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Buchvorstellung: “Die Belasteten” am 7.3. in Berlin

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Die Belasteten S. Fischer Verlag

Die Belasteten S. Fischer Verlag

Update: Eine Leseprobe findet man hier

An diesem Donnerstag, dem 7.3.2013 ,wird Götz Aly in Berlins ein neues Buch vorstellen. Thematisch eine Auseinandersetzung mit der NS-Euthanasie, soll das Werk nach Auskunft des Autors eine Überarbeitung und Erweiterung von seit Mitte der 1980er Jahre verstreut erschienenen Artikeln und anderen Publikationen sein. Eigentlich sollte es das Buch nach Bekunden des Autors gar nicht geben: Noch vor etwa einem Jahr stellte er fest, dass seit seinen Publikationen(z.B. hier und hier) in den 80ern keinen nennenswerte Forschung mehr betrieben worden sei. Der damals vorgebrachte Widerspruch, immerhin seien seit damals unter anderem die Krankenakten vieler Ermordeter  aufgetaucht und ausgewertet worden, war natürlich ein valides Argument. Ob und wie Götz Aly dies berücksichtigt, kann im Alten Hörsaal der Nervenklinik an der Charite überprüft werden. Die Einladung hier zum Download. Das ZDF hatte vor kurzem ein Interview, (noch) hier zu finden.

Tagungsrückblick Tag Drei

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Gerrit Hohendorf sprach zu Beginn des dritten Tages über die Patientenmorde in der besetzten Sowjetunion und gab einen Einblick in ein lange unbeachtet gebliebenes Kapitel des Vernichtungskrieges im Osten. Besonders von Interesse waren die Ausführungen zu den Bemühungen um ein Gedenken im belarussischen Mogilev. Auch in der Diskussion wurde deutlich, dass niemand einen Überblick über die Vernichtungsaktionen selbst und das Gedenken daran hat -ein echtes Desiderat der Forschung!

 

Marcin Pryt lieferte dann mit seinem Bericht zu den Versuchen, in Lodz der Opfer der Krankenmorde im psychiatrischen Krankenhaus Kochanowka zu gedenken, einen heimlichen Höhepunkt der Konferenz ab. Nicht nur die unkonventionelle Herangehensweise bei der Spendensammlung für eine Gedenktafel (u.a. in Technoclubs und auf Punkkonzerten), sondern auch die Akribie, mit der die Mitglieder des Lodzer Künstlerkollektivs “Kosmopolitania”noch unerschlossene Aktenbestände bearbeiteten, beeindruckten. Nach der Überwindung vieler Hindernisse, darunter die totale Ignoranz der Lodzer scientific community  und der Politik, wird die Gedenktafel wohl im März diesen Jahres eingeweiht werden. Ein detaillierter Beitrag zu diesem ersten bürgerschaftlichen Gedenken in Polen überhaupt folgt in den nächsten Tagen

 

Im abschliessenden Panel diskutierten Robert ParzerStefanie Endlich und Michal Simunek über verschiedene Akzentuierungen des Begriffes der europäischen Perspektive des Gedenkens. Deutlich wurde, dass es zwar momentan eine Art Konjuktur des Themas NS-”Euthanasie” gibt, aber einerseits noch immer zu wenig Forschung für einzelne Regionen und Länder (z.B. Südosteuropa) betrieben wird, andererseits die vorhandene Forschung allzu oft unverbunden nebeneinander steht und keine Übersetzungen angefertigt werden.

Im Anschluss an die Tagung fand die offizielle Gedenkfeier des Bundesbehindertenbeauftragten statt. Die Beiträge der Konferenz wurden mit geschnitten. In den nächsten Tagen werde ich die Videos und Audiofiles hochladen.

 

 

Ausstellung und Kolloquium “Doppelt stigmatisiert” Berlin-Wittenau

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Doppelt Stigmatisiert

Doppelt Stigmatisiert

In der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Berlin-Wittenau wird am 1. März die Ausstellung “Doppel Stigmatisiert” eröffnet. Sie beleuchtet Schicksale jüdischer Psychiatriepatienten in Berlin zur NS-Zeit. Die Ausstellung ist Teil des Themenjahres “Zerstörte Vielfalt”.

Ebenfalls am 1. März findet ein hoch interessantes Kolloqium statt, das einen Blick auf das Berliner Anstaltswesen im Dritten Reich, auf verfolgte Ärzte und Patienten und auf ihre Verfolger richtet. Anmeldung ist bis zum 26.2 erwünscht. Hier die Einladung, der Flyer und das Programm des Kolloqiums. 

Die Hymne der (polnischen) Eugeniker

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Die Hymne der Eugeniker

Die Hymne der Eugeniker

 

Übersetzung

[Überschrift: Weckt das Verantwortungsbewußtsein gegenüber den zukünftigen Generationen, der Nation und dem Staat!]

 

Wir schreiten zur Sonne, zur Sonne/und strecken die Hände aus in den Raum/zur neuen Morgenröte hin/die menschliche Würde bis zum Ende zu stärken//In aller Welt wollen wir unser neues Testament verkünden/Unsere Losung sei “fähiges, schaffendes Volk”/Volk, das sein stolzes Haupt vor dem Feind nicht beugt!/das weder Sklaverei noch der Schmutz der Schande besudelt,/die Sippe der polnischen Eugeniker/unsere Legionen stärkt die Arbeit!

