Neue Erinnerungs- und Gedenkstätte in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Domjüch bei Neustrelitz eröffnet

Am 10.07.2016 wurde im Rahmen einer Gedenkveranstaltung auf dem Gelände der ehemaligen Landesirrenanstalt Domjüch bei Neustrelitz eine neue Erinnerungs- und Gedenkstätte für die Domjücher Opfer der Euthanasie und Zwangssterilisation in der Zeit des Nationalsozialismus eröffnet.

 

Am 11.07.1941 wurden von der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Domjüch am Stadtrand von Neustrelitz ca. 100 Patienten abgeholt und vermutlich noch am gleichen Tag in der Vernichtungsanstalt Bernburg umgebracht. Zum 75. Jahrestag dieses Transportes fand in der Kapelle der ehemaligen Anstalt ein Gedenkgottesdienst statt, der vom Verein zum Erhalt der Domjüch –  ehemalige Landesirrenstalt e.V. und der Kirchgemeinde Alt-Strelitz organisiert wurde. Bei dieser Veranstaltung waren u.a. auch Angehörige von ehemaligen Euthanasieopfern anwesend. Ein Höhepunkt dieser Veranstaltung war die Enthüllung einer Gedenktafel am Haupteingang des ehemaligen Verwaltungsgebäudes.

Gedenktafel am Haupteingang des ehemaligen Verwaltungsgebäudes

Gedenktafel am Haupteingang des ehemaligen Verwaltungsgebäudes

Die anlässlich dieser Gedenkveranstaltung neu eröffnete Erinnerungs- und Gedenkstätte informiert nicht nur über die Euthanasieverbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus, die auch um die Anstalt Domjüch keinen Bogen machten, sondern auch über die Diskriminierung von psychisch und körperlich behinderten Menschen vor Beginn der sog. T4-Aktion. So wird u.a. am Beispiel eines Domjücher Patienten über die Rolle des 1934 eingerichteten Erbgesundheitsgerichtes Neustrelitz bei der Umsetzung der damaligen nationalsozialistischen Rassenpolitik informiert. Auch über das Schicksal Domjücher Patienten, die 1943 nach Schließung der Heil- und Pflegeanstalt Domjüch in die Anstalt Sachsenberg bei Schwerin verlegt wurden, wird Auskunft gegeben.

Ausstellungsdetail

Ausstellungsdetail

 

Unterlegt ist diese Ausstellung mit Namenslisten von bekannten Euthanasieopfern aus der Anstalt Domjüch. Ein wichtiges Ziel der weiteren Gedenkstättenarbeit wird es sein, weitere Opfernamen zu ermitteln und möglichst viele noch lebende Angehörige dieser Opfer über das Schicksal ihrer Angehörigen zu informieren. So ist auch das Projekt „Den Opfern ein Gesicht geben“ Bestandteil dieser Gedenkausstellung.

 

Die Erinnerungs- und Gedenkstätte Domjüch kann von Mai bis September jeden Sonntag von 14:00 – 17:00 Uhr besichtigt werden.