Am 21. April 2012 wurde im Fort VII in Poznań ein neuer, permanenter Ausstellungsbereich zu den Patientenmorden im Jahr 1939 eröffnet.

Der Direktor des Muzeum Wielkopolskie, Herr Lech Dynarski übergab die neue Ausstellung der Öffentlichkeit. Das Konzept wurde durch den Kurator der Ausstellung, Herrn Przemyslaw Jurkiewicz vorgestellt. Die ideologischen Hintergründe des Rassenwahns und der Diskussion um das „lebensunwerte Leben“ werden beispielhaft dokumentiert. Die Ausstellung versucht außerdem, mit einigen Exponaten die Lebenssituation in den psychiatrischen Anstalten deutlich zu machen. Am Ort der ersten Vergasungen von Patienten wird die dort erprobte Vernichtungstechnik auch durch Exponate sichtbar gemacht.

Gaskammer im Fort VII in Posen

Gaskammer im Fort VII in Posen. Quelle: Wikipedia

Herr Artur Hojan – Association T 4 – erläuterte den historischen Hintergrund der „Euthanasie-Aktionen“ im Warthegau. Bereits unmittelbar nach dem Einmarsch der Wehrmacht wurde Fort VII dem „Sonderkommando Lange“ unterstellt.

Herbert Lange Quelle: holocaustresearchproject.org

Herbert Lange Quelle: holocaustresearchproject.org

Kriminalkommissar Herbert Lange und sein Kommando richteten in der „Kasematte 17“ des Forts VII eine erste provisorische Gaskammer ein. Technische Hilfe wurde vom „kriminaltechnischen Institut der Sicherheitspolizei“ geleistet. Bereits Anfang Oktober 1939 wurde hier mit der Vergasung von Patienten aus Pflegeanstalten im Warthegau begonnen. Diese Patientenmorde – noch vor der Aktion T4! – wurden von Gauleiter Artur Greiser initiiert und mit der Zustimmung von Himmler durchgeführt.

Die Ausstellung dokumentiert die weithin unbekannten Vergasungen von Patienten zu einem sehr frühen Zeitpunkt. In der Genese zum Holocaust spielt Fort VII in Poznań eine bedeutende Rolle, die nun auch am Ort der ersten Gas-Morde dokumentiert ist.

Text: Reinald Purmann