Im Folgenden eine Pressemitteilung des Humanistischen Verbandes Deutschlands, die uns natürlich sehr freut…
Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg und die Humanismus Stiftung Berlin vergeben ihren Toleranz- und Menschenrechtspreis an ein Projekt, das sich mit Vergangenheitsbewältigung und Erinnerungspolitik beschäftigt.
Ernst Klee ist tot. Der gelernte Heizungstechniker, Theologe und Sozialarbeiter legte 1983 das Standardwerk zum nationalsozialistischen Krankenmord vor: „Euthanasie im NS-Staat. Die Vernichtung lebensunwerten Lebens“ ist auch heute noch, immer wieder umfänglich erweitert und durch Ergebnisse akribischer Archiv-Recherchen ergänzt, eine grundlegende Studie.
Was danach kam, war oft analytisch ausgefeilter und besser in akademische Diskurse eingebettet, aber niemand konnte es mit Klees enzyklopädischem Wissen zum Thema aufnehmen. Kennzeichnend für sein Werk waren generell die Hebung neuer und aufmerksame Re-Lektüre bekannter Archivbestände zum Thema. Dabei war er einer der Ersten, die darauf hinwiesen , dass der Krankenmord im besetzten Polen begann. So drehte er bereits 1987 in seinem Film für den Hessischen Rundfunk “Sichten und Vernichten” im Fort VII, dem Ort der ersten Vergasung im Dritten Reich überhaupt.
Hingewiesen sei noch auf zwei Filme Klees, die bei youtube verfügbar sind :
NS-Gedenkstätten haben bisher für Menschen mit Lernschwierigkeiten kaum Besuchsangebote entwickelt. Es wurde davon ausgegangen, dass diese Zielgruppe mit diesen Bildungsangeboten überfordert ist.
Die UN-Behindertenrechtskonvention hat einen Paradigmenwechsel und ein Umdenken in der historisch-politischen Bildungsarbeit eingeleitet. Verschiedene Gedenkstätten haben Angebote und Kataloge in leichter Sprache erstellt. Leichte Sprache gilt als wichtiger Schritt zur Barrierefreiheit für Menschen mit Lernschwierigkeiten.
Die Referentin Dr. Uta George hat Angebote für Besuche von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Gedenkstätten entwickelt. Sie berichtet über ihre Erfahrungen.
Programm
Begrüßung:
Dr. Martin Salm, Vorstandsvorsitzender der Stiftung EVZ
Einführung zur UN-Behindertenrechtskonvention:
Prof. Dr. Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte
Vortrag und Filmausschnitt „War der Hitler ein Drecksack“:
Dr. Uta George, Soziologin und freischaffende Bildungsreferentin
Präsentation Online-Handbuch Inklusion:
Judith Feige, Deutsches Institut für Menschenrechte
Gestern war die Eröffnung der Ausstellung “andersartig-gedenken” in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein. Sie versammelt die besten Schülerarbeiten des bundesweiten Wettbewerbs und wird bis zum 15. August diesen Jahres zu sehen sein. Bei der Gelegenheit entstanden auch einige aktuelle Fotos der Gedenkstätte. Alle stehen unter der Lizenz CC-BY-SA.
Arbeiten des Schülerwettbewerbs
Arbeiten des Schülerwettbewerbs
Verfallende Busgarage
Parkplatz der Busse
Die Busse brachten die Patienten auf den Sonnenstein
Trotz Denkmalschutzes verfällt das wichtige Gebäude
Teil der Gedenkspur
Hier wurde Asche von Opfern gefunden
Gedenktafel für polnische Opfer im Keller
Wojciech Kowalczyk war ein Opfer der Aktion 14f13
Lageplan der Krematoriumsöfen
Reste eines Ofens
Schamottsteine der Öfen
Schamottsteine der Öfen
Habseligkeiten von Opfern…
2008 bei Ausgrabungen entdeckt
Auch ein Anhänger mit einer Rune gehörte einem der Opfer
Ein Asbesthandschuh zum Bedienen der Öfen
Präsentation von Opferbiografien
Tafel mit Namen
Veröffentlicht am 7 Mai 2013 um 09:37, von Robert Parzer
Heute begann die Frühjahrstagung in Stralsund mit einer öffentlichen Abendveranstaltung. Neben den Begrüßungen gab es auch bereits zwei Vorträge: H.J. Freyberger, Greifswald/Stralsund, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sprach zum Stand der Aufarbeitung der NS-Zeit an der Stralsunder Klinik und Henrik Eberle, Halle zur Kampfstoffforschung der Greifswalder Professoren im Nationalsozialismus. Ich habe bei beiden Vorträgen mitgeschrieben. Damit das nicht in der Schublade verstaubt, stelle ich es hier online. Bitte beachten: Das sind keine Ausarbeitungen, sondern Mitschriften und enthalten sicher Fehler und Missverständnisse.
