Wie der Pressedienst des Deutschen Bundestages berichtet, stimmte der Kultur- und Medienausschuss des Deutschen Bundestages (hier die Tagesordnung) gestern für die „Aufwertung des bereits bestehenden Denkmals für die Opfer der ‚Euthanasie‘-Morde sowie ihre angemessene Würdigung am historischen Standort der Planung und Organisation der ‚Aktion T 4‘“

Grundrissüberlagerungen T4 Villa und Philharmonie (Simulation Andreas Knitz)

Grundrissüberlagerungen T4 Villa und Philharmonie (Simulation Andreas Knitz)

Damit wurde der Antrag der vier Fraktionen CDU/CSU, FDP, SPD und Bündnis90/Die Grünen beschlossen. (Wir berichteten hier.) Der Abänderungsantrag der Linksfraktion, direkt an der Tiergartenstraße nicht nur einen Gedenkort, sondern auch einen Ort der Information einzurichten, hatte keine Chance. Nur die Linke selbst stimmte dafür, die Grünen enthielten sich.

So weit, so gut. Die Argumentation für einen reinen Gedenkort war teilweise  etwas weit herbeigeholt. Ein Redner der SPD wird vom Pressedienst mit der Aussage zitiert, dass es bereits genug Informationsorte gäbe Er sagte auch: „Inflation entwertet immer“, womit er wohl meinte, es gäbe bereits genug Möglichkeiten, sich über die Verbrechen des NS in Berlin zu informieren. Damit hat er sicher nicht ganz unrecht. Nur: Wo er die Informationsflut über die NS-„Euthanasie“ gesehen haben will, bleibt rätselhaft. Sicher, es gibt in der Topographie des Terrors einen sehr gut gestalteten Bereich über die Aktion T4. Aber es ist eben nur eine Informationstafel unter vielen, die dort behandelt werden. Um sich wirklich eingehend zu informieren, muss man fast bis an das Ende der Stadt fahren. Erst weit im Norden, in der ehemaligen Karl-Bonhoeffer Nervenklinik in Wittenau, findet sich die exzellente Ausstellung „totgeschwiegen„. Diese informiert aber auch bei weitem nicht über alle Teilbereiche der NS-„Euthanasie“.

Der Redner der CDU/CSU forderte immerhin, einen zukünftigen Informationsort in die Topographie des Terrors zu integrieren. Angesichts der dortigen Platzverhältnisse könnte aber auch diese Lösung höchstens für ein, zwei zusätzliche Informationstafeln sorgen, will man der Topographie nicht die Möglichkeit nehmen, etwa Wechselausstellungen zu veranstalten.

Sehr erfreulich immerhin, dass der Redner der Grünen von einem „Ort von nationaler Bedeutung“ sprach. Wir dürfen gespannt sein, wie schwer die Bedeutung wiegen wird, wenn es in Zukunft darauf ankommt, Gelder bereitzustellen. Hoffen wir auch, dass genügend intellektuelle Energie bereitstehen wird, um den gordischen Knoten zu lösen, an einem eindeutigen Ort der Täter den Opfern der NS-„Euthanasie“ ein würdiges Gedenken zu bereiten. Zumal es ja bereits an den authentischen Orten der Verbrechen Gedenkstätten gibt, die, alles andere als ausfinanziert, hervorragende Bildungs- und Vermittlungsarbeit leisten.