Norbert von Hannenheim

Norbert von Hannenheim (Quelle: musica.coronensis.ro)

In der Reihe Geschichtspartikel möchten wir Ihnen heute Norbert von Hannenheim vorstellen. Er war einer der begabtesten Schüler Arnold Schönbergs und starb in Meseritz-Obrawalde, einer der weitgehend vergessenen Tötungsanstalten der „Euthanasie“-Maßnahmen im Dritten Reich.

Norbert von Hannenheim wurde am 15.5.1898 in Hermannstadt in Siebenbürgen

Sibiu/Herrmanstadt

Sibiu/Herrmanstadt

geboren und kam nach Stationen in Leipzig und Budapest im Sommersemester 1929 nach Berlin, um an Arnold Schönbergs Meisterklasse seine Musik-Studien fortzusetzen.

Norbert von Hannenheim gehörte, wie es Herbert Henck, der genaue Kenner Hannenheim’s Werk, formulierte, zu einem überwiegend lockeren Verbund junger Komponisten unterschiedlicher Prägung und Herkunft, die bei ihrem überragenden Meister Schönberg Unterricht nahmen. Schönberg unterrichtete von 1925 bis 1933 an der Preußischen Akademie der Künste. Er inspirierte Hannenheim zu mehr als 200 Werken, darunter Sinfonien, Kammermusik sowie Orgel und Klavierwerke, die allerdings alle nicht gedruckt wurden. (Hier können Sie einige Werke in der Bearbeitung von Herbert Henck hören.)

Obwohl Hannenheim teils enthusiastische Kritiken erhielt und einige seiner Werke –auch im Ausland- aufgeführt wurden, lebte er in bitterer Armut. Seine unerträgliche materielle Situation –zeitweise hatte er tagelang nichts zu essen- zwang ihn auch dazu, sich ab 1933, d.h. mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Vertreibung Schönbergs, an staatliche Institutionen wie die Reichsmusikkammer, eine Abteilung der Reichskulturkammer unter Goebbels, mit der Bitte um Unterstützung zu wenden. Er erhielt 1936 250 RM aus der „Spende Künstlerdank“, 1937 wurde seine Bitte um Unterstützung abschlägig beschieden. Hannenheim zog sich immer weiter zurück und konnte nur dank der Unterstützung enger Freunde überleben. Er versuchte sich mit der Komposition von Instrumentalwerken auf der Grundlage von Volksliedern über Wasser zu halten und konnte noch im März 1944 einen Vertrag mit dem Musikverlag P.J. Tonger in Köln abschließen. Es gibt Vermutungen, dass bei Hannenheim zu diesem Zeitpunkt bereits Anzeichen einer geistigen Verwirrung zu merken waren.

Am 6. Juli 1944 erkannte der damalige Wilmersdorfer Amtsarzt, dass Hannenheim „gemeingefährlich geisteskrank“ sei und ließ ihn in die Wittenauer Heilstätten einweisen. Von dort wurde er am 30.8.1944 vermutlich mit einem Sammeltransport Berliner Patienten in die ehemalige Heilanstalt Meseritz-Obrawalde

Meseritz-Obrawalde (Quelle: http://bit.ly/dEmGkA)

Meseritz-Obrawalde (Quelle: http://bit.ly/dEmGkA)

deportiert. Dort überlebte er die besonders im Jahr 1944 betriebene massenhafte Tötung von Patienten. Ende Januar befanden sich noch 1000 Patienten in der Anstalt, von denen zwischen dem 14. März und dem 31. Dezember 1945 364 starben. Norbert von Hannenheim war einer von ihnen. Er starb am 19. September 1945 im Alter von 47 Jahren.

Am 26.1.2010 wurden die Sterbebücher der Anstalt in Meseritz dem Landesarchiv Berlin übergeben.