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Gedenkinitiative und Archiv: Keine Partner in Schleswig-Holstein?

Der Arbeitskreis Cap Arcona leistet seit Jahren anerkannte und unermüdliche Gedenkarbeit in Neustadt (Schleswig-Holstein). Eines seiner Arbeitsfelder ist die Erinnerung an die Ermordung von psychiatrischen Patient_innen in der NS-”Euthanasie”. Er sieht sich aber Widerständen ausgesetzt: Das Landesarchiv Schleswig-Holstein möchte die Namen nicht herausgeben, das zuständige Ministerium sie nicht veröffentlichen lassen. Dabei wird mit Versatzstücken eugenischen Denkens der 1930er Jahre argumentiert.

Wir dokumentieren hier einen Text des Arbeitskreises und rufen alle auf, ihn zu unterstützen und sich im Kampf gegen das Verschweigen und Vergessen zu engagieren und zu vernetzen.

 

“Die Bemühungen des Arbeitskreises, mit einer Veröffentlichung der Namen der ermordeten Patienten auf einem Gedenkstein in Neustadt einen Beitrag dazu zu leisten, dass der ermordeten Patienten angemessen gedacht werden kann, läßt sich in drei Phasen aufteilen.

 

Nachdem bekannt geworden war, dass die Ameosklinik sämtliche Unterlagen über die ermordeten Patienten zur Aufbewahrung in das Landesarchiv Schleswig gegeben hatte, stellte der AK in dieser ersten Phase dort am 6.3.2014 den Antrag, Einsicht in die Verlegungslisten und Unterlagen betreffend die ermordeten Patienten aus dem Jahr 1941 nehmen zu können.

Gedenkstele auf dem Gelände der AMEOS-Klinik Neustadt/Holstein

Gedenkstele auf dem Gelände der AMEOS-Klinik Neustadt/Holstein

Dieser Antrag wurde – für alle überraschend – vom Landesarchiv Schleswig am 11.3.2014 abgelehnt.

Noch überraschender als die Ablehnung waren die für die Ablehnung vorgebrachten Gründe. Zusammengefaßt und vereinfacht ausgedrückt, meinte das Landesarchiv Schleswig, noch lebende Angehörige der von den Nazis ermordeten Patienten und Patientinnen könnten sich für ihre ermordeten Verwandten schämen und den Umstand,  dass ihre Verwandten als Patienten einer psychiatrischen Klinik getötet wurden, als Makel empfinden. Deshalb sei eine Einsicht in die Akten ebenso wenig möglich wie eine  Veröffentlichung der Namen auf einem Gedenkstein.

 

Aber: Nicht die Opfer, sondern die Täter, von denen viel zu viele nicht einmal wegen ihrer Untaten angeklagt, geschweige denn verurteilt wurden, müssen sich schämen. Sie, und nicht ihre Opfer, sind zu ächten. Darüber sollte Einigkeit bestehen.

Das Landesarchiv verkehrt diese Selbstverständlichkeit ins Gegenteil.

Es behauptet, alle Patienten, die im Rahmen des sog. Euthanasie-Programms ermordet wurden, hätten dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses unterstanden, und dieses Gesetz habe über eine Reihe von Zwischenstationen zur gezielten Tötung der Patienten geführt.

Detail der Gedenkstele

Detail der Gedenkstele

Die Nazis hatten bereits am 14.7.1933 das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ erlassen. Auf der Grundlage dieses Gesetzes konnten psychisch Kranke, vermeintlich psychisch Kranke und andere Menschen, von denen die Nazis meinten, sie seien lebensunwert, zwangsweise sterilisiert werden.  Die Nazis behaupteten, die tatsächlichen oder vermeintlichen Erkrankungen dieser Patienten seien erblich bedingt, deshalb müsse verhindert werden, dass sie sich fortpflanzen.

Das hierauf abzielende Gesetz ist offenkundig verfassungswidrig und nichtig. Hierüber verliert der Ablehnungsbescheid des Landesarchivs kein Wort. Zudem unterstellt es, die später ermordeten Patienten hätten die Krankheit, unter der sie unter Umständen litten, geerbt.

Dies alles liest sich nahezu wie eine Rechtfertigung der Euthanasie, Worte der Kritik sucht man ebenso vergeblich wie einen Hinweis auf das Monströse dieser Nazi-Verbrechen.
Die Mitglieder des Arbeitskreises waren fassungslos angesichts dieser vom Landesarchiv vertretenen Position und legten deshalb gegen den ablehnenden Bescheid  Widerspruch ein. Mit dem Widerspruch begann die zweite Phase.

In seinem Widerspruch betonte der Arbeitskreis insbesondere drei Gesichtspunkte:

  • Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses stellte zu keinem Zeitpunkt eine Rechtsgrundlage für die Morde an den Patienten und Patientinnen dar. Eine Rechtsgrundlage hierfür gab es nicht, eine solche ist auch nicht vorstellbar, weil jedes Gesetz, welches solche Verbrechen erlauben würde, wegen Verstoßes gegen die Menschenwürde verfassungswidrig und nichtig wäre.
  • Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses enthält die Behauptung, die meisten psychischen Krankheiten seien erblich bedingt. Dies ist wissenschaftlich nicht haltbar. Nur bei sehr wenigen psychischen Erkrankungen gibt es Nachweise für die Möglichkeit einer Vererbbarkeit. Hinsichtlich der ermordeten Patienten kann und darf schon deshalb von einer ererbten Krankheit nicht ausgegangen werden.
  • Da es den Nazis in ihrem Rassenwahn darum ging, die angebliche „Reinheit des deutschen Volkskörpers“ zu erhalten und gleichzeitig angebliche „unnütze Esser“ zu eliminieren, sollten so viele vermeintlich psychisch Kranke wie möglich umgebracht werden. Schon deshalb verbietet es sich, den sog. Diagnosen irgendeinen Wert zukommen zu lassen. Entscheidend ist aber, dass auch eine zutreffende Diagnose einer psychischen Erkrankung, sei sie auch erblich bedingt, niemals die Ermordung des Betroffenen rechtfertigen kann.

