Margret Hamm eröffnete den zweiten Tag mit einem Vortrag zum Kampf von Zwangssterilisierten und „Euthanasie“-Geschädigte  Anerkennung und Entschädigung. Dabei konstatierte sie eine fehlende Bereitschaft der politisch Verantwortlichen, für eine Anerkennung der Opfer als rassisch Verfolgte zu sorgen. Die im Jahr 2011 vom Bundestag beschlossenen Verbesserungen bei der Entschädigung seien durch eine sehr restriktive behördliche Praxis entwertet.

 

Anne Christin Plate moderierte im Anschluss die Preisverleihung des Schülerwettbewerbs „andersartig gedenken“. Dabei setzten sich die Schüler mit dem Thema NS-„Euthanasie“ auseinander und waren aufgefordert, Ideen für ein Denkmal zu entwickeln. Eine hochkarätig besetzte Jury (u.a. mit Stefanie Endlich und Andreas Knitz, einer der beiden Gestalter des Denkamals der Grauen Busse) wählte insgesamt fünf Preisträger aus, die vom Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, mit Geldpreisen prämiert wurden. Eine Übersicht über die eingereichten und prämierten Ideen findet sich hier, ein Interview mit der Jurorin Stefanie Endlich hier.

 

Ralf Sroka gab nach der Mittagspause einen Überblick über die Ausschreibung zum Wettbewerb für den Gedenk- und Informationsort Tiergartenstraße 4. Er betonte die Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion des Grundstückes, das mittlerweile komplett von der Berliner Philharmonie und einer Bushaltestelle überformt wurde. Bei den Recherchen gelang es, bisher unbekannte bzw. wieder vergessene Fotos der Villa aufzuspüren, von der aus der NS-Krankenmord zum großen Teil gesteuert wurde.

 

Ursula Wilms präsentierte dann den von ihr selbst sowie von Nikolaus Koliusis und Heinz W. Hallmann  konzipierten Siegerentwurf. Mehr dazu hier

 

Nach der Mittagspause stellte der Verfasser dieser Zeilen Überlegungen dazu vor, wie soziale Medien und die zunehmende Digitalisierung von Daten von Opfern der NS-„Euthanasie“ Praktiken des Gedenken verändern. Ich kam dabei zum Schluss, dass die Gedenkstätten in Deutschland im Vergleich mit ähnlichen Institutionen im Ausland, v.a. in Polen und den USA im Hintertreffen sind, was die Zugänglichkeit zu Daten betrifft. Eine aufgeworfene Frage war, ob und wie lange sich Gedenkstätten noch dem offenen Zugang zu Sterbebüchern versperren können.

 

Bernhard Selting brachte dann die Perspektive von Angehörigen ein, in dem er über das Leben seines Onkels Paul Verhalen sprach, der in Brandenburg/Havel ermordet wurde. Eine detaillierte Recherche erlaubte einen ebenso faszinierenden wie bedrückenden Bericht, der auch bereits in Buchform erschienen ist. Er führte noch einmal vor Augen, aus was für einem breiten Spektrum die Opfer des NS-Krankenmordes kamen.

 

Ilja Seifert führte in einem kurzen Statement aus, dass es trotz der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention teilweise immer noch Probleme mit der barrierefreien Zugänglichkeit von Gedenkstätte gäbe. Er nannte einige Probelmfälle in Deutschland, wo vor allem immer wieder ausfallende Liftanlagen und fehlende Rampem Menschen im Rollstuhl behindern, verwies aber auch auf kleine Erfolge wie dem barrierefreien Umbau einer Gedenkstätte in Belarus.

Uta George führte den Gedanken der Barrierefreiheit an Gedenkstätten dann fort und referierte über die Bildungsarbeit an NS-„Euthanasie“-Gedenkstätte für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Mittleweile gäbe es Angebote für diese Zielgruppe, etwa Kataloge in Leichter Sprache oder Seminare und Workshops. Sie betonte, dass sich der pädagogische Blick ändern müsse, ansonsten führe die Arbeit nicht zu Empowerment, sondern zu einer Bestätigung des Status Quo.

 

Jana Hoeftmann und Enrico Schaffrath sprachen über ihre Arbeit an den Wettbewerbsunterlagen für den Gedenk- und Informationsort Tiergartenstraße 4, die in der „Übersetzung“ in Leichte Sprache bestand. Dabei führten maximal 3 Textebenen zu einem reduzierten Gesamtumfang mit 36 Seiten. Individuelle Handzeichnungen ergänzten das Angebot (siehe hier). Kurze Sätze, einfacher Satzbau, die Verwendung der aktiven Zeitform und  direkte Ansprache seien essentiell wichtig.

 

Mark Zaurov und Helmut Vogel stellten zum Abschluss die Gebärdensprachvideos auf www.gedenkort-t4.eu vor. Es handle sich um die ersten Gebärdensprachfilme, die zum Thema NS-„Euthanasie“ informierten. Die Übersetzung sei wie in jede andere Fremdsprache zu leisten, wobei explizit erwünscht war, das wissenschaftliche Niveau des Textes auch in der Übersetzung zu verwenden. Hier der Link: http://gedenkort-t4.eu/de-sg/vergangenheit/aktion-t4.