Einmal waren die preisgekrönten Arbeiten des Schülerwettbewerbs andersartig gedenken schon zu sehen. Anlässlich der Konferenz “NS-Euthanasie in europäischer Perspektive” waren sie im Kleisthaus in Berlin zu sehen. In Kürze wird auch die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein eine Auswahl der besten Arbeiten präsentieren. Die Ausstellung kann auch gerne an anderen Orten gezeigt werden. Eine Email an robert.parzer@gedenkort-t4.eu reicht.
Im Folgenden die Pressemitteilung der Gedenkstätte:
Nur mehr fünf Tage, dann beginnt die Konferenz des Arbeitskreises in Stralsund (Das Programm liegt hier). Eine gute Zeit, um Rückschau zu halten. Udo Dittmann vom Braunschweiger Fritz-Bauer-Freundeskreis hat einen Bericht über die Tagung in Leipzig im November 2013, geschrieben, den ich mich freue, hier präsentieren zu dürfen.
Der Beginn der Tagung am Freitagabend fand in Leipzig am Naschmarkt in der Alten Handelsbörse, einem bedeutenden historischen Gebäude, statt. Nach einer Begrüßung durch Thomas Seyde (Psychiatriekoordinator der Stadt Leipzig) und einem offiziellen Vertreter Stadt erfolgte ein erster Vortrag über “Kindereuthanasieverbrechen” von Ulrich Rottleb.
“Im Warschauer Ghetto führten Ärzte Studien zum Hunger durch, weil der Mechanismus des Hungertodes damals unklar und die sich bietende Chance zu ergreifen war. Die Chance war außergewöhnlich. Noch nie, so schrieben sie, verfügte die Medizin über so viel Untersuchungsmaterial”. So erzählte es Hanna Krall in ihrer Interview-Erzählung mit und über Marek Edelmann, einem der “Anführer” des Warschauer Ghettoaufstandes.
Die Ärzte und Ärztinnen im Ghetto wussten nicht, konnten nicht wissen, dass am 17. November 1942 in München eine Konferenz stattgefunden hatte, auf der bayrische Anstaltsdirektoren beschlossen, nicht arbeitsfähigen Patienten eine sogenannte Sonderkost zu verabreichen. Zwei Wochen später wurde diese Hungerkost eingeführt, Patienten bekamen oft nicht mehr als einen halben Schöpflöffel wässriger Suppe. Die Zustände wurden so schlimm, dass nicht nur viele Patienten starben; manche Ärzte weigerten sich, auf solchen Hungerstationen Visiten durchzuführen. (vgl. Cranach/Siemen: Psychiatrie im Nationalsozialismus. München 1997)
Im Rahmen des Themenjahres 2013 “Zerstörte Vielfalt” wird am 5.5. 2013 im Außenbereich der Berliner Philharmonie eine Ausstellung eröffnet werden, die die Biografie der in Grafeneck ermordeten Anna Lehnkering (zum Nachlesen hier) mit der Geschichte des Ortes verknüpft. Die Philharmonie steht zum Teil auf dem Gelände der 1950 abgerissenen Villa an der Tiergartenstraße 4, in der der NS-Krankenmord planwirtschaftlich organisiert wurde.
Zur Begrüßung wird der Bezirksbürgermeister von Mitte, Dr. Christian Hanke sprechen, das Theater Ramba Zamba wird die Ausstellung “mit Pauken und Trompeten” eröffnen. Schließlich werden die Mitglieder des Teams, das die Ausstellung vorbereitete, eine Einführung geben. Zu sehen wird sie bis zum 17.11.2013 an der Ecke Tiergarten-/Herbert-von-Karajan-Straße sein.
Wir treten dort im Bereich “Geschichte und Gedenken” an und würden uns freuen, wenn Sie und Ihr möglichst oft durch einen Klick für uns abstimmt. Man kann täglich einmal abstimmen!