Über den eingelegten Widerspruch hatte ein Schiedsausschuß zu entscheiden. Der AK beantragte, vom Schiedsausschuß persönlich angehört zu werden.

Ein weiterer Antrag, gemeinsam mit den Vertretern des Landesarchivs angehört zu werden, scheiterte an der Ablehnung durch das Landesarchiv. Auch ein Antrag, wenigstens bei der Anhörung der Vertreter des Landesarchivs zuhören zu können, scheiterte an deren Ablehnung. Die Vertreter des Landesarchivs wollten die Mitglieder des Arbeitskreises nicht sehen, nicht hören und nicht mit ihnen sprechen.

Die Anhörung dauerte mehr als zwei Stunden. Es stellte sich heraus, dass das Landesarchiv an seiner – unhaltbaren – Argumentation nicht mehr festhielt und stattdessen nunmehr – völlig überraschend – behauptete, aus den Verlegungslisten ergebe sich nicht, wer getötet worden sei.

Informationstext an der Gedenkstele

Informationstext an der Gedenkstele

 

Für den AK lag auf der Hand, dass diese neue Begründung nur ein Scheinargument war.
Denn es ist offenkundig, dass – wenn überhaupt – nur wenige Patienten, die auf den Verlegungslisten aufgeführt sind, nicht ermordet worden sind.  Deshalb erklärte sich der Arbeitskreis damit einverstanden, die Namen aus den Verlegungslisten mit den in den Tötungsanstalten dokumentierten Namen der Getöteten abzugleichen.

Nach Beendigung der Anhörung entschied der Schiedsausschuß noch am selben Tag und gab dem Antrag des AK im Wesentlichen statt.

Die Einsichtnahme in die Verlegungslisten beim Landesarchiv wurde unter folgenden Auflagen gestattet:

  • Es dürfen nur Abschriften aus den Verlegungslisten erstellt werden, nicht aber analoge oder digitale Kopien.
  • Die auf den Verlegungslisten enthaltenen Namen müssen mit den Namen der Ermordeten abgeglichen werden, die in den Tötungsanstalten dokumentiert sind.
  • Die so erlangten Namen dürfen nur im Bereich der Stadt Neustadt, soweit möglich auf dem Gelände der Ameos-Klinik sichtbar gemacht werden.

 

Mit dem Bescheid des Schiedsausschusses endete die 2. Phase.
Der AK befindet sich jetzt in der 3. Phase: dem Abschreiben der Verlegungslisten und dem Namensabgleich.

Ehe mit der Einsicht in die Verlegungslisten begonnen werden konnte, versuchte das Ministerium trotz der eindeutigen Entscheidung des Schiedausschusses mit Email vom 24.7.2014 , den AK dazu zu bewegen, von der gestatteten Sichtbarmachung der vollständigen Namen der Ermordeten abzusehen. Das Ministerium begründete diese Intervention mit dem angeblichen „Interesse der heute lebenden Angehörigen am Nichtwissen“.

Der AK hat in mühevoller Arbeit die Namen, Geburtsdaten und – soweit vorhanden – die Verlegungsdaten in die Tötungsanstalten aus den Akten abgeschrieben und in eine Liste überführt. Diese Daten müssen jetzt abgeglichen werden.

Arbeitskreis Cap Arcona”

 

Warum der auch vom Landesarchiv angeführte Datenschutz nicht greift und ein Scheinargument ist, können Sie hier in einem Gutachten von Dr. Erhart Körting nachlesen.

Decentralized Locations, Digital Humanities

www.gedenkort-t4.eu: This T4 website curated by Robert Parzer reflects the expanding body of materials now available on the contemporary memorialization and research of medical mass murder in Nazi Germany.  I came upon the digital memorial website while co-teaching an undergraduate class titled, “Disabled People and the Holocaust”, with my partner Sharon Snyder this semester (winter 2015) in the English Department at George Washington University.  The class introduced students to a body of scholarship about the T4 program from the late 1970s to the present.  Following publications on Action T4 by the German author Ernst Klee and the American medical historiographer of Nazi physicians, Robert J. Lifton, researchers began unearthing the elaborate system of deception implemented by National Socialist eugenicists to systematically destroy disabled German people in psychiatric institutions at the opening of World War II.

Asklepios-Klinikum Brandenburg/Havel Foto David Mitchell

Asklepios-Klinikum Brandenburg/Havel Foto: David Mitchell

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Franz Stangl, Österreich, die Kirche und der Wille zur Verdrängung

Franz Stangl und Gitta Sereny

Franz Stangl und Gitta Sereny 1971

Franz Stangl war Österreicher, aus dem eher deutschnational gesinnten Teil der Donaumonarchie. Er war Polizist und wurde nach dem “Annschluss” Österreichs an dDeutschland Büroleiter der Euthanasie-Mordanstalt Hartheim und danach Kommandant des Vernichtungslagers Treblinka. Sereny, selbst ein spätes Kind Österreich-Ungarns, interviewte ihn für ihr Buch “Am Abgrund. Eine Gewissensforschung” 1971 im Gefängnis kurz vor seinem Tod. Gerd Bucerius schrieb 1982 in der Zeit nach der Lektüre dieses Buches einen langen, bedrückenden Essay über die Möglichkeit der Täterschaft.

“Da liegt auch – kommen wir je in eine gleiche Lage – unsere Chance, die wir nicht glauben dürfen, wir seien so viel besser geschaffen worden als Stangl. Sind wir erst auf dem Wege, ist selbst für den Redlichen kaum noch eine Entkommen; das hat Gitta Sereny bewiesen.”

