigend. Jedes rekonstruierte Leben schließt einen bis dahin ausgegrenzten Menschen wieder in die Erinnerung ein und bietet Möglichkeiten, die Dinge besser im Zusammenhang zu begreifen.

 

Ich habe daher auch viel über meine Geschichte erfahren. Mir ist z.B. klar geworden, wie sehr mein Vater Ängste auf mich projiziert hatte, ich könne seiner Tante ähnlich sein. Als Kind spürte ich diese Ängste, das Geheimnis und die buchstäbliche ‚Doppelbödigkeit‘ der Familienerinnerung. Die Recherche förderte zutage, dass ich allen Grund hatte, meiner Wahrnehmung zu vertrauen.

 

Auch schaue ich jetzt genauer auf die heutigen Entwicklungen im Gesundheitswesen, die ja unter Vorzeichen der Ökonomisierung stehen, ähnlich wie in der Weimarer Zeit. Was mich aktuell sehr beschäftigt ist z.B. die Frage, warum die Gesellschaft den damaligen Psychiatern so viel unhinterfragte Macht übertragen hat. Die Geschichte konsequent aus Irmgards Sicht zu erzählen, auf der Grundlage der Dokumente und eingebettet in die Literatur, heißt für mich auch, die Deutungsmacht  dieser damaligen Psychiater zu brechen und den Machtmissbrauch, den Verrat an den Patienten sichtbar zu machen. Und der begann in diesem Fall schon 1925. Oft genug wird mir diese Feststellung als Anmaßung ausgelegt, ich muss also auch sehr widerständig sein, wie meine Großtante Irmgard. Wer weiß, vielleicht hätte ich 1925 auch eine „Psychopathiediagnose“ bekommen?

 

 

Julia Frick: Was treibt dich und Deine Arbeit an?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Unangepasste Frauen, als „asozial“ abgestempelt, sind bis heute als Opfer des Nationalsozialismus nicht anerkannt. Irmgards Lebensgeschichte kann als beispielhaft für Frauen betrachtet werden, die in jener Zeit gegen moralische Normen verstießen. Viele von ihnen landeten statt in den Psychiatrien später in KZs oder wurden zwangssterilisiert. Das Stigma von ihnen zu nehmen, ihre Einzelschicksale in die Erinnerungskultur einzuschließen und in ihrem widerständigen Handeln auch Keimformen kommender Veränderungen zu erkennen, das ist mir wichtig.

 

Motivation war mir auch meine Arbeit als Kunsttherapeutin mit Heilpraktikererlaubnis im Bereich der Psychotherapie. Die Erkenntnis: Wer seine eigene Vergangenheit nicht beachtet, wird auch die entscheidenden Themen in den Biografien anderer Menschen nicht auffinden.

 

Zum Schluss möchte ich das Wort an Irmgard übergeben. 1940 schrieb sie als Randbemerkung an den letzten Brief, den sie aus der Anstalt Lengerich an ihren Sohn Ewald schickte:

 

„Ich weiß gar nicht, ob ich schon richtig gelebt habe? Bewusst jedenfalls nicht, darauf warte ich noch. Nur krank stellenweise und gehemmt. Und frei, aber verpönt.“

 

 

 

 

 

Hier können Sie die vollständige Biografie von Irmgard Heiss nachlesen:

http://www.gedenkort-t4.eu/de/vergangenheit/heiss-irmgard

 

 

 

Hadamar: Hier wurden Patienten ermordet. Hier wohnen Patienten!

[UPDATE 31.5.2017: Der (Wieder-)Einzug von Menschen mit Behinderungen in die Räume der ehemaligen Tötungsanstalt ist abgewendet, wie aus einer Pressemitteilung des Landeswohlfahrtsverbandes hervorgeht.]

 

In Hadamar haben die Nationalsozialisten in den Jahren 1941 – 1945 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen, ab 1942 auch kranke Zwangsarbeiter und sog. halbjüdische (gesunde) Kinder im Rahmen der NS-Krankenmorde getötet.

