Die Aufmerksamkeit rund um das Buch von Sigrid Falkenstein „Annas Spuren“ (Wir berichteten) zieht immer weitere Kreise, der Verlag berichtet von einem stärker als üblichen Medieninteresse. Neben dem Artikel im Spiegel wird am Sonntag nächster Woche ein Interview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erscheinen.

Darüber gerät ein wenig in Vergessenheit, dass „Annas Spuren“ keineswegs die erste Biographie eines Opfers der nationalsozialistischen „Euthanasie“ ist, die in Buchform erschien. Unter den Autoren sind auch einige, die die von ihnen erarbeiteten Biografien gedenkort-t4.eu zur Verfügung  stellten

Collage der Buchtitel

Collage der Buchtitel

So schrieb Lydia Kron-Treu in ihrem Buch „Menschen im Ries“ auch über Wilhelm Böllmann, der ganz kurz vor Kriegsende in der Anstalt Kaufbeuren an den Folgen der Hungerkost starb.

 

Daniela Martin schrieb mit „… die Blumen haben fein geschmeckt“ die Geschichte ihrer Urgroßmutter Anna Lorenz auf, die in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein vergast wurde. Sie betreut auf gedenkort-t4.eu das Angehörigenforum.

 

Regine Sondermann beleuchtet in  „Kunst ohne Kompromiss“ das Leben der Malerin Elfriede Lohse-Wächter, einer der bedeutendsten Künstlerinnen des Expressionismus. Sie wurde als unheilbar schizophren diagnostiziert -im Nationalsozialismus oft genug ein Todesurteil.

 

Robert Domes bekam für seine Geschichte des jenischen Waisenkindes Ernst Lossa unter anderem den prestigeträchtigen Marion-Samuel-Preis zuerkannt. Er rekonstruierte in „Nebel im August“ das Schicksal eines als „asozialen Psychopathen“ abgestempelten Jungen, der in der Anstalt Kaufbeuren umgebracht wurde. Dazu gibt es auch Unterrichtsmaterial.

 

Melitta Breznik stellte in „Das Umstellformat“ das Leben und den Tod ihrer Großmutter Bertha Johanna Schulz dar, die in der Psychiatrie der NS-„Euthanasie“ zum Opfer fiel. Sie schrieb kürzlich einen viel beachteten Artikel, den sie gedenkort auch hier zur Verfügung stellte.

 

Kerstin Schneider recherchierte in „Maries Akte“ die Geschichte zweier Frauen aus Phillipsdorf in Böhmen: Eine galt als „Böhmische Heilige“, Lina Marie Schöbel, die Großtante der Autorin, wurde hingegen in der Anstalt Großschweidnitz ermordet.

 

Bernhard Selting fand als Rentner die Zeit, sich mit seiner Familiengeschichte auseinander zu setzen. Er gab das Buch „Betriebsausflug in die Gaskammer“ heraus, in dem er sich mit dem Schicksal seines Onkels Peter Verhaelen auseinander setzte. Auf der Tagung des Arbeitskreises zur Erforschung der NS-Geschichte und Zwangssterilisationen in Mönchengladbach präsentierte er seine Ergebnisse.

 

Marks Krischer ging in „Kinderhaus“ den Spuren von Edith Hecht nach, die als Kind in der Anstalt Ecksberg ermordet wurde. Involviert in den Fall war der spätere Präsiden der Bundesärztekammer, Hans Joachim Sewering.