Kaum ein Begriff hat sich in Forschung und Gedenkkultur zum systematischen Mord an Menschen mit seelischen und körperlichen Einschränkungen während der Zeit des NS derart verselbständigt wie jener der „Grauen Busse“.

 

Dies, da viele Opfer der „Aktion T4“ mit Omnibussen1)Der Transport erfolgte keineswegs nur mit Bussen, sondern auch mit Zügen der Reichsbahn. Zunächst sollten die Opfer prioritär mit der Reichsbahn zu den Orten der Vernichtung verbracht werden, was sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht realisieren ließ. Dazu: Vernehmung Richard von Hegener im Heyde-Prozess HHStaWi Abt. 631a Nr.405 (alt: Ks66) Bl. 10. der Reichspost in die sechs, im Deutschen Reich eingerichteten Tötungsanstalten verbracht wurden. Die Busse der Reichspost und Kraftpost waren jedoch seit dem Jahr 1933 rot und nicht grau. Es waren Maßnahmen des Luftschutzes, die dazu führten, dass sämtliche Omnibusse im staatlichen Überlandverkehr mit einem grün-grauen Tarnanstrich versehen wurden. Darunter auch die von der Reichspost zum Zwecke des Krankentransports zur Verfügung gestellten Fahrzeuge.

 

Aufnahme von Pfarrer Alois Dangelmaier vom 2. 10.1940. Die Feststellung der Identität der Opfer durch das „Pflegepersonal“ ist auf dem Foto ebenso erkennbar wie die bürokratische Abwicklung der Transporte. Auffälliger Weise gibt es die gleiche Aufnahme häufig in der  Farbgebung schwarz/weiß, ohne dass Bezug auf die Farbaufnahme genommen wird.  Quelle: Archiv der Stiftung Liebenau

Aufnahme von Pfarrer Alois Dangelmaier vom 2. 10.1940. Die Feststellung der Identität der Opfer durch das „Pflegepersonal“ ist auf dem Foto ebenso erkennbar wie die bürokratische Abwicklung der Transporte. Auffälliger Weise gibt es die gleiche Aufnahme häufig in der Farbgebung schwarz/weiß, ohne dass Bezug auf die Farbaufnahme genommen wird. Quelle: Archiv der Stiftung Liebenau

 

In der öffentlichen Wahrnehmung sowie der Gedenkkultur ist eine nahtlose gedankliche Verbindung entstanden, die Farbgebung der vermeintlich „Grauen Busse“ in den (naheliegenden) semantischen Kontext der von Seiten der Täter unternommenen Verschleierung und Geheimhaltung der Mordtaten zu stellen. Dieser assoziative Konnex ist jedoch falsch. Die Tarnung durch den grün-grauen Anstrich hatte einzig das Ziel, Fahrzeuge und die als Begleitung eingesetzten Täter vor Luftangriffen der Alliierten zu schützen. Der in der Reichskanzlei als Materialbeschaffer für die „T4“ tätige Richard von Hegener 2) Richard von Hegener, (1905 -1981) war im Jahr 1932 Mitglied der NSDAP geworden. In der Reichkanzlei war er u.a. für die Beschaffung der Medikamente und des Gases zur Ermordung Kranker sowie für die „Kinderfachabteilungen“ zuständig. Hegener wurde im Jahr 1952 zu lebenslänglicher Haftstrafe verurteilt und 1956 entlassen. Klee, Ernst. Das Personenlexikon zum Dritten Reich 3. Aufl. 2011 S. 237. äußert sich hierzu am 9. Mai 1960 im Heyde-Prozess und erklärt, warum die Organisatoren vom ursprünglichen Plan der Nutzung des Reichsbahnverkehrs als Transportmittel absahen und weswegen die Wahl auf die im Straßenbild der 30er Jahre allseits bekannten Omnibusse fiel:

