Heute war eine Gruppe um die Bucher Medizinhistorikerin Hannelore Dege in Międzyrzecz-Obrzyce, dem ehemaligen Meseritz-Obrawalde. Dort befindet sich seit 1904 eine der größten preußischen Heil- und Pflegeanstalten. 1942 wurde sie in eine Mordanstalt umgewandelt, in der ungefähr 13.000 Menschen, meistens Deutsche aus Berlin, Hamburg, Schleswig und dem Rheinland durch tödliche Injektion, Zwangsarbeit und Hunger ums Leben kamen. Doch es soll in diesem Beitrag nicht primär um die Geschichte gehen. (ein halbwegs informativer Artikel mit vielen Fotos hier)

 

Was die Teilnehmer der Gedenkstättenfahrt vorfanden, war eine Einrichtung, die mit der Geschichte der nationalsozialistischen Krankenmorde auf sich alleine gestellt ist. Ohne jede finanzielle Unterstützung von deutscher Seite versucht man, der Opfer würdig zu gedenken, Angehörige und andere Besucher zu betreuen, den enormen Anstaltsfriedhof zu pflegen und eine seit 1965 unverändert gebliebene Ausstellung zur Geschichte des Krankenmordes vor Ort zu erhalten. Dies alles wohlgemerkt neben dem laufenden Krankenhausbetrieb. Vor einigen Jahren scheiterte ein 1,5 Millionen schwerer EU-Antrag, der die Einrichtung eines Museums mit einer zeitgemäßen Ausstellung zum Ziel hatte, daran, dass das Klinikum nicht die erforderlichen Eigenmittel aufbringen konnte. Bei einem Schuldenstand von 30 Millionen Złoty konnte die Verwaltung schlichtweg nichts machen.

 

Von deutscher Seite fand sich niemand, der hier ausgeholfen hätte -obwohl man so eine polnische Einrichtung zwingt, für die Erinnerung an deutsche Verbrechen erkleckliche Summen auszugeben. Dies muss sich dringend ändern. Wenn im September diesen Jahres der neue nationale Gedenk- und Informationsort NS-„Euthanasie“ an der Berliner Tiergartenstraße eröffnet wird, darf dies nicht bedeuten, dass man sich dann beglückwünscht und dieses Kapitel abschließt.

 

Der Besuch in Meseritz regte die Teilnehmer dazu an, sich in nächster Zeit wieder zu treffen, um Wege zu finden, das Krankenhaus in Międzyrzecz bei seiner Erinnerungsarbeit zu unterstützen. Im Folgenden sollen einige Fotos einen Einblick in die aktuelle Situation geben. Insbesondere die Ausstellung dürfte für Museumsleute aus dem Grund interessant sein, dass sie europaweit die letzte ist, die sich noch aus der Zeit des Kalten Krieges in die Gegenwart gerettet hat und einen Einblick nicht nur in die Geschichte des Krankenmordes ermöglicht, sondern auch in die Intentionen der Macher: Es ging um den maximalen Beschämungseffekt des Gegners -hier die BRD.