Tötungsanstalt Hadamar Haupteingang 1945

Tötungsanstalt Hadamar Haupteingang 1945

Heute ist die Gedenkstätte Hadamar ein wichtiger Ort des Gedenkens an die Opfer der NS-„Euthanasie“, der allein in Hadamar fast 15.000 Menschen zum Opfer fielen. Darüber hinaus leistet die Einrichtung mit fast 20.000 Besuchern pro Jahr (Tendenz steigend) einen wichtigen Beitrag zur Demokratie-Erziehung vor allem junger Menschen.

Die meisten Ortskundigen haben sich längst daran gewöhnt: Betritt man „Haus 5“ der Vitos Klinik in Hadamar durch den Haupteingang, so kommt man zur Rechten in die Gedenkstätte, zur Linken in das Wohn- und Pflegeheim von Vitos. Dass im Ostflügel des Gebäudes Kranke ermordet wurden, daran erinnern die Gaskammer, Reste der Einäscherungsöfen, ein Seziertisch und nicht zuletzt die Gedenkstätten-Ausstellung in den historischen Räumlichkeiten.

 

Gedenkstätte Hadamar, Ergotherapie und Wohn- und Pflegeheim in einem Haus.

 

Was viele nicht wissen: Im Westflügel des Gebäudes, das heute so unscheinbar „Haus 5“ heißt, wurde in den Jahren 1942 bis 1945, also in den Jahren der Medikamentenmorde, mindestens im gleichen Umfang gemordet wie im Ostflügel, der die Gedenkstätte beherbergt.

 

Dessen ungeachtet wurde und wird der Westflügel seit Ende des 2. Weltkriegs weiter genutzt für die Unterbringung psychisch und seelisch kranker Menschen.

 

Wegweiser auf dem Gelände

Wegweiser auf dem Gelände

Dieser aus ethischer Sicht sehr fragwürdige Zustand sollte im Juni 2017 endlich ein Ende haben. In der Woche nach Pfingsten werden die Bewohner aus Haus 5  in neu errichtete Gebäude auf dem Vitos-Gelände umziehen.

 

Es bietet sich also eine großartige Gelegenheit, endlich einen Neuanfang zu wagen, dem Gedenken einen angemessenen Platz einzuräumen und auch diesen historisch bedeutsamen Teil des Gebäudes in die bestehende Gedenkstätte zu integrieren.

 

Leider planen der Landeswohlfahrtsverband Hessen und die Vitos GmbH aktuell anscheinend, diesen ehemaligen Mordtrakt wiederum für mehrere Jahre als Wohnraum für Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen zu nutzen!

 

Dieses Vorgehen erscheint uns gleich aus mehreren Gründen inakzeptabel, denn es leugnet:

 

–          die historische Bedeutung des Westflügels, in dessen Räumen nachweislich mehr als 1.000 Menschen ermordet wurden und viele Menschen zum Teil wochenlang unter Hunger und Vernachlässigung und in dem Wissen um die drohende Ermordung gelitten haben,

–          die Gefühle von Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen, die dort untergebracht werden sollen im Wissen um die Historie dieser Räume und

–          die Verantwortung des LWV Hessen als Nachfolgeorganisation des Bezirksverbandes Wiesbaden, des ehemaligen Trägers der Landesheilanstalt Hadamar während der Zeit des Nationalsozialismus.

 

Die Weiterverwendung des Westflügels von Haus 5 auf dem Gelände der Vitos Hadamar wäre gleichbedeutend mit einer Verleugnung der nationalsozialistischen Taten in diesen Räumen. Wir fordern daher die Verantwortlichen auf, auch dieses Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte endlich zu einem guten Ende zu bringen und die Räumlichkeiten der Gedenkstätte zum Zweck des Gedenkens und der Bildungsarbeit zur Verfügung zu stellen. Ein „Weiter so!“ darf es in Hadamar nicht geben!