„Da es … Schwierigkeiten wegen des Eisenbahnpersonals und in der Zurverfügungstellung von Wagen, wie auch beim Umsteigen, gab“ wurde beschlossen, „die kurzen“ Fahrten „zu den Zwischenanstalten mit Omnibussen durchzuführen. Die Bereitstellung der Omnibusse durch die Post habe ich erwirkt, weil ich gute Beziehungen zum Postminister 3)Karl Wilhelm Ohnesorge (1872-1962) vgl. http://www.deutsche.biographie.de/sfz73283.html hatte. Die Omnibusse wurden äußerlich zunächst nicht mit einem Tarnanstrich versehen. Sie wurden vielmehr mit dem roten Außenanstrich und der RP-Nummer benutzt; erst nach der Hälfte der Aktion wurden sie – ebenso wie die Reichspostomnibusse – mit dem grauen Tarnanstrich (Luftschutz) versehen. Es hätte ja gar nicht in unserem Sinne gelegen, diese Omnibusse für ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit besonders kenntlich zu machen und herauszustellen.“4)Aussage Richard von Hegener am 9. Ai 1960 im Prozess gegen Werner Heyde HHStaWi Abt. 631a 405/a (alt: Ks/66) S. 10.

 

Die Verschleierung der Mordtaten erfolgte also dadurch, dass sich die zum Transport der Opfer eingesetzten Fahrzeuge nahtlos in das öffentliche Erscheinungsbild der damaligen Fahrzeugflotte der Reichspost bzw. des Kraftpostverkehrs einfügten. Demnach handelte es sich um eine umgekehrte Form der „Tarnung“ durch explizite, geradezu erwünschte Unauffälligkeit im Straßenbild.
Die Zuschreibung „Graue Busse“ als gegenwärtiger sprachlicher Code für die der Reichspost zugehörigen Transportfahrzeuge der „Aktion T4“ ruft Assoziationen des Fremden, Unbekannten, vielleicht auch Furchteinflößenden hervor und bewirkt somit die Kappung der Verbindungslinien von den damals Verantwortlichen zu den heute noch bestehenden Nachfolgeinstitutionen.
Im heutigen öffentlichen Nahverkehr gibt es keine grauen Busse mehr, der Anlass für die Umfärbung ist weggefallen. Somit besteht die Gefahr, dass die Gegenwärtigkeit der noch vielerorts nicht aufgearbeiteten „Euthanasie“ – Morde in einen künstlichen Erinnerungsraum verschoben wird, der die naheliegende und greifbare Verbindung in den heutigen öffentlichen Raum, nämlich die im Überlandverkehr vielfach eingesetzten roten Busse der verschiedenen Verkehrsgesellschaften, ausblendet.

 

Omnibus im überregionalen ÖPNV in Hadamar Ortsmitte Foto: Hartmann-Menz

Omnibus im überregionalen ÖPNV in Hadamar Ortsmitte Foto: Hartmann-Menz

 

Aus historisch-kritischer Perspektive ist die Begrifflichkeit „Graue Busse“ kaum zu halten. Dies auch, weil sich die Täterinnen und Täter eines perfiden Sprachcodes bedienten, der den Mord an den Schwächsten der Gesellschaft verklausulierte, beschönigte und in das ideologische Konzept der NS-„Euthanasie“ einzupassen versuchte, um so die vermeintliche Legitimationsgrundlage für den Massenmord zu schaffen. In bewusster Abkehr davon sollte Sprache als Instrument der Aufarbeitung bereits in sich dem Ziel einer präzisen und schonungslosen Offenlegung von Täter und Strukturen verpflichtet sein.
Viele staatliche, institutionelle und private Mittäter waren wissentlich und in Kenntnis der Morde in die „Aktion T4“ involviert. Neben den unmittelbaren Tätern zählen hierzu Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Behörden, Rentenanstalten, Versicherungen sowie jene, die die „T4“ technisch-organisatorisch ermöglichten. In allen diesen Bereichen, auch bei der Reichspost und der Reichsbahn, gab es nach 1945 personelle Kontinuitäten und eine stillschweigende Übereinkunft der Nicht-Anerkennung von Verantwortung. In der Begrifflichkeit „Graue Busse“ bleibt die Reichspost als maßgebliche Mittäterin beim hunderttausendfachen Krankenmord außen vor.
Die Zurverfügungstellung der Transportmittel seitens der Reichspost, ob rot oder in Tarnfarbe, war ein zentrales Element in der Struktur des Mordapparates. Die Reichspost stellte nicht nur Fahrzeuge, sondern auch umfassende technische und logistische Infrastruktur sowie einen Decknamen der für den Transport der Opfer genutzten Omnibusse zur Verfügung. Die wissentliche Mittäterschaft der Reichspost und ihrer lokalen Dienststellen beim Krankenmord ist unabweisbar:

„Wenn mir zur Kenntnis gebracht wird, daß ein österreichischer Zeuge erklärt hat, zu Beginn der Euthanasieaktion sei ihm mitgeteilt worden, er gehöre als Kraftfahrer nun zu der Staffel von Hegener, so habe ich ihm zu erwidern: diese Bezeichnung existierte. Genau hieß es „Sonderstaffel von Hegener“. Anfänglich hatten wir fast ausschließlich Fahrzeuge von der Reichspost. Der Reichspostminister hatte mir eine Bescheinigung des Inhalts ausgestellt, daß die in der Bescheinigung genau bezeichneten Fahrzeuge in jeder Reparaturwerkstatt der Deutschen Reichspost bevorzugt repariert werden konnten. Es hätten sich Schwierigkeiten ergeben können, weil ja diese Fahrzeuge während des Einsatzes bei der T4 nicht von Postbeamten, sondern von Zivilisten gesteuert wurden. In dieser Bescheinigung war die Bezeichnung „Sonderstaffel von Hegener“ geprägt worden. Die Fahrzeuge unterstanden der Gekrat. Diese trat aber nach außen hin nicht in Erscheinung, infolgedessen war für die Postfahrzeuge von der Staffel von Hegener die Rede.“ 5)HHStaWi JS 16a/63GStA Bl. 6.

 

Ein Bus der „Gekrat“ - mit dem typischen weißen Streifen unterhalb der Fenster. Dadurch  (trotz schwarz/weiß Aufnahme) wird dieser als tatsächlich roter Omnibus identifizierbar. Quelle: Landesarchiv NRW

Ein Bus der „Gekrat“ – mit dem typischen weißen Streifen unterhalb der Fenster. Dadurch (trotz schwarz/weiß Aufnahme) wird dieser als tatsächlich roter Omnibus identifizierbar. Quelle: Landesarchiv NRW

 

 

Betrachtet man die Farbfotografie von Alois Dangelmayer (s.o.) wird deutlich, dass die Szene erst mit dem historischen Wissen um den Sachverhalt der „T4“ ihre Brisanz erhält. Täterinnen und Täter agierten bewusst mit dem Alltagsbild der bekannten Omnibusse; auch um die Opfer zu täuschen. Dies verfehlte seine Wirkung nicht. Viele Opfer glaubten, eine „Spazierfahrt“6) Roer, Dorothee, Henkel Dieter (Hg.) Psychiatrie im Faschismus. Die Anstalt Hadamar 1933-1945 (1986) S. 87. zu unternehmen, wenn sie in eine Tötungsanstalt verlegt wurden. Immerhin bestiegen sie ja ein Transportmittel, dessen Anblick ihnen aus dem Alltag geläufig sein konnte.
Die Terminologie „Graue Busse“ hat gegenwärtig noch keinen Eingang in den Duden gefunden. Infolge der Breitenwirkung des „Denkmals der Grauen Busse“ 7)Lilienthal, Georg. Gaskammer und Überdosis. Die Landesheilanstalt Hadamar als Mordzentrum (1941-1945) In: Hadamar Heilstätte-Tötungsanstalt-Therapiezentrum. Hg. George, Uta, Lilienthal Georg, Roelcke Volker, Sander Peter, Vanja Christina (2006) S. 156 ff. ist es nicht auszuschließen, dass diese historisch unscharfe Bezeichnung eine allumfassende Zementierung in Gedenkkultur und Forschung erfährt. Bisher finden sich noch Hinweise auf die parallele Verwendung der Begrifflichkeiten „Gekrat-Bus“ und „graue Omnibusse“8)Weimer, Erhard. Chronik der Gemeinde Elz (1982) S. 100. Aus der Zeit der „T4“- Morde stammt der Begriff definitiv nicht. Im Umfeld der lokalen mündlichen Überlieferung nahe der Mordanstalt Hadamar ist von „Mordkisten“ und einmal gar von „blauen Bussen“ die Rede.

