Sehr geehrte Damen und Herren,

wir treffen uns heute hier am nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, um der Opfer des Mordprogramms der Nazis an behinderten Menschen zu gedenken. Die Ermordung von Men­schen, die es aus Sicht der NS-Ideolo­gie nicht mehr Wert waren zu leben, wurde ein Vernichtungs-Programm in ganz Nazi-Deutschland. Durch dieses Programm wurden über 200.000 Menschen umgebracht.

Hubert Hüppe und Robert Antretter

Hubert Hüppe und Robert Antretter

Seit dem 18. August 1939 waren durch Erlass des Reichsinnenministeriums alle Ärzte und Hebammen aufgerufen, über behinderte Neugeburten und Kinder bis zum Alter von drei Jahren (später auch Ältere) den zuständigen Gesund­heitsämtern Meldung zu erstatten. Die gemeldeten Kinder wurden in ver­schiedene psychiatrischen Anstalten geschickt, wo sie durch tödliche Medi­kamente oder Nahrungsentzug umge­bracht wurden. Allein 58.000 Kinder fielen diesem Programm zum Opfer. Auf der Grundlage von Hitlers Befehl vom Oktober 1939 wurde das Tötungsprogramm auch auf Erwachsene ausgedehnt. Zur systematischen Erfassung und Er­mordung dieser Menschen wurden 1939 vier Tarnorganisationen  einge­richtet. Das Hauptquartier war eine Villa hier in der Tiergartenstraße 4.

Die Opfer wurden in Gaskammern umgebracht, getarnt als Duschräume. Dabei wurde giftiges Kohlenmonoxid-Gas verwendet, das aus Gasflaschen in die Tötungsräume geleitet wurde. Verwandten der Opfer wurde mitgeteilt, dass sie infolge einer Krankheit (z.B. Herzschwäche) verstorben sind. Schließlich erhielten die Verwandten eine Urne, gefüllt mit einer Mischung aus Asche unterschiedlicher Opfer. Das Verfahren von Täuschung und Ver­gasung wurde damit Vorbild für die späteren Vernichtungslager der Nazis.

Am 24. August 1941 stoppte Hitler das T4-Programm offiziell. Trotzdem ging das Morden in einer zweiten Phase weiter bis 1945.

Meine Damen und Herren,

heute ist die T4-Villa verschwunden, weil neue Gebäude errichtet worden sind. Eine Gedenktafel erinnert aller­dings an die mörderische Geschichte dieses Ortes. Es ist aber an der Zeit dass eine Gedenkstätte für die Opfer der dieses Vernichtungsprogramms geschaffen wird. Noch wichtiger ist es, die Geschichte der Ermordung behinderter Menschen im Dritten Reich zu dokumentieren, damit sowohl jüngere wie auch ältere Menschen, über dieses Vernichtungsprogramm informiert werden.

Eine Informationsstätte sollte nicht nur informieren und erinnern, sondern auch zeigen, wie es dazu kommen konnte und welche Gefahren bestehen, dass so etwas wieder geschehen könnte.