In den USA wurden bis weit in die 1980er Jahre hinein etwa 60.000 Menschen zwangsweise sterilisiert, die meisten von ihnen waren als psychisch krank oder geistig behindert eingestuft worden. Obwohl nach dem Zweiten Weltkrieg  die deutschen „Euthanasie“-Verbrechen in den USA bekannt waren, weiteten manche Staaten ihre Sterilisationsgesetze noch aus.

Copyright Lutz Kaelber. Die Grafik zeigt die Rate von Sterilisationen pro Hunderttausend.

Copyright Lutz Kaelber. Die Grafik zeigt die Rate von Sterilisationen pro Hunderttausend.

Nun bezahlt North Carolina den Opfern auf Antrag Entschädigungen. Der US-amerikanische Bundesstaat stellt 10 Millionen Dollar bereit und erreicht doch nur einen Teil der Opfer der  eugenisch begründeten medizinischen Eingriffe. NPR schildert in einem aktuellen Bericht (englisch, auch Audio) einen Fall einer Frau, die als 14-jährige einem Begutachtungsverfahren zum Opfer fiel und deren Akten auch erhalten sind. Allerdings scheinen es die falschen Behörden gewesen zu sein, die die Akten produziert hatten. Entschädigung wird nämlich nur bezahlt, wenn eine staatliche Behörde ihre Zustimmung gegeben hatte. Dies scheint im Fall der heute 72-jährigen Debra Blackmon nicht der Fall gewesen zu sein. Damit wird sie keinen Scheck über 20.000 $ erhalten.

 

Wem dies als Ausgeburt einer verworrenen Bürokratie oder als schlichten Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen, erscheint, der sei darauf verwiesen, dass die Gesetzeslage in Deutschland noch um einiger absurder ist. Die Homepage der AG Bund der Euthanasiegeschädigten und Zwangssterilierten gibt darüber detailliert Auskunft.

 

Dem an der Uni Vermont lehrenden Lutz Kaelber ist zu danken, dass er das Thema der eugenischen Sterilisationen in den USA mit seinen Sudent_innen aufarbeitet und die Ergebnisse online zur Verfügung stellt. Eine ähnliche Offenheit wäre auch der deutschen Forschung anzuempfehlen…

 

Dank an https://twitter.com/C_G_S fürs Aufmerksammachen.