Der Essay gehört wohl zum Besten, was im Feuilleton jemals zur “Euthanasie” und zum Holocaust geschrieben wurde. Geschickt, aber nicht effektheischend, verwob Bucerius immer wieder persönliche Erinnerungen in den Text, der in weiten Teilen auch eine Auseinandersetzung mit der Rolle der katholischen und der evangelischen Kirche ist. Für ihn ergab sich völlig klar, ohne großes Hin und Her über die Validität des historischen Arguments, die Ablehnung von Sterbehilfe:

“Ich erinnere, daß mein Vater vor mehr als 60 Jahren (als Beigeordneter der Stadt Essen) abends nach Hause kam vom Besuch einer Anstalt, in der katholische Schwestern solche Unglücklichen pflegten. Unter dem Eindruck des Entsetzlichen hat er gefragt, ob der Tod nicht einem solchen Leben vorzuziehen sei. „Aber wir dürfen sie nicht töten“, sagte er. „Wir müssen ertragen, daß diese Unglücklichen leiden. Wir müssen ihnen helfen, wie wir nur können.“ – Heute ist die Entscheidung einfach: Wir haben erlebt, wo die Mitleidstötung endet.”

Die deutsche Biographie des Österreichers Stangl rundete seine Beschäftigung bei VW in Brasilien nach seiner Flucht mit Hilfe des katholischen Bischofs von Graz, Hudal, noch ab. Dass es letzlich nur dem unbedingten Willen eines anderen Österreichers (und auch jüdischen Erbes der k.u.k. Monarchie), nämlich Simon Wiesenthals, zu verdanken ist, dass er überhaupt vor Gericht gestellt wurde, mag da wie eine Ironie des Schicksals wirken. Stangl, der Mörder mehrerer Hunderttausend Menschen, blieb für seine Tochter Renate ein beinahe Heiliger, wie Bucerius am Schluss seines Essays erzählt:

„Nichts in der Welt kann mich veranlassen zu glauben, daß er je etwas Falsches getan hat. Er verstand mich. Er hat durch dick und dünn zu mir gehalten. Ich liebe ihn – ich werde ihn immer lieben. Ich hoffe, er weiß es dort, wo er jetzt ist.“”

Damit leistete sie die Verleugnungsarbeit, die Harald Welzer in seiner Studie “Opa war kein Nazi” für die Generation der Enkel nachwies. Ob Renate Stangl jetzt, 30 Jahre nach dem Erscheinen des Essays von Bucerius, wohl anders denkt? Und wie denken -oder vorsichtiger gefragt: was wissen- die Nachkommen der vielen Tausend Ärzte, Pfleger, Bürokraten und anderer, die den Krankenmord durchführten? Bis jetzt hat nur eine einzige Stellung bezogen: Mireille Horsinga-Renno ist die Nichte des Hartheimer “Euthanasie”-Arztes Georg Renno. In einem Interview erzählt sie von ihrer Konfrontation mit der Familiengeschichte, die im Buch “Der Arzt von Hartheim” resultierte.

 

 

 

Film: “Lange’s Kaffee-Geschäft”

Sehr schnelle Schnitte, Videospielästhetik, ein fortlaufendes, irrwitziges Wechselspiel von historischen und aktuellen Aufnahmen von Personen, Dingen und Orten, mehr gehauchte als gesprochene Kommentare – nicht unbedingt Stilmittel, die man in einer filmischen Auseinandersetzung mit einem Kapitel der NS-Geschichte erwarten würde. Noch dazu ist es ein besonders düsteres Kapitel:

Der Titel des Kurzfilmes “Lange’s Kaffee-Geschäft” spielt auf die Verzahnung von Krankenmorden und Judenvernichtung im besetzten Polen an. Ein Gaswagen -also eine mobile Gaskammer- wurde von einem kleinen Sonderkommando unter der Leitung des Polizisten Herbert Lange eingesetzt, um  psychiatrische Patienten zu ermorden. Viele Zeugen erinnerten sich daran, dass die Aufschrift “Kaisers Kaffee-Geschäft” auf dem Gaswagen angebracht war.  Später wurde dieser Wagen im ersten NS-Vernichtungslager Kulmhof in der Nähe von Łódż eingesetzt.

 

Langes Kaffeegeschäft (c) Substantial Truth Filmmakers Shirly & Yaniv Schwartz

Langes Kaffeegeschäft (c) Substantial Truth Filmmakers Shirly & Yaniv Schwartz

Die Regisseure des Kurzfilmes sind Yaniv und Shirley Schwartz, israelische Filmemacher. Zu ihrer Motivation, einen solchen Film zu machen, sagen sie selbst:

My wife and I try to produce each year, at our expense and without any profit, a film about the events of the Holocaust.It’s part of the education we want to give our children. It is part of the knowledge that we want to expose and share with others.
Two years ago we produced a short film about the last letters written by victims of the Holocaust just before they were killed. About Lange’s Kaffe Geschaft – that started because of a movie I watched telling the story of Franz Stangl. Following the film, I began to explore the issue of the death castels…. We wanted to produce something different. Something more cinematic style. Although we have no budget we tried to create that kind of atmosphere and we hope that we managed to get the message across. The “interrogation” (at the film) emphasizes the “Aktion T4″ as the “trailer” for the Final solution which is knowledge that we want to expose and share.

Bis jetzt sind ein Trailer und ein kurzer Ausschnitt  veröffentlicht worden. Man darf gespannt sein, wie der fertige Film aussieht. Gefallen wird er sicher nicht allen. Wir haben es vielmehr mit einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit einem weitgehend unbekannten Kapitel des Holocaust und des NS-Krankenmordes zu tun, die sich bewusst ausserhalb der filmischen und bis zur Übersättigung ausgereizten Konventionen a la Guido Knopp stellt.

 

 

Ank.: Lesung “Bethel in der NS-Zeit” mit Barbara Degen am 26.2.2015

Wann: Donnerstag, 26. Februar 2015, 19 Uhr
Wo: Evangelische Ernst-Moritz-Arndt-Kirchengemeinde. Kirche, Onkel-Tom-Str. 80, 14169 Berlin.

