Sehr schnelle Schnitte, Videospielästhetik, ein fortlaufendes, irrwitziges Wechselspiel von historischen und aktuellen Aufnahmen von Personen, Dingen und Orten, mehr gehauchte als gesprochene Kommentare – nicht unbedingt Stilmittel, die man in einer filmischen Auseinandersetzung mit einem Kapitel der NS-Geschichte erwarten würde. Noch dazu ist es ein besonders düsteres Kapitel:

Der Titel des Kurzfilmes „Lange’s Kaffee-Geschäft“ spielt auf die Verzahnung von Krankenmorden und Judenvernichtung im besetzten Polen an. Ein Gaswagen -also eine mobile Gaskammer– wurde von einem kleinen Sonderkommando unter der Leitung des Polizisten Herbert Lange eingesetzt, um  psychiatrische Patienten zu ermorden. Viele Zeugen erinnerten sich daran, dass die Aufschrift „Kaisers Kaffee-Geschäft“ auf dem Gaswagen angebracht war.  Später wurde dieser Wagen im ersten NS-Vernichtungslager Kulmhof in der Nähe von Łódż eingesetzt.

 

Langes Kaffeegeschäft (c) Substantial Truth Filmmakers Shirly & Yaniv Schwartz

Langes Kaffeegeschäft (c) Substantial Truth Filmmakers Shirly & Yaniv Schwartz

Die Regisseure des Kurzfilmes sind Yaniv und Shirley Schwartz, israelische Filmemacher. Zu ihrer Motivation, einen solchen Film zu machen, sagen sie selbst:

My wife and I try to produce each year, at our expense and without any profit, a film about the events of the Holocaust.It’s part of the education we want to give our children. It is part of the knowledge that we want to expose and share with others.
Two years ago we produced a short film about the last letters written by victims of the Holocaust just before they were killed. About Lange’s Kaffe Geschaft – that started because of a movie I watched telling the story of Franz Stangl. Following the film, I began to explore the issue of the death castels…. We wanted to produce something different. Something more cinematic style. Although we have no budget we tried to create that kind of atmosphere and we hope that we managed to get the message across. The „interrogation“ (at the film) emphasizes the „Aktion T4“ as the „trailer“ for the Final solution which is knowledge that we want to expose and share.

Bis jetzt sind ein Trailer und ein kurzer Ausschnitt  veröffentlicht worden. Man darf gespannt sein, wie der fertige Film aussieht. Gefallen wird er sicher nicht allen. Wir haben es vielmehr mit einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit einem weitgehend unbekannten Kapitel des Holocaust und des NS-Krankenmordes zu tun, die sich bewusst ausserhalb der filmischen und bis zur Übersättigung ausgereizten Konventionen a la Guido Knopp stellt.