 

Klingt wie ein schlechter Scherz? Nein, die Quelle des oben präsentierten Ausschnittes ist der 1936 erschienene Sonderdruck “W trosce o przyszłość” [In Sorge um die Zukunft], im Juni 1936 in Warschau herausgegeben von der Polskie Towarzystwo Eugeniczne, also der Polnischen Eugenischen Gesellschaft. Online hier

 

In Polen gab es nach der Wiedererlangung der Staatlichkeit im Jahr 1918 eine sehr breit ausdifferenzierte eugenische Bewegung, die sich zunächst mit der chaotischen bevölkerungspolitischen Situation nach mehr als einem Jahrhundert der Teilungen befasste. Die von Medizinern, Publizisten und (wenigen) Politikern aufgeworfenen Thesen waren zunächst dieselben, die auch anderswo auf der Welt aufgestellt wurden: Die Biologisierung sozialer Probleme ging einher mit der Identifizierung von sozialen Gruppen, derer es entweder zu viele oder zu wenige gäbe. Auch durch den nahe liegenden Kontakt mit der deutschen Praxis und Theoriebildung radikalisierten sich Teile der polnischen eugenischen Bewegung und versuchten ab 1935, eine Gesetzgebung in Gang zu setzen, die auch Zwangssterilisationen erlaubt hätte. Auch antisemitische Zwischentöne waren zu vernehmen, wenn in dem im psychiatrischen Krankenhaus in Koscian heraugegebenen Blatt “Hygiena Psychiczna” [Psychische Hygiene] zu lesen war, dass Untersuchungen bewiesen hätten, dass polnische Schüler durchschnittlich bessere Leistungen brächten als jüdische. Auch das “Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” wurde eifrig nachgedruckt und diskutiert  -letztlich hatten all diese Bemühungen keinen Erfolg. Zu konservativ war die politische Elite, zu dominant der Einfluss der in Polen immer besonders wichtigen katholischen Kirche.

Im selben Zeitraum führten Norwegen und Schweden eine Sterilisationsgesetzgebung ein, ein Jahr später Finnland. Was das polnische Beispiel aber so interessant macht und gleichzeitig tragisch erscheinen lässt, ist der Umstand, dass der extreme Flügel der polnischen Eugenikbewegung zwar dem deutschen “vorbild” nacheiferte, aber sich gleichzeitig dessen bewusst war, dass die von ihnen verehrten deutschen Rassentheorethiker sie bei erstbester Gelegenheit als slawische “Untermenschen” qualifiziert hätten. Diese Gelegenheit bot sich dann im zweiten Weltkrieg, den viele polnische Mediziner nicht überlebten. Erst vor kurzem brach über ihre Rolle bei der Räumung polnischer psychiatrischer Krankenhäuser durch deutsche Wehrmachts- und SS-Einheiten ein heftiger Streit aus. (nachzulesen hier).

 

Diese Geschichte ist also noch nicht zu Ende. Die Versuche des Flügels der polnischen Eugeniker, die Eugenik vor allem als Sexualerziehung und “bewusste Eheschlieführung” mit Zugang zu Verhütungsmitteln  verstanden, werden heute in der polnischen rechtsgerichteten Presse mit einer Vehemenz kritisiert, die einen ausländischen Beobachter nur mit Verwunderung zurücklässt.

Interessant wäre es natürlich auch zu erfahren, ob es auch anderswo solche Hymnen gab und ob sie denn nur auf dem Papier standen oder tatsächlich muskalisch unterlegt und gesungen wurden. Über einen Austausch darüber würde ich mich freuen.

 

Ausgewählte Literatur zum Thema:

 

Artur Hojan: Dr Bielawski i eugenika. Koscian 2009.

Magalena Gawin: Progressivism and Eugenic Thinking in Poland 1905-1939. In: Marius Turda und Paul Weindling (Hg.): Blood and Homeland. Budapest/New York 2007.  S. 167-185.

Magdalena Gawin: Rasa i Nowoczesność. Historia polskiego ruchu eugenicznego. Warszawa 2003.

 

 

Rezension: Robert Krieg u. Daniel Daemgen: “… und über uns kein Himmel”

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Maria Blume,  die Frau eines Fabrikarbeiters im Saarland, wird als Folge einer außerehelichen Affäre schwanger. So wird Fritz geboren. Den Misshandlungen ihres Ehemannes versucht Maria zu entkommen, indem sie mit den drei jüngsten Kindern “ins Wasser geht”. Fritz überlebt und wird nun zum “Heimkind Fritz Blume”. Wir schreiben das Jahr 1936. – Sein Lebenslauf bis in die 50er Jahre ist der eindrucksvolle Inhalt der graphic novel “… und über uns kein Himmel…” von Robert Krieg (story) und Daniel Daemgen (Zeichnung). Der Comic-Strip ist längst erwachsen geworden, spätestens seitdem Art Spiegelman das Schicksal seiner Familie in dem bahnbrechenden, damals umstrittenