Wann: 20.6.2017, 19.00

Wo: Dokumentationszentrum Topogaphie des Terrors, Berlin

 

Die Geschichte der Menschen, die im Nationalsozialismus zwangssterilisiert wurden oder deren Angehörige den Patientenmorden zum Opfer fielen, wurde nach 1945 relativ konsequent verdrängt: Anträgen auf Entschädigungen wurde nicht entsprochen, weil die Opfergruppe nicht in das Bundesentschädigungsgesetz aufgenommen wurde, Zwangssterilisation oft nicht als Verbrechen gewertet und generell hing über den Thema ein Tabu. Dass sich 1987 der Bund der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten e.V. gründete, bedeutete demzufolge auch, dass sich erstmals seit 1933 Betroffene und Angehörige austauschen konnten. Auch wenn sich der Verein 2009 auflöste, so existiert er als Arbeitsgemeinschaft weiter und kämpft immer noch um Entschädigungen und Anerkennung. Im Jahr 2003 produzierte der Verein die Wanderausstellung Lebensunwert – Zerstörte Leben und gab 2006 das Buch unter gleichem Titel heraus (Verlag).

 

Die Herausgeberin der neuen Publikation Margret Hamm wird das Buch in der Topographie des Terrors vorstellen. Man darf in diesem Zusammenhang auch gespannt sein, ob das Thema der Namensnennung von Opfern aufgebracht werden wird. Die Arbeitsgemeinschaft positionierte sich in letzter Zeit immer wieder gegen die öffentliche Nennung mit der Begründung, dass die Opfer nicht gefragt werden könnten und dass dies nach den Jahrzehnten der Verdrängung eine Art überholter Aktionismus sei. Verweisen sei hier auf einen Brief der AG vom März des Jahres an die Ministerin für Justiz, Kultur und Europa in Schleswig-Holstein, der sich gegen die Nennung der Namen der aus der Anstalt Neustadt deportierten Patienten wandte.