Hermann Erich Bauer. Quelle: www.deathcamps.org

Hermann Erich Bauer, T4-Fahrer und SS-Mann in Sobibor. Quelle: www.deathcamps.org

Unter der Leitung des jüdischen Rotarmisten Sascha Pechersky und des polnischen Häftlings Leon Feldhendler erschlugen heute vor 70 Jahren Häftlinge des Vernichtungslagers Sobibor ungefähr ein Dutzend SS-Männer. Mehreren hundert Gefangenen gelang die Flucht in die umliegenden Wälder; nur ca. 50 konnten sich jedoch bis zum Ende des Krieges retten.

 

Frappierend -und wenig bekannt- ist die  Tatsache, dass fast alle der getöteten SS-Männer vor ihrem Aufenthalt in Sobibor in einer der NS-„Euthanasie“-Tötungsanstalten bei der Ermordung von ca. 70.000 geistig Behinderten und psychisch kranken Menschen mitmachten. Nach dem vorgeblichen Ende der Aktion T4 im August 1941 durch eine Weisung Hitlers, der damit die  Unruhe in der Bevölkerung, die unter anderem durch die Predigten des Kardinals von Galen aufkam, unterdrücken wollte, wurde ein großer Teil der Täter in die Vernichtungslager im besetzten Polen geschickt. Dabei konnten die Verantwortlichen davon ausgehen, dass die Männer bereits durch ihre Kenntnisse in der Organisation eines Massenmordes geeignet sein würden, auch in den Vernichtungslagern völlig Wehrlose in Gaskammern zu treiben.

 

Wer in der Aktion nicht direkt mit dem Massenmord zu tun hatte, konnte sich aber offenbar trotzdem ohne weitere Probleme in die Realitäten des bestialischen Mordens einfügen: Franz Rum, der seine Tätigkeit in der Kopierstelle der  Berliner T4-Zentrale wegen der giftigen Dämpfe nicht mehr aushielt, wechselte über eine Zwischenstation ins Vernichtungslager Treblinka.

 

Ernst Klee schrieb über ihn:

Die ehemaligen Euthanasiegehilfen sind völlig verroht. Franz Rum, der in der T4-Zentrale die Meldebogen fotokopiert hatte, die Dämpfe der Kopieranlage aber nicht vertrug, treibt nun Juden mit der Peitsche in die Gaskammer.“

 

Eine wissenschaftliche Analyse der Täter, etwa in Form des Versuchs einer Kollektivbiographie, fehlt fast völlig. So bleibt es der von Amateurhistorikern betriebenen Seite www.deathcamps.org überlassen, biographische Fragmente zu präsentieren. Auch ansonsten bietet das Netz einige ganz hervorragende Quellen an. www.sobiborinterviews.nl beinhaltet hunderte Stunden an Interviews, die der Überlebende Jules Schelvis führte. Unter anderem spricht dort der Überlebende Chaskiel Menche über Hubert Gomerski, der von Hartheim nach Sobibor kam. (Hier seine Biografie). Die Seite www.longshadowofsobibor.com beinhaltet ebenfalls Interviews mit Sobibor-Überlebenden, die man noch nach Bezügen zur NS-Euthanasie durcharbeiten müsste. Der Überlebende Thomas Blatt bietet auf www.sobibor.info eine Vielzahl an Informationen an.

 

Auch die deutsche Wikipedia bietet einige Artikel:

 

Fritz Konrad war Transportbegleiter in Pirna-Sonnenstein und Grafeneck.

Josef Vallaster war Krematoriumsarbeiter in Hartheim.

Friedrich Gaulstich arbeitete in der Zentrale der Aktion T4 in Berlin.

Ernst Stengelin war in Grafeneck und Hadamar.

Rudolf Beckmann verbrannte Leichen in Grafeneck und Hadamar.

Thomas Steffl war in der Fotostelle der Zentrale der Aktion T4 beschäftigt.

Siegfried Graetschus war Leichenverbrenner gleich in drei Tötungsanstalten: In Grafeneck, Brandenburg und Bernburg.

Johann Niemann war Krematoriumsarbeiter in Bernburg.