Altes Pförtnerhäuschen in Bethel. CC-BY-SA  Bernd NdeM

Altes Pförtnerhäuschen in Bethel. CC-BY-SA Bernd NdeM

Im Mai 2012 habe ich im Stadtarchiv Bielefeld Hunderte von Todesmeldungen von kleinen, nicht behinderten und behinderten Kindern aus dem Betheler Kinderkrankenhaus “Sonnenschein” (ca. 100-120 Betten) gefunden

Damit beginnt Barbara Degen ihr Buch Bethel in der NS-Zeit . Es ist  eine der umstrittensten Publikationen zur Geschichte des NS-Krankenmorde, das in den letzten Jahren auf den Markt kam. Ihre These, dass es auch in Bethel zu Patientötungen gekommen sei und dass dort bereits vor 1939 Ärzte so genannte Euthanasie betrieben hätten stieß in der Fachwelt auf einhellige Ablehnung. Die heutigen Anstalten publizierten auf ihrer Website einen eigenen Themenbereich, in dem die Leitung der Autorin mindestens unsauberes Arbeiten und eine einseitige Auswertung von Quellen vorwarf:

Wissenschaftlich gesehen ist das Vorgehen der Autorin unhaltbar. Sie hat noch nicht einmal kleine Ansätze zu einer inhaltlichen Darstellung desKinderkrankenhaus unternommen: Etwa die Altersverteilung der verstorbenen Kinder ermittelt, oder die Krankheiten benannt, mit denen die K inder das Krankenhaus aufsuchten oder versucht die Todesursachen zu quantifizieren.

 

Gelegenheit zum Gespräch mit Barbara Degen gibt es nun morgen in Berlin.  Die evangelische Ernst-Moritz-Arndt-Kirchengemeinde lädt die Autorin zu einer Lesung ein. In das Thema wird die Bundesgeschäftsführerin der Lebenshilfe, Jeanne Nicklas-Faust, einführen.

Einstimmen kann man sich bereits jetzt mit der spannenden Diskussion unter einem Artikel der Neuen Westfälischen.

 

 

Links 16 I Neuigkeiten zum Thema NS-Euthanasie

Hier eine weitere Folger der unregelmäßig erscheinenden Hinweise auf neuere Beiträge in den Medien zum Themenfeld NS-”Euthanasie”. Ergänzungen wie immer gerne per Kommentar.

 

Götz Aly trug am Max Planck Institut für Molekulare Genetik in Berlin-Dahlem zu seiner 1982 begonnenen Forschung zur Hirnsammlung von Juius Hallervorden vor.  Damals wäre sie fast verhindert worden, heute interessiert sich anscheinend niemand vom Institut dafür.

 

Die 19. Stolpersteinverlegung in Würzburg  am 10.2.2015 galt ausschliesslich den Opfern der NS-”Euthanasie”, dazu erschienen die Biografien online -dankenswerterweise ohne unsinnige Kürzung des Nachnamens. Neue Stolpersteine auch in Wedel, eine neue Gedenktafel in Marl und eine Gedenkplatte in Recklinghausen-Hillerheide; der gesamte Landkreis Dachau erinnerte sich an den ersten Transport von Patienten der Heilanstalt Eglfing-Haar in die Tötungsanstalt Grafeneck. Man sieht: der 27.1. fungiert auch als Gedenktag für die Opfer des NS-Krankenmordes.

 

Uwe Kaminsky erhielt einen Forschungsauftrag zur Rolle von Pastor Johannes Buhrfeind, der Gallionsfigur der Rotenburger Werke.

 

Andreas Knitz und Horst Hoheisel bauten das mobile Denkmal der grauen Busse. Jetzt bekamen sie vom Bezirk Schwaben den Auftrag für ein neues Denkmal in Günzburg in Form eines Rosengartens.

 

Im Mai 2014 wurde das “Euthanasie”-Denkmal in Salzburg mutwillig zerstört, jetzt wurden drei Verdächtige ermittelt. Einer davon tat sich bereits unrühmlich durch die Beschmierung von Stolpersteinen hervor.

 

Deutschlandradio Kultur berichtete über die NS-”Euthanasie” im Saarland. Schnell anhören, bevor es depubliziert wird.

 

Zuletzt die Nachricht aus der Hölle: Die NPD fordert die Sterilisation von Geflüchteten.

 

 

Auschwitz und die NS-”Euthanasie”

Ich war vom 6.7.1940 bis zum 18.1.1945 in Auschwitz inhaftiert.

Mit diesen Worten beginnt die zweiseitige Verschriftlichung einer Aussage von Kazimierz Smoleń vom 8.5.1968. Smoleń wurde vom Langerichtsrat Bach in der “Voruntersuchungssache Dr. Horst Schumann”, wie es im Protokoll der Zeugenvernehmung heisst, vernommen.   Der Zeuge war nicht nur einfach ein ehemaliger Häftling des Lagerkomplexes Auschwitz-Birkenau gewesen, sondern war zur Zeit der Aussage bereits seit einigen Jahren Leiter des Staatlichen Museums Auschwitz. Diese Funktion sollte er noch bis 1990 innehaben.

 

Aussageprotokoll Kazimierz Smoleń. Quelle: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Sig. 631a/1722

Aussageprotokoll Kazimierz Smoleń. Quelle: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Sig. 631a/1722

Aussageprotokoll Kazimierz Smoleń. Quelle: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Sig. 631a/1722

Aussageprotokoll Kazimierz Smoleń. Quelle: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Sig. 631a/1722

 

Dr. Horst Schumann, gegen den ermittelt wurde, war Arzt, hatte u.a. in Leipzig und Insbruck studiert und mit einer “gerade die notwendigen Rahmenbedingungen”(Ruth Jolanda Weinberger: Fertilitätsexperimente in Auschwitz  S. 19) erfüllenden Dissertation “Zur Frage der Jodresorption und der therapeutischen Wirkung sogenannter Jodbäder” seinen Doktortitel erworben. Sein Weg führte ihn in den öffentlichen Gesundheitsdienst in Halle und schließlich an die Tötungsanstalten Grafeneck und Pirna-Sonnenstein. Im Frühjahr 1941 kam Heinrich Himmler mit Phillip Bouhler, dem Leiter der Kanzlei des Führers und Hauptveranwortlichen für die Aktion T4, überein, auch kranke Häftlinge in den Krankenmord einzubeziehen. Schumann reiste im Sommer 1941 zusammen mit zwei weiteren Ärzten, die für die Aktion T4 arbeiteten, Robert Müller und Friedrich Mennecke, nach Auschwitz. Dort hatte die Lagerleitung vorher ein Gerücht gestreut, dass es bald Transporte in ein Sanatorium geben werde. Zusammen mit SS-Ärzten inspizierten sie dann am 28. Juli die Häftlinge, teilweise aber auch nur die Akten. Am Abend bestiegen 575 selektierte Häftlinge dann einen Zug, der nach Pirna fuhr. Innerhalb von fünf Tagen wurden sie in der Gaskammer der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet.

Horst Schumann führte später in Auschwitz noch Zwangssterilisationen mittels Röntgenstrahlen durch. Ein Opfer erinnerte sich später:

“There we had to get undressed and two metal pipes were placed under our lower body. Then he handled the machine, which was a big monster. I don’t know what he did, but the machine made some noise.” (Quelle, S.24)

 

Dass es überhaupt zu Ermittlungen gegen Schumann kam, war keineswegs selbstverständlich. Nach 1945 waren in Ost und West überhaupt nur 90 Prozesse gegen “Euthanasie”-Täter eröffnet worden, von denen 65 mit einem Freispruch endeten oder eingestellt wurden. Schumannn floh aus der DDR 1951 nach Ghana, wo er als Arzt prakizierte. 1966 in die BRD ausgeliefert, musste er gleich nach Beginn des Prozesses in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Chronischer Bluthochdruck verhinderte zwar die Fortführung der Verhandlung, allerdings nicht Schumanns Weiterleben bis 1983. Ein Artikel im Spiegel vom 11.12.1972 beschrieb ein Komplott aus willfährigen Ärzten, die ihrem Standesgenossenmit Gefälligkeitsdiagnosen den Prozeß ersparten, und einem Angeklagten, der die Justiz zum Narren hielt. Smoleń hatte umsonst ausgesagt, konnte aber noch bis 2012 auch dieses Detail der Geschichte des Lagers Auschwitz weitererzählen.

Er starb am 27.1.2012.

 

Dank an Dr. Boris Böhm von der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein für den Vortrag “Die Ermordung von polnischen Psychiatriepatienten und KZ-Häftlingen in der „Euthanasie“-Anstalt Pirna-Sonnenstein 1940/41″ auf der Konferenz Medizin im besetzten Polen im Schatten des Nationalsozialisms. Er wird im Tagungsband Ende des Jahres erscheinen.

 

 

Offene Landkarte des Gedenkens an NS-”Euthanasie” am 27.1.2015

Der 27.1.2015 ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.  Er wurde im Januar 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und auf den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz gelegt. Seitdem nutzt eine Vielzahl von Gedenkinitiativen den Tag, um auf das Schicksal unterschiedlicher im “Dritten Reich” verfolgter Personen und Gruppen hinzuweisen.

 

Wir haben eine Karte bei Google Maps angelegt, die alle Aktivitäten zur Erinnerung an die Opfer des NS-Krankenmordes und der Zwangssterilisationen am und um den 27.1. verortet. Sie ist für Jede(n) bearbeitbar. Wenn also etwas fehlt, können Sie es selbst nachtragen (Klick auf  das Kästchen-Symbol oben rechts öffnet die Karte in einem neuen Fenster, dann auf “Bearbeiten klicken und eine Markierung hinzufügen). Bitte auch eine Mail an robert.parzer@gedenkort-t4.eu mit dem Text des Eintrages, damit er hier im Blog eingepflegt werden kann.

 

Der besseren Zugänglichkeit halber sind alle bisher bekannten Veranstaltungen auch noch einmal unten in Textform aufgeführt.

 

 

Berlin

Gedenkveranstaltung für die Opfer des NS-”Euthanasie”-Programms am 27.1.2015

Die Bundesbehindertenbeauftragte Verena Bentele lädt am 27.1.2015 zu einer Gedenkveranstaltung um 14:00 im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Um 12.30 besteht die Möglichkeit zu einer Führung durch die dortige Ausstellung, nach der Veranstaltung können die Teilnehmer zum Gedenk- und Informationsort an der Tiergartenstraße laufen oder fahren, um dort Kränze niederzulegen. http://blog.gedenkort-t4.eu/wp-content/files/2014/12/Gedenkveranstaltung-27.1.2015-Einladung-und-Anmeldung.pdf

 

Berlin

Ausstellung – Im Gedenken der Kinder -

Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit. Eine Gastausstellung
der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.
Über 75 Jahre nach dem Beginn systematischer Tötung von geistig und körperlich
behinderten Menschen erinnert die Ausstellung an das dunkle Kapitel der
„Kinder-Euthanasie“ während der Zeit des Nationalsozialismus. Über 10.000
von ihnen fielen bis 1945 den verschiedenen Programmen zur Vernichtung
„lebensunwerten Lebens“ zum Opfer.
Die Ausstellungs-Eröffnung ist am 27.01.2015 um 18.30 Uhr,
zu der wir herzlich einladen.
Die Ausstellung befindet sich in der ehemaligen
Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik Haus 10
Vivantes GmbH | Netzwerk für Gesundheit
Oranienburger Str. 285 | 13437 Berlin
Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 10.00 – 13.00 Uhr
So. 13.00 – 17.00 Uhr
Info und Anmeldung: Fon +49 30 49 85 733
mail@totgeschwiegen.de | www.totgeschwiegen.org
www.im-gedenken-der-kinder.de
Einführung: PD Dr. Thomas Beddies, Berlin,
Historische Kommission der DGKJ Gruppenführungen
Gruppenführungen sind nach
Voranmeldung möglich.
Anmeldung
Info und Anmeldung: Fon +49 30 49 85 733
mail@totgeschwiegen.de | www.totgeschwiegen.org

 

Brandenburg/Havel

Gedenkstätte für die Opfer der „NS-Euthanasie“ Nicolaiplatz 30: 27.1.2015  Gedenkveranstaltung um 17.30 mit Vortrag: Dr. Werner Dietrich (Halle/Saale): Das Schicksal des deutsch-jüdischen Arztes Dr. Gustav Flörsheim (1894-1943).