 

Der Begriff „Mordkiste“ scheint vom Limburger Bischof Antonius Hilfrich aus der mündlichen Tradition aufgegriffen und im Jahr 1941 erstmals verschriftlicht 9)Protestschreiben des Limburger Bischofs Antonius Hilfrich wg. „Euthanasie“ vom 13. August 1941. HHStaWi Abt. 461 Nr. 32061 Bd.6.  worden zu sein. Eine der frühesten lokalen literarischen Quellen (1948) zum Krankenmord auf dem Hadamarer Mönchberg erwähnt die Reichspost-Busse so, wie sie im allgemeinen Straßenbild, ob rot oder in Tarnfarbe, wahrgenommen wurden: „Langsam näherte sich ein Omnibus von der Faulbacher Straße her, polterte auf die Brücke.“10)Mathi, Maria. Wenn nur der Sperber nicht kommt (1954) S. 267 f. Zur Autorin sei anzumerken, dass sie, obwohl gebürtig aus Hadamar und in der Region verwurzelt, während der Zeit des Krankenmordes nicht dort, sondern am Bodensee lebte. Allerdings stand sie fortwährend im brieflichen Kontakt mit dem Freundeskreis in Hadamar und kann somit als authentische Chronistin der Geschehnisse in ihrer Heimatstadt gelten. Erst im Jahr 1948 kam sie besuchshalber in den Ort ihrer Kindheit und Jugend, um dort das Material für ihren Roman zu sammeln. Dieser spielt in Hadamar und hat literaturgeschichtlich lokale Bedeutung. Der literarische Gehalt steht hinter der historischen Relevanz mit Blick auf das Entstehungsjahr 1948 weit zurück. In die lineare, sich über drei Generationen erstreckende Handlung bindet die Autorin reale Geschehnisse und Personen mit fiktionalen Elementen zusammen und thematisiert als erste Autorin die Morde auf dem Hadamarer Mönchberg. Eine 1961 veröffentlichte, auf „authentischen Dokumenten und wahren Begebenheiten“ basierende Erzählung trägt den Titel „Die Mordkiste von Hadamar“11)Hermann, Alfred. Die Mordkiste von Hadamar (1961) Ruhr-Verlag Dortmund 46 Seiten. und greift damit die lokale mündliche Überlieferung auf. Im Spiegel-Artikel „Die Kreuzelschreiber“ (19/1961) wird der Begriff „Mordkiste“ unter Bezug auf Antonius Hilfrich verwendet, und in Christa Wolfs Werk „Kindheitsmuster“ (1976), einem der bekanntesten literarischen Zeugnisse zum Krankenmord ist von „mit Tüchern zugehängten Omnibussen“12)Wolf, Christa. Kindheitsmuster (1976) S. 260. die Rede.
Der erste Chronist der „Euthanasie“-Verbrechen, Ernst Klee, verweist mit dem Begriff „Reichspost-Busse der Gekrat“13)Klee, Ernst. „Euthanasie“ im Dritten Reich (1983) Neuauflage 2014 S. 130. klar und eindeutig auf die politisch Verantwortlichen der Zurverfügungstellung von Infrastruktur für den hunderttausendfachen Mord an Menschen mit seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen.
Im Rückblick auf die politischen Debatten zur angemessenen Terminologie bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit („Vergangenheitsbewältigung“ versus „Aufarbeitung“) 14)Adorno, Theodor. Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit. In: Gesammelte Schriften (1959) Bd. 10 (1977) S. 555-572. Und: Aufklärung statt Bewältigung. Tondokumente zur Berichterstattung von Axel Eggebrecht über den ersten Auschwitz-Prozess. Stiftung Deutsches Rundfunk-Archiv (2011). fällt auf, dass der politisch brisante Begriff „Reichspost-Busse der Gekrat“ in Forschungsliteratur und Gedenkkultur Gefahr läuft, hinter der auch sprachlich leichtgängigeren Begrifflichkeit „Graue Busse“ zu verschwinden. Cui bono? Eine Fragestellung, die in der gegenwärtigen Phase der vielerorts erst beginnenden personellen und strukturellen Aufarbeitung der „T4“ – Morde fortwährend im Blick zu behalten ist.
Martina Hartmann-Menz, April 2015

Einzelnachweise   [ + ]

1. Der Transport erfolgte keineswegs nur mit Bussen, sondern auch mit Zügen der Reichsbahn. Zunächst sollten die Opfer prioritär mit der Reichsbahn zu den Orten der Vernichtung verbracht werden, was sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht realisieren ließ. Dazu: Vernehmung Richard von Hegener im Heyde-Prozess HHStaWi Abt. 631a Nr.405 (alt: Ks66) Bl. 10.
2. Richard von Hegener, (1905 -1981) war im Jahr 1932 Mitglied der NSDAP geworden. In der Reichkanzlei war er u.a. für die Beschaffung der Medikamente und des Gases zur Ermordung Kranker sowie für die „Kinderfachabteilungen“ zuständig. Hegener wurde im Jahr 1952 zu lebenslänglicher Haftstrafe verurteilt und 1956 entlassen. Klee, Ernst. Das Personenlexikon zum Dritten Reich 3. Aufl. 2011 S. 237.
3. Karl Wilhelm Ohnesorge (1872-1962) vgl. http://www.deutsche.biographie.de/sfz73283.html
4. Aussage Richard von Hegener am 9. Ai 1960 im Prozess gegen Werner Heyde HHStaWi Abt. 631a 405/a (alt: Ks/66) S. 10.
5. HHStaWi JS 16a/63GStA Bl. 6.
6. Roer, Dorothee, Henkel Dieter (Hg.) Psychiatrie im Faschismus. Die Anstalt Hadamar 1933-1945 (1986) S. 87.
7. Lilienthal, Georg. Gaskammer und Überdosis. Die Landesheilanstalt Hadamar als Mordzentrum (1941-1945) In: Hadamar Heilstätte-Tötungsanstalt-Therapiezentrum. Hg. George, Uta, Lilienthal Georg, Roelcke Volker, Sander Peter, Vanja Christina (2006) S. 156 ff.
8. Weimer, Erhard. Chronik der Gemeinde Elz (1982) S. 100
9. Protestschreiben des Limburger Bischofs Antonius Hilfrich wg. „Euthanasie“ vom 13. August 1941. HHStaWi Abt. 461 Nr. 32061 Bd.6.
10. Mathi, Maria. Wenn nur der Sperber nicht kommt (1954) S. 267 f. Zur Autorin sei anzumerken, dass sie, obwohl gebürtig aus Hadamar und in der Region verwurzelt, während der Zeit des Krankenmordes nicht dort, sondern am Bodensee lebte. Allerdings stand sie fortwährend im brieflichen Kontakt mit dem Freundeskreis in Hadamar und kann somit als authentische Chronistin der Geschehnisse in ihrer Heimatstadt gelten. Erst im Jahr 1948 kam sie besuchshalber in den Ort ihrer Kindheit und Jugend, um dort das Material für ihren Roman zu sammeln. Dieser spielt in Hadamar und hat literaturgeschichtlich lokale Bedeutung. Der literarische Gehalt steht hinter der historischen Relevanz mit Blick auf das Entstehungsjahr 1948 weit zurück. In die lineare, sich über drei Generationen erstreckende Handlung bindet die Autorin reale Geschehnisse und Personen mit fiktionalen Elementen zusammen und thematisiert als erste Autorin die Morde auf dem Hadamarer Mönchberg.
11. Hermann, Alfred. Die Mordkiste von Hadamar (1961) Ruhr-Verlag Dortmund 46 Seiten.
12. Wolf, Christa. Kindheitsmuster (1976) S. 260.
13. Klee, Ernst. „Euthanasie“ im Dritten Reich (1983) Neuauflage 2014 S. 130.
14. Adorno, Theodor. Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit. In: Gesammelte Schriften (1959) Bd. 10 (1977) S. 555-572. Und: Aufklärung statt Bewältigung. Tondokumente zur Berichterstattung von Axel Eggebrecht über den ersten Auschwitz-Prozess. Stiftung Deutsches Rundfunk-Archiv (2011).