Gerrit Hohendorf sprach zu Beginn des dritten Tages über die Patientenmorde in der besetzten Sowjetunion und gab einen Einblick in ein lange unbeachtet gebliebenes Kapitel des Vernichtungskrieges im Osten. Besonders von Interesse waren die Ausführungen zu den Bemühungen um ein Gedenken im belarussischen Mogilev. Auch in der Diskussion wurde deutlich, dass niemand einen Überblick über die Vernichtungsaktionen selbst und das Gedenken daran hat -ein echtes Desiderat der Forschung!

 

Marcin Pryt lieferte dann mit seinem Bericht zu den Versuchen, in Lodz der Opfer der Krankenmorde im psychiatrischen Krankenhaus Kochanowka zu gedenken, einen heimlichen Höhepunkt der Konferenz ab. Nicht nur die unkonventionelle Herangehensweise bei der Spendensammlung für eine Gedenktafel (u.a. in Technoclubs und auf Punkkonzerten), sondern auch die Akribie, mit der die Mitglieder des Lodzer Künstlerkollektivs „Kosmopolitania“noch unerschlossene Aktenbestände bearbeiteten, beeindruckten. Nach der Überwindung vieler Hindernisse, darunter die totale Ignoranz der Lodzer scientific community  und der Politik, wird die Gedenktafel wohl im März diesen Jahres eingeweiht werden. Ein detaillierter Beitrag zu diesem ersten bürgerschaftlichen Gedenken in Polen überhaupt folgt in den nächsten Tagen

 

Im abschliessenden Panel diskutierten Robert ParzerStefanie Endlich und Michal Simunek über verschiedene Akzentuierungen des Begriffes der europäischen Perspektive des Gedenkens. Deutlich wurde, dass es zwar momentan eine Art Konjuktur des Themas NS-„Euthanasie“ gibt, aber einerseits noch immer zu wenig Forschung für einzelne Regionen und Länder (z.B. Südosteuropa) betrieben wird, andererseits die vorhandene Forschung allzu oft unverbunden nebeneinander steht und keine Übersetzungen angefertigt werden.

Im Anschluss an die Tagung fand die offizielle Gedenkfeier des Bundesbehindertenbeauftragten statt. Die Beiträge der Konferenz wurden mit geschnitten. In den nächsten Tagen werde ich die Videos und Audiofiles hochladen.