 

Zwiefalten
Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und der Euthanasie-Verbrechen
Ort: Münsterklinik, Hauptstraße 9, 88529 Zwiefalten

 

Reutlingen-Rappertshofen
Gedenkfeier Ort: Heim für körper- und mehrfachbehinderte Menschen,
Reutlingen-Rappertshofen, Rappertshofen 1, 72760Reutlingen

 

Zentrum für Psychiatrie Reichenau
Feursteinstraße 55
78479 Reichenau Di 27.1.2015 10.30 – 12.00 Uhr
Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus
Raum 113, Haus 20
Die Euthanasie aus der Sicht eines Betroffenen
Dr. med. Gabriel Richter, Reichenau http://www.zfp-start.de/web/zprwww/dateien/2014/11/11/dc_2014_11_11_da5a29f19e1580408c/Grauer%20Bus%20begl_%20Veranstaltungen.pdf

 

„Erinnern, Betrauern, Wachrütteln“ – Gedenkveranstaltung des
Landesverbands Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V.

27.01.2015, 10 Uhr Heiligen-Geist-Kirche, 11.30 Uhr Rathaus Wismar http://www.lpb-mv.de/cms2/LfpB_prod/LfpB/de/the/27.01._-_Tag_des_Gedenkens_an_die_NS-Opfer/index.jsp

 

Wiesloch, Psychiatrisches Zentrum Nordbaden: 27.01.2015 16:00 Uhr – 18:00 Uhr , Haus 59 und Festhalle:  Ministerin Katrin Altpeter weiht die Erinnerungsstätte für die damalige “Kinderfachabteilung Wiesloch” ein.  http://www.pzn-wiesloch.de/unser-zentrum/news-veranstaltungen/detailansicht-termine/veranstaltung/270115-gedenken-an-die-opfer-des-nationalsozialismus/

 

Evanelische. Gemeindehaus am Blarerplatz, EsslingenEinladung zum Tag des Gedenkens an die Opfer
des Nationalsozialismus Dienstag, 27. Januar 2015, 18.00 Uhr
Buchvorstellung:
Dr. Gudrun Silberzahn-Jandt:
»Esslingen am Neckar im System von Zwangssterilisation und „Euthanasie“ http://ev-bildungswerk-esslingen.de/files/a-files/flyer_gedenkstunde_2015_klein.pdf

 

Museum Bisingen, Kirchgasse 15,  19.00 Am 27. Januar 2015 um 19 Uhr zeigt der Verein KZ-Gedenkstätten Bisingen e.V. den nationalsozialistischen Propagandafilm “Ich klage an”, der am 29. August 1941 uraufgeführt wurde. Wegen seiner Werbung für Euthanasie zählt dieser Propagandafilm heute in Deutschland zur Gruppe der Vorbehaltsfilme und ist daher nur eingeschränkt zugänglich. http://kzgedenkstaettenbisingen.com/2015/01/

 

Ausstellung zum Gedenken an die Opfer der Euthanasie-Verbrechen
Dienstag, 27. Januar 2015 11:00 Ständehaus Kassel Ständeplatz 6 – 10 34117 Kassel

Anlässlich der landesweiten Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus im Ständehaus präsentiert der LWV Hessen die Ausstellung
IN MEMORIAM Sie wurde von Michael und Katharina von Cranach im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde entwickelt. Auf mehr als 40 Tafeln wird das nationalsozialistische „Euthanasie-Programm“ beschrieben. Rund 180.000 behinderte und psychisch kranke Menschen wurden zwischen 1939 und 1945 in Deutschland getötet.

 

Geschichtswerkstatt Barmbek, Wiesendamm 25: Donnerstag, 29. Januar, 19:00 Filmvorführung: Meine Schwester Irma – Ein Opfer der ‚Kinder-Euthanasie‘
Eine Spurensuche mit Antje Kosemund, ein Film von Jürgen Kinter : , Eintritt: frei/Spende erbeten

 

Leben mit Behinderung Hamburg, Südring 36, 22303 Hamburg Samstag, 31. Januar
Auslese. Von ‘Euthanasie’ und Pränataldiagnostik

13:00 + 14:30 – ‘Zum Andenken’ – Film von Sina Moslehi mit anschließendem Gespräch

16:00 – Einführung zum Thema Pränataldiagnostik
Kerrin Stumpf, Geschäftsführerin Leben mit Behinderung Hamburg Elternverein e. V.

16:30 – Podiumsdiskussion ‘Die guten ins Töpfchen’
Mit Silke Baumgarten – Journalistin (angefragt), Silke Koppermann – Gynäkologin, Ulrike Meyer-Glitzer – Vorsitzende Interessenvertretung Leben mit Behinderung Hamburg, Michael von Cranach – Psychiater, Moderation: Klaus Becker – Inklusionsbüro Hamburg

Eintritt frei, Anmeldung unter info@lmbhh.de

Ort und Veranstalter: Leben mit Behinderung Hamburg, Südring 36, 22303 Hamburg http://www.kulturbank-hh-nord.de/wdg/#veranstaltungen

 

Gedenkstätte Bernburg, 27.1.2015 09:00 Uhr  und Theater Bernburg 27.1.2015 09:30 Veranstaltung der Landesregierung Sachsen-Anhalt anlässlich des Gedenktages der Bundesrepublik Deutschland an die Opfer des Nationalsozialismus Uhr Gedenkstätte für die Opfer der NS-”Euthanasie” Bernburg Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt 06406 Bernburg (Saale) – OT Bernburg Olga-Benario-Straße 16/18

 

Theater mini-art – Kinder- und Jugendtheater Brückenweg 5 47551 Bedburg-Hau Ännes letzte Reise  http://www.niederrhein-freietheater.de/veranstaltungen/112136_2015_01_27_aennes_letzte_reise

 

Arzberg, Bergbräu, Humboldtstraße 4: 28.1.2015 19.00 Der Weg der oberfränkischen Euthanasie-Opfer Begleitveranstaltung zur Ausstellung “… plötzlich gestorben” – NS-Rassenhygiene 1933-45

 

Großer Festsaal des Hamburger Rathauses Szenische Lesung: Briefe an die Stille. Krankengeschichten der Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn 1941 bis 1945. Dokumentarstück von Michael Batz.  27.1.2015 18.00 (für geladene Gäste), 28.1.2015 für Schülerinnen und Schüler http://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/fileadmin/images/Puplikationen/Studienzentrum/2014/Holocaust-Gedenktag_Flyer_2015.pdf

 

Pirnaer Werkstätten und Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, Schlosspark 9 – 11, 01796 Pirna. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten und das Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e.V. möchten in einer Gedenkstunde an die Dresdner Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde erinnern. 27.1.2015, 14.00 – 15.30

 

 

Ausstellungseröffnung “Töten aus Überzeugung” am 20.1.2015

Wann: Di 20. Januar 2015, 19 Uhr
Wo:     Jüdisches Gemeindehaus, Fasanenstraße 79–80 10623 Berlin
Laufzeit: 20.1.– 20.2.2015

 

Die Ausstellung “Töten aus Überzeugung” ist ein Projekt von Michael Gollnow und wird von der Pinel gGmbh getragen. Sie war schon u.a. im Rathaus Tempelhof, in der Katholischen Hochschule Berlin und in Wrocław zu sehen. Für die Station an der Jüdischen Volkshochschule wurde die Ausstellung überarbeitet und in das Russische und Hebräische übersetzt.

 

Ausstellungstafel

Ausstellungstafeln

 

Im Folgenden der Pressetext:

 

Der NS-Staat strebte eine einheitliche, rassisch reine, gesunde Gesellschaft an. Jeder, der anders war, konnte verfolgt, verletzt oder ermordet werden. Psychisch kranke Menschen und geistig behinderte sowie als unheilbar eingestufte Patienten wurden zu hunderttausenden zwangssterilisiert und ab 1939 in Deutschland und vielen besetzten Gebieten ermordet.
Die Ausstellung »Töten aus Überzeugung « stellt in Fotografien, Dokumenten und Szenen die grausamen Methoden und Verbrechen der Nationalsozialisten gegen Menschen mit Behinderung dar – von der Aktion »T4«, über die Krankenmorde in Auschwitz-Birkenau bis zur »Sonderbehandlung« jüdischer Patienten.
Die szenische Darstellung in Schaukästen will einen Gegenpol zur reinen Vermittlung von Daten, Fakten und Zahlen setzen und Geschichte »erfühlbar« machen oder »mit dem Herzen aufarbeiten«, wie der Ausstellungsmacher Michael Gollnow sagt.

MICHAEL GOLLNOW, Absolvent der Katholischen Hochschule für Sozialwesen, DIG-Mitglied und Leiter einer Einrichtung für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung der Pinel gGmbH hat die Ausstellung zusammen mit dem Historiker Robert Parzer, Gedenkort T4, gestaltet.

 

 

“Unwertes Leben on tour” jetzt auf youtube

Ein schönes Weihnachtsgeschenk machte uns der Berliner Verein Kellerkinder: Sie stellten den filmischen Bericht ihrer Reise zu Gedenkstätten an Orten der NS-”Euthanasie” online. Sozusagen “live” berichteten sie auch hier über ihre Eindrücke (Zum Nachlesen). Nun besuchen viele Menschen Gedenkstätten – 2013 zählte die Gedenkstätte Hadamar etwa 18.000 Besucher. Das Besondere an den Besuchern, die dieser Film vorstellt ist nun, dass sie wohl von vielen als “besonders” wahrgenommen werden.

 

Probeaufbau des Veranstaltungszeltes

Probeaufbau des Veranstaltungszeltes, in dem in Brandenburg/Havel eine Performance der Gruppe stattfand.

Sie selbst bezeichnen sich als Menschen mit seelischen Hindernissen  und traten als solche an die Gedenkstätten heran Dies führte zu zahlreichen, hochspannenden und nicht immer erfreulichen Ereignissen und Begegnungen  in Hadamar, Brandenburg und Hartheim.Vor ihrem Besuch in Brandenburg erhielten sie gar eine anonyme Email mit Drohungen, die auch diesen bemerkenswerten Satz enthielt:

Früher war die Euthanasie die Feindiagnostik von heute! Werde selber Vater und bevorzuge gesundes Leben

Damit hat dieser -inzwischen identifizierte- Zeitgenosse ungewollt die Tragweite des historischen Ereignisses des nationalsozialistischen Krankenmordes bestätigt.

 

 

 

Ank.: Gedenkveranstaltung für die Opfer des NS-”Euthanasie”-Programms am 27.1.2015

Die Bundesbehindertenbeauftragte Verena Bentele lädt am 27.1.2015 zu einer Gedenkveranstaltung um 14:00 im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Um 12.30 besteht die Möglichkeit zu einer Führung durch die dortige Ausstellung, nach der Veranstaltung können die Teilnehmer zum Gedenk- und Informationsort an der Tiergartenstraße laufen oder fahren, um dort Kränze niederzulegen.

 

Hier die Einladung und Anmeldung als PDF.

 

Damit führt Frau Bentele eine Tradition ihrers Vorgängers im Amt, Hubert Hüppe, fort. Wir haben schon mehrfach über diese Veranstaltungen berichtet. Hier alle Beiträge dazu.

 

Entschädigung für Zwangssterilisationen in North Carolina

In den USA wurden bis weit in die 1980er Jahre hinein etwa 60.000 Menschen zwangsweise sterilisiert, die meisten von ihnen waren als psychisch krank oder geistig behindert eingestuft worden. Obwohl nach dem Zweiten Weltkrieg  die deutschen “Euthanasie”-Verbrechen in den USA bekannt waren, weiteten manche Staaten ihre Sterilisationsgesetze noch aus.

Copyright Lutz Kaelber. Die Grafik zeigt die Rate von Sterilisationen pro Hunderttausend.

Copyright Lutz Kaelber. Die Grafik zeigt die Rate von Sterilisationen pro Hunderttausend.

Nun bezahlt North Carolina den Opfern auf Antrag Entschädigungen. Der US-amerikanische Bundesstaat stellt 10 Millionen Dollar bereit und erreicht doch nur einen Teil der Opfer der  eugenisch begründeten medizinischen Eingriffe. NPR schildert in einem aktuellen Bericht (englisch, auch Audio) einen Fall einer Frau, die als 14-jährige einem Begutachtungsverfahren zum Opfer fiel und deren Akten auch erhalten sind. Allerdings scheinen es die falschen Behörden gewesen zu sein, die die Akten produziert hatten. Entschädigung wird nämlich nur bezahlt, wenn eine staatliche Behörde ihre Zustimmung gegeben hatte. Dies scheint im Fall der heute 72-jährigen Debra Blackmon nicht der Fall gewesen zu sein. Damit wird sie keinen Scheck über 20.000 $ erhalten.

 

Wem dies als Ausgeburt einer verworrenen Bürokratie oder als schlichten Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen, erscheint, der sei darauf verwiesen, dass die Gesetzeslage in Deutschland noch um einiger absurder ist. Die Homepage der AG Bund der Euthanasiegeschädigten und Zwangssterilierten gibt darüber detailliert Auskunft.

 

Dem an der Uni Vermont lehrenden Lutz Kaelber ist zu danken, dass er das Thema der eugenischen Sterilisationen in den USA mit seinen Sudent_innen aufarbeitet und die Ergebnisse online zur Verfügung stellt. Eine ähnliche Offenheit wäre auch der deutschen Forschung anzuempfehlen…

 

Dank an https://twitter.com/C_G_S fürs Aufmerksammachen.

 

Film “lebensunwert, unerwünscht” am 4.12. in der Topographie des Terrors

Der Regisseur Guillaume Dreyfus hat das Naheliegende getan und dabei doch Neuland beschritten: Er interviewte Zwangssterilisierte und Kinder von Menschen, die in der NS-”Euthanasie” ermordet wurden. Seine Interviewpartner hatten sich ab 1987 im Bund der Euthanasiegeschädigten und Zwangssterilisierten organisiert. Sie wollten Anerkennung und Entschädigung und wurden vielfach durch die Ablehnung von beidem noch einmal traumatisiert. Die Homepage des mitttlerweile in eine Arbeitsgemeinschaft überführten Bundes gibt detailliert Einblick in den Kampf mit gefühllosen Paragraphenrittern und die kleinen Erfolge, die dennoch errungen werden konnten.

Die Filmvorfühhrung ist eingebettet in eine Podiusdiskussion, an der neben dem Regisseur auch Michael Wunder und Margret Hamm als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft teilnehmen werden. Beginn ist um 19.00.

 

 

 

Neuerscheinung zum NS-Krankenmord in Mecklenburg und Pommern

Vor kurzem erschien ein Themenheft zur NS-”Euthanasie” der deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie und der Gesellschaft für Psychotraumatlogie, Traumatherapie und Gewaltforschung.

Trauma und Gewalt Themenheft

Trauma und Gewalt Themenheft

Die Autoren und Autorinnen widmen sich verschiedenen Aspekten einer Region, die besonders früh und in besonders intensivem Ausmaß vom NS-Krankenmord betroffen war. Wie Jan Armbruster und Harald J. Freyberger in ihrem einleitenden Artikel darlegen, ist dies wesentlich auf den Gauleiter Franz Schwede-Coburg zurückzuführen, der sich bei seinem Mentor Himmler gut stellen wollte, in dem er Anstalten räumen ließ und die Gebäude dann der SS zur Verfügung stellte. Für die Patienten und Patientinnen bedeutete das die Deportation in das soeben besetzte Polen und ihre Ermordung in Massenexekutionen. Kathleen Haack, Frank Häßler und Ekkehardt Kumbier füllen in zwei Aufsätzen zur “Euthanasie” und “Kindereuthanasie” in Mecklenburg eine große Forschungslücke. Rainer Stommer beschreibt die Führerschule der deutschen Ärzteschaft in Alt-Rehse als zentralen Ort der weltanschaulichen Schulung von Ärzten, Hebammen und Apothekern und aktuelle Bemühungen, dort einen Gedenkort einzurichten. Abschliessend stellt Robert Parzer neue Forschungen zur Organisationszentrale des NS-Krankenmordes an der Berliner Tiergartenstraße 4 vor.

 

Das Heft kostet 24 € und ist unter volltext.traumaundgewalt.de erhältlich. Dort können auch einzelne Artikel für 8 € erworben werden.

 

Fahrrad-Stadtspazierfahrt “Medizin ohne Menschlichkeit” 22.11.2014, Berlin

Der geschätzte Kollege Stefan Zollhauser wird am Samstag, den 22.11.2014 eine Fahrrad-Stadtspazierfahrt “Medizin ohne Menschlichkeit” anbieten. Die Stadtspazierfahrt beginnt um 11.00 an der Ecke Lehrter Straße/Invalidenstraße (vor Motel One) und endet ca. 2 Stunden später in der Nähe des Potsdamer Platzes. Bitte Fahrräder mitbringen.

Mitmachbeitrag 5-11€ je nach Finanzkraft und Laune.

 

Hier sein Ankündigungstext:


Woher kam die Idee des angeblich “lebensunwerten Lebens”? Welche Rolle spielte die Charité? Wie legitimierten die Täter ihre Morde? Und wer widersetzte sich der Aufforderung zur Tötung?
Das 20. Jahrhundert kennt zahlreiche Debatten über den Umgang mit Krankheit, Behinderung, Schwäche und Demenz. Die Nationalsozialisten radikalisierten diese Ideen und zwangssterilisierten und ermordeten zehntausende Berliner_innen.
Unsere Stadtspazierfahrt thematisiert die Diskussionen seit dem späten 19. Jahrhundert und führt uns zu Orten der nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungspolitik. Aber auch die zahlreichen Entschädigungsdebatten, die Nachkriegskarrieren der Täter_innen sowie aktuelle Fragen der Bioethik werden uns beschäftigen.