Wie der Pressedienst des Deutschen Bundestages berichtet, stimmte der Kultur- und Medienausschuss des Deutschen Bundestages (hier die Tagesordnung) gestern für die „Aufwertung des bereits bestehenden Denkmals für die Opfer der ‚Euthanasie‘-Morde sowie ihre angemessene Würdigung am historischen Standort der Planung und Organisation der ‚Aktion T 4‘“
Damit wurde der Antrag der vier Fraktionen CDU/CSU, FDP, SPD und Bündnis90/Die Grünen beschlossen. (Wir berichteten hier.) Der Abänderungsantrag der Linksfraktion, direkt an der Tiergartenstraße nicht nur einen Gedenkort, sondern auch einen Ort der Information einzurichten, hatte keine Chance. Nur die Linke selbst stimmte dafür, die Grünen enthielten sich.
So weit, so gut. Die Argumentation für einen reinen Gedenkort war teilweise etwas weit herbeigeholt. Ein Redner der SPD wird vom Pressedienst mit der Aussage zitiert, dass es bereits genug Informationsorte gäbe Er sagte auch: “Inflation entwertet immer”, womit er wohl meinte, es gäbe bereits genug Möglichkeiten, sich über die Verbrechen des NS in Berlin zu informieren. Damit hat er sicher nicht ganz unrecht. Nur: Wo er die Informationsflut über die NS-”Euthanasie” gesehen haben will, bleibt rätselhaft. Sicher, es gibt in der Topographie des Terrors einen sehr gut gestalteten Bereich über die Aktion T4. Aber es ist eben nur eine Informationstafel unter vielen, die dort behandelt werden. Um sich wirklich eingehend zu informieren, muss man fast bis an das Ende der Stadt fahren. Erst weit im Norden, in der ehemaligen Karl-Bonhoeffer Nervenklinik in Wittenau, findet sich die exzellente Ausstellung “totgeschwiegen“. Diese informiert aber auch bei weitem nicht über alle Teilbereiche der NS-”Euthanasie”.
Der Redner der CDU/CSU forderte immerhin, einen zukünftigen Informationsort in die Topographie des Terrors zu integrieren. Angesichts der dortigen Platzverhältnisse könnte aber auch diese Lösung höchstens für ein, zwei zusätzliche Informationstafeln sorgen, will man der Topographie nicht die Möglichkeit nehmen, etwa Wechselausstellungen zu veranstalten.
Sehr erfreulich immerhin, dass der Redner der Grünen von einem “Ort von nationaler Bedeutung” sprach. Wir dürfen gespannt sein, wie schwer die Bedeutung wiegen wird, wenn es in Zukunft darauf ankommt, Gelder bereitzustellen. Hoffen wir auch, dass genügend intellektuelle Energie bereitstehen wird, um den gordischen Knoten zu lösen, an einem eindeutigen Ort der Täter den Opfern der NS-”Euthanasie” ein würdiges Gedenken zu bereiten. Zumal es ja bereits an den authentischen Orten der Verbrechen Gedenkstätten gibt, die, alles andere als ausfinanziert, hervorragende Bildungs- und Vermittlungsarbeit leisten.








1 Kommentar
Pressemitteilung des Bundesbehindertenbeauftragten:
“Verbrechen der Nazis an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen niemals vergessen – Antrag für Erinnerung und Information im Kulturausschuss beschlossen
“Der Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages hat mit seine Unterstützung für einen fraktionsübergreifenden Antrag zum Verbrechen der Nazis an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen ein wichtiges Signal gegen das Vergessen gesetzt“, so der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe. Er verwies darauf, dass während der Zeit der Nazi-Diktatur hunderttausende Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in ganz Europa systematisch erfasst, für medizinische Versuche missbraucht, zwangssterilisiert und ermordet wurden. „Sie waren die ersten Opfer des Gewaltregimes der Nationalsozialisten. Wegbereiter des Terrors gegen behinderte und psychisch erkrankte Menschen war ein Gedankengut, das zwischen lebensunwerten und lebenswerten Menschen unterschied“, betonte Hubert Hüppe und verwies auf eine Unterstützung der Eugenik in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, die sich weit vor dem Beginn der Nazi-Diktatur in Deutschland verbreitete. Der beschlossene Antrag greife diesen Aspekt auf, indem er neben einem würdigen zentralen Ort der Erinnerung in der Tiergartenstraße 4 in Berlin fordere, über die Nazi-Verbrechen zu informieren und bestehende Defizite in der Aufarbeitung und Erforschung des Unrechts öffentlich aufzugreifen, erläuterte der Behindertenbeauftragte. „Jetzt kommt es darauf an, den Antrag zusammen mit den Betroffenen und ihren Verbänden in diesem Sinne umzusetzen und der Information neben dem Gedenken breiten Raum zu verschaffen“, verdeutlichte Hubert Hüppe.”
*erforderlich