 

„Er ist nie Teil der Familie gewesen“ – Jörg Waßmer und sein Großonkel Alois Zähringer

Jörg Waßmer ist 40 Jahre alt, lebt in Berlin und ist als Historiker am Jüdischen Museum tätig. Bereits im Kindesalter begann er, seine Großmutter über ihre Familie zu befragen und ahnte nicht, was er damit in Bewegung setzen würde. Vor einigen Wochen konnte ich ihn in Berlin treffen – und er erzählte mir eine der bewegendsten Geschichten meiner bisherigen Arbeit.

 

 

Jörg Waßmer begann im Alter von 12 Jahren, das Schicksal seines Großonkels Alois zu erforschen. Auf der einzig erhaltenen Fotografie ist dieser (links hinter den Baumstämmen) kaum erkennbar. (Fotos: David M. C. Miller / Archiv Waßmer)

 

 

Julia Frick: Wann hast Du begonnen, über das Schicksal deines Großonkels nachzuforschen? Kannst Du Dich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn Deiner Recherchen war?

 

Jörg Waßmer: Ja, so einen Moment gab es. Das war 1989, da war ich gerade einmal 12 Jahre alt – und hatte wohl ein recht außergewöhnliches Hobby für ein Kind dieses Alters: Ich interessierte mich für Familiengeschichte. Ich begann, meine Großmutter zu unserer Familie zu befragen, vor allem zu ihren Eltern und Geschwistern. Sie erzählte mir daraufhin unter anderem, dass sie einen Bruder namens Karl-Friedrich gehabt habe, der aber schon „ganz klein“ gestorben sei.

 

Was sie nicht ahnen konnte: Für meine 12 Jahre war ich schon ziemlich professionell unterwegs! Ich schrieb das Standesamt in Bleichheim an, weil ich mich für die Geburts- und Sterbeurkunde interessierte. Doch von dort sollte ich eine äußerst seltsame Antwort erhalten. Einen Karl-Friedrich Zähringer habe es nie gegeben, da müsse wohl eine Verwechslung vorliegen. Ein Alois Zähringer hingegen sei verzeichnet.

 

Ich forderte also die Kopien an und staunte nicht schlecht. Denn abgesehen davon, dass Karl-Friedrich offenbar Alois geheißen hatte, war dieser Alois auch nicht „klein“ gestorben. In einer Randnotiz konnte ich die Jahreszahl 1940 entziffern – da wäre Alois 18 Jahre alt gewesen – und als Ortsangabe „Grafeneck, Württemberg“. Da das Thema NS-“Euthanasie“ in meinem Schulunterricht in den 80er und 90er Jahren keine Rolle gespielt hatte, sagte mir und auch meiner Familie dieser Ort zunächst nichts. Und das, obwohl wir damals im Schwarzwald lebten, also gar nicht allzu weit entfernt von der Schwäbischen Alb.

 

Im Herbst 1990 stieß ich dann in der Lokalzeitung auf einen Artikel, in dem es darum ging, dass in Grafeneck eine Gedenkstätte für die Opfer der NS-“Euthanasie“ eingeweiht worden sei. Ich erfuhr, dass dort im Jahr 1940 mehr als 10.000 Menschen ermordet worden waren – und begann zu kombinieren. Meine Großmutter hatte offenbar einen Bruder namens Karl-Friedrich erfunden, so dachte ich, weil sie sich dafür schämte, einen „Kranken“ in der Familie zu haben.

 

 

Julia Frick: Was waren Deine ersten Schritte und Anlaufstellen?

 

Jörg Waßmer: Mein erster Schritt, nachdem ich den Zeitungsartikel gelesen hatte, war, dass ich das Samariterstift Grafeneck anschrieb. Von dort bekam ich die Auskunft, dass es keinerlei Akten aus der NS-Zeit mehr gebe und sie mir daher auch nicht weiterhelfen könnten. Ich besorgte mir dann noch die einzige Publikation, die es damals zu Grafeneck gab. Aber im Endeffekt war meine Recherche zum damaligen Zeitpunkt vorerst am Ende – bevor sie richtig angefangen hatte.

 

Erst sieben Jahre später startete ich einen neuen Anlauf. Da konnte ich mir dann Einblick in die Sterbebücher der Pfarrei seines Geburtsortes verschaffen. Und ich nahm Kontakt mit der letzten noch lebenden Halbschwester meiner Großmutter auf, mit der sie bereits viele Jahre zuvor gebrochen hatte.

