Die Nachmittagssitzung begann Tanja Kipfelsperger, München, mit einem Referat zur „Konfrontation der Associationsanstalt Schönbrunn mit den nationalsozialistischen „Euthanasie“- Maßnahmen“. (Achten Sie bei dem Link mal auf die Darstellung der NS-Zeit im Vergleich mit anderen Perioden!) Sie konnte insgesamt 985 Verlegungen bzw. Entlassungen von Pfleglingen in den Jahren 1939-1945 feststellen, wobei

Kinder in Schönbrunn

Kinder in Schönbrunn

von 965 Verlegungen auszugehen ist; darunter fallen allerdings auch Mehrfachverlegungen. Die Schicksale von 40 Menschen  sind noch unklar, es ist davon auszugehen, dass 30 von ihnen überlebt haben. Aus der Anstalt haben insgesamt 311 Menschen das Kriegsende erlebt, 554 sind vor Kriegsende gestorben, von ihnen wiederum 207 durch die Aktion T4, die Anderen durch die dezentralen Euthanasiemaßnahmen. Nur acht Personen sind sich nicht durch Euthanasiemaßnahmen verstorben. In der Diskussion wurde die Kontroverse darüber aufgegriffen, dass nicht jeder Transport während der Kriegszeit ein T4-Transport war. Ausserdem wurde darauf hingewiesen, dass es herrschende Politik war, Patienten aus kirchlichen Anstalten in staatliche zu bringen -Stichwort „Entkonfessionalisierung“

Julia Koch setzte den Nachmittag mit ihrem Vortrag zur Kinderfachabteilung in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar

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Kinderbett in Eglfing

fort. Sie konnte aufgrund ihrer Auswertung von Patientenakten einige beeindruckende Aussagen über die Struktur der in Eglfing  ermordeten (und der überlebenden) Kinder treffen: Im Aktenbestand des Archivs des Bezirkes Oberbayern befinden sich Hinweise auf 397 Kinder, von denen 284 verstarben. 35 % der Kinder waren bei der Aufnahme zwischen einem und drei Jahren alt, sie kamen vor allem aus Oberbayern, aber auch aus Salzburg, Tirol und dem Saarland. Bei 34 % wurden von den Tätern Nerven- und Gemütskrankheiten in der Familie festgestellt, oft halfen die Verwandten bei den Nachforschungen. Obwohl der „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“ nur bis zum Lebensalter von 16 Jahren zuständig war, befand sich u. a. auch ein 45-jähriger in der Kinderfachabteilung. In der Diskussion wurde dies auf die vom Ausschuss gemachte Unterscheidung zwischen Lebens- und Entwicklungsakten zurück geführt, ebenfalls wurde hervorgehoben, dass der Ausschuss in der Implementierung der dezentralen eine große Rolle spielte, was sich u.a. darin ausdrückte, dass dort, wo die Kindereuthanasie durchgeführt wurde, auch andere Abteilung mit Tötungen begannen.

Der letzte Vortrag des Tages war „Leitungshandeln in der Psychiatrie im Nationalsozialismus. Eine Doppelbiographie (Dr. A. Sighart und Ludwig Trieb)“ von Petra Majer. Sie stellte ihr Dissertationsprojekt vor, in dem sie hauptsächlich darauf fokussierte, dass es im Nationalsozialismus und auch danach Streitigkeiten zwischen der ärztlichen und der Verwaltungsebene gab und sich die jeweiligen Führungskräfte gegenseitig anschwärzten.

Über das anschliessende kulturelle Programm kann ich leider nicht berichten, jedoch eine Empfehlung hinsichtlich des Jubiläumsbieres abgeben. Berichterstattung über den Sonntag folgt alsbald.