Die Erinnerungs- Bildungs- und Begegnungsstätte Alt-Rehse veranstaltet die Tagung. Alt Rehse ist ein kleines Dorf in Mecklenburg mit einer unrühmlichen Vergangenheit:
Die »Führerschule der Deutschen Ärzteschaft Alt Rehse« wurde von vielen führenden Nationalsozialisten besucht und nahm innerhalb der ärztlichen Fortbildung im »Dritten Reich« eine zentrale Rolle ein. (Quelle)
Die Tagung klingt sehr spannend: Unter den Referenten sind mit Hans-Walter Schmuhl und Michael Wunder die jeweils führenden Experten auf ihren Feldern. Auch Klaus Dörner, der seit den 1980ern entscheidende Impulse für die Aufarbeitung der NS-Krankenmorde setze ist dabei, ebenso wie Herta Däubler Gmelin. Das Programm und die Anmeldeunterlagen sind hier, im Folgenden der Ankündigungsext.
…und verzeichnet mehr Besucher. Sehr erfreulich! Im Folgenden die Pressemitteilung dazu:
28. März 2013
Pressemitteilung: Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein künftig jeden Sonnabend geöffnet
Die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein ist ab April häufiger und länger für Besucher geöffnet.
Künftig öffnet die Gedenkstätte an jedem Sonnabend von 11 bis 16 Uhr. Von Montag bis
Freitag ist die Gedenkstätte von 9 bis 16 Uhr und damit eine Stunde länger als bisher
zugänglich.
Dass Entschädigungen für Geschädigte der NS-”Euthanasie” und für Zwangssterilisierte auch im Jahr 2013 immer noch ein Thema sind, mag erstaunen. Dennoch ist es immer noch so, dass diese Personengruppen keine Entschädigungen nach dem Bundesentschädigungsgesetz (BEG) beziehen können, weil ihnen dies zuletzt in einer Anhörung 1961 vor dem Wiedergutmachungsausschuss des Bundestages verwehrt wurde. (Das Protokoll hier) Damals urteilten erwiesenermaßen Ärzte über dieses Anliegen, die gut 20 Jahre vorher die Zwangssterilisationen befürwortet hatten.
Zitat Prof. Nachtsheim aus der Anhörung 1961
Als die NS-Erbgesundheitsgesetzte und die Urteile der Erbgesundheitsgerichte beginnend 1994 geächtet wurden, waren Anträge nach dem BEG nicht mehr möglich. Die Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag schreibt hierzu in der Bundestagsdrucksache 17/12415 völlig zurecht:
Die grundsätzliche entschädigungsrechtliche Konsequenz dieser ideologischen und personellen Kontinuitäten ist, dass Zwangssterilisierte und „Euthanasie“- Geschädigte statt Leistungen nach dem BEG seit den 80er-Jahren lediglich Einmalzahlungen bzw. monatliche Beihilfen auf Grundlage der Härterichtlinien des AKG erhalten.
Aus der Kleinen Anfrage, auf der die Drucksache beruht, geht auch hervor, dass zum 31. Dezember 2012 noch 368 Zwangssterilisierte und 4 „Euthanasie“-Opfer laufende monatliche Leistungen und 178 Zwangssterilisierte ergänzende laufende Leistungen in besonderen Notlagen erhalten. Die Drucksache gibt darüber hinaus noch einen guten Einblick darein, wie umständlich die verschiedenartigen Entschädigungsformen geregelt sind. Nicht wenige Opfer dürfte alleine von dem ihnen ins Haus stehenden Papierkrieg, ganz zu schweigen von den Begutachtungen durch Ärzte, vom Stellen eines Entschädigungsantrages abgehalten worden sein.
Wie aus einer Pressemitteilung der innenpolitischen Sprecherin der Fraktion die Linke, Ulla Jelpke, hervorgeht, haben momentan ganze drei Personen Anspruch auf Entschädigung nach ihrer Einstufung als Euthanasiegeschädigte. Das sind Menschen wie Elvira Manthey. Sie wurde zufällig von einem Arzt, kurz bevor sie in die Gaskammer der Tötungsanstalt Brandenburg/Havel gehen sollte, zurückgeschickt. Ernst Klee filmte mit ihr 1995 für seinen Film Sichten und Vernichten: