Sehr geehrter Herr Hüppe, lieber Hubert,

sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben uns hier am Jahrestag der Öffnung der Konzentrationslager versammelt, um der Menschen zu gedenken, die im dritten Reich Opfer einer planvollen und systematischen Vernichtung von Kindern und Jugendlichen, Menschen mit geistiger Behinderung und psychischen Erkrankungen wurden, weil sie als „lebensunwertes Leben“ und „Ballastexistenzen“ angesehen wurden. Sie verhungerten, wurden vergiftet und in Gaskammern getötet. Noch heute spüren wir die Folgen dieser Vernichtung, denn erst jetzt haben wir alt werdende Menschen mit geistiger Behinderung, die Generationen zuvor waren ausgelöscht.

Kranzniederlegung an der Tiergartenstraße

Kranzniederlegung an der Tiergartenstraße

Mit der Gründung der Bundesvereinigung Lebenshilfe im Jahr 1958 ist der Auftrag verknüpft, ein Wächteramt auszuüben, weil nie wieder eine solche Vernichtung passieren darf. Dazu gehört auf der anderen Seite, dem Leben Raum zu geben, Menschen mit Behinderung eine Perspektive, eine Wohnung, einen Arbeitsplatz zu schaffen – und Kindern mit Behinderung eine fröhliche Zukunft.

Nun kommt von ganz anderer Seite erneut der Impuls, Leben mit Behinderung seiner

(Lebens-)Perspektive zu berauben. Moderne biomedizinische Verfahren stellen wiederum das Leben mit Behinderung in Frage und wir diskutieren anlässlich der PID darüber, ob eine Liste mit Behinderung als Maßstab für die Selektion taugt.

Dazu kann ich nur sagen, wehret den Anfängen! Erinnert Euch an die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung und ihre schrecklichen Folgen.

Um daran immer wieder zu erinnern und wider das Vergessen, wäre hier in der Tiergartenstraße 4, in der alles seinen Anfang nahm, der geeignete Ort für eine würdige Informations- und Gedenkstätte, die den vielen Menschen mit geistiger Behinderung und psychischen Erkrankungen gewidmet ist. Damit es heißen kann: Nie wieder!