 

 

Julia Frick: Was konntest Du herausfinden?

 

Jörg Waßmer: In den Sterbebüchern fand ich überraschenderweise einen Sterbeeintrag zu Alois Zähringer und zudem noch eine Notiz zu einer Heilanstalt, nämlich der St.-Josephs-Anstalt Herten. Ich wandte mich dorthin und man konnte mir bestätigen, dass mein Großonkel dort ab 1928 Patient gewesen war. Außerdem wurde mir mitgeteilt, dass und wann er von dort nach Emmendingen in eine sogenannte „Zwischenanstalt“ verlegt worden war. So konnte ich nun zumindest grob seinen letzten Weg rekonstruieren. Eine Patientenakte habe ich jedoch leider bis heute nicht, was insofern erstaunlich ist, als dass Alois‘ Name in der International Claims List auftaucht – die ja wiederum auf den Namen der Opfer beruht, zu denen im Bundesarchiv Akten vorhanden sind.

 

Letztlich war es dann meine Großtante Margarethe, die Licht ins Dunkel brachte, als ich sie etwa fünf Jahre nach dem Tod meiner Großmutter kontaktierte. Sie erzählte mir, dass meine Großmutter, die ganze neun Jahre älter gewesen war als Alois, oft auf ihren kleinen Bruder aufpassen musste. Eines Tages sei es dabei zu einem Unfall gekommen: Als sie Alois auf dem Arm hielt, fiel er ihr herunter, was offenbar zu einer schweren Verletzung mit bleibenden Folgen führte.

 

Ich vermute stark, dass meine Großmutter sich dadurch ihr Leben lang schuldig gefühlt hat. Schuldig an dem Unfall, schuldig an der Behinderung ihres Bruders und damit auch an seinem Tod.

 

 

„Es ist die Erinnerung um ihrer selbst Willen, die mich dazu bewegt, weiterzumachen. Ich will Alois dem Vergessen entreißen. Die Nazis haben ihn ermordet, haben ihn ausgelöscht, haben seine Spuren verwischt. Und meine Familie hat in dem Sinn kollaboriert, dass sie ihn auch „vergessen gemacht“ hat. Mir geht es darum, das nicht fortzuführen.“

 

 

Julia Frick: Wie hat Deine Familie bzw. Dein Umfeld auf Dein Engagement und auf die neuen Informationen reagiert?

 

Jörg Waßmer: Meine Großmutter hatte recht schnell begriffen, in welche Richtung meine Recherchen gehen würden, und da begann sie zu blocken. Meine Eltern hingegen haben mich von Anfang an unterstützt und waren zum Beispiel auch 1999 mit mir zusammen erstmalig in Grafeneck und später auch noch in Herten und Emmendingen.

 

Den Mut, Kontakt zu Halbgeschwistern meiner Großmutter aufzunehmen, hatte ich wie gesagt erst nach ihrem Tod. Margarethe, die mir auch von dem tragischen Ereignis in Alois‘ Kindheit erzählt hatte, schickte mir das einzige Foto, das es von Alois gibt.

 

Das Erschreckende daran ist, dass sie selbst ihn auf diesem Foto nicht wahrgenommen hat. Erst ich entdeckte den nur schemenhaft zu erkennenden Jungen am linken Bildrand. Sie bestätigte mir daraufhin, dass es sich nur um Alois handeln konnte. Für mich unterstreicht dieses Foto die ganze Geschichte auch noch einmal symbolisch: Mein Großonkel war immer abseits, ist offenbar nie Teil der Familie gewesen. Bereits als Siebenjähriger kam er in die Anstalt und lebte fortan fernab seiner Familie. Einschränkend muss ich sagen, dass nach seiner Ermordung zumindest die Urne aus Grafeneck angefordert und im Familiengrab beigesetzt wurde.

 

2010 habe ich dann vor seinem Elternhaus einen Stolperstein verlegen lassen. Dort leben heute noch Kinder eines Halbbruders meiner Großmutter, die ich demnach auch kontaktierte. Sie waren erfreulicherweise von Anfang an sehr offen. Und gerade neulich erreichte mich eine E-Mail von einem Großcousin, der jetzt – sechzehnjährig – in der Schule eine Arbeit über Alois schreiben möchte. Das hat mich extrem gefreut, da tatsächlich einmal die Initiative nicht von mir ausging!

 

 

Ins Gedächtnis zurückgeholt: Heute liegt unweit der Stelle, an der Alois hier saß, ein Stolperstein, der an ihn und sein Schicksal erinnert.

 

 

Julia Frick: Wie würdest Du den Einfluss beschreiben, den Deine Recherchen auf Dich selbst hatten und haben?

 

Jörg Waßmer: Meine Recherche hat mich auf jeden Fall geprägt, da ich dadurch schon früh erkannt habe, dass die NS-Verbrechen Bezug zu meiner eigenen Familiengeschichte haben. Sie blieben nichts Abstraktes für mich, ich wusste, ich bin mit dieser Geschichte verwoben, ob ich will oder nicht. Außerdem habe ich einen gesunden Zweifel entwickelt was Familiengeschichten angeht. Ich glaube, manchmal muss man Geschichten gegen den Strich lesen, um dem eigentlichen Kern auf den Grund zu gehen.

 

Meinen ohnehin schon existenten Wunsch, Geschichte zu studieren, hat diese frühe Beschäftigung mit der eigenen Familiengeschichte sicher noch verstärkt. Meine Magisterarbeit habe ich letztlich sogar zu Grafeneck geschrieben, und heute arbeite ich als Historiker im Jüdischen Museum in Berlin. Ich glaube, dass meine eigene Rechercheerfahrung bei meiner beruflichen Tätigkeit von Vorteil ist, da sie mich sensibilisiert hat. Denn auch wir bekommen ja viele Anfragen von forschenden Familienangehörigen.

 

 

Julia Frick: Was treibt Dich und Deine Arbeit an?

 

Jörg Waßmer: Manchmal fühle ich mich tatsächlich regelrecht als Getriebener, kann schlecht aufhören, weil ich immer denke, dass ich vielleicht noch etwas finde. So habe ich ja bis heute kein Porträt von ihm – und ich gäbe viel dafür, eines zu haben. Es ist diese Hoffnung, dass so ein Foto vielleicht noch in irgendeinem Archiv schlummert und nur darauf wartet, gefunden zu werden, die mich immer wieder antreibt.

 

Ansonsten ist es einfach die Erinnerung um ihrer selbst Willen, die mich dazu bewegt, weiterzumachen. Ich will Alois dem Vergessen entreißen. Die Nazis haben ihn ermordet, haben ihn ausgelöscht, haben seine Spuren verwischt. Und meine Familie hat in dem Sinn kollaboriert, dass sie ihn auch „vergessen gemacht“ hat. Mir geht es darum, damit zu brechen, das nicht fortzuführen.

 

Außerdem ist es mir wichtig, öffentlich an ein Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern, das verhältnismäßig wenig Spuren hinterlassen hat. Ursächlich hierfür ist vor allem, dass er seit frühen Kindertagen eine schwere Behinderung hatte und deshalb auch mehr als die Hälfte seines Lebens hinter Anstaltsmauern verbrachte. Alois hatte keinen Beruf, hat keine Familie gegründet, er ist deshalb so wenig fassbar.

 

In „Euthanasie“-Gedenkstätten liegt der Fokus oft auf Menschen, zu denen viel Material vorhanden ist und zu denen man viel erzählen kann. Das ist ja einerseits auch notwendig, wenn man Besucher dazu anregen will, sich mit jemandem ein Stück weit zu identifizieren. Aber andererseits ist es auch ein Dilemma, denn solche Opfer wie Alois, über die es nur wenige Informationen gibt, die fallen sozusagen hinten herunter.

 

 

Hier können Sie die ausführliche und von Jörg Waßmer verfasste Biografie Alois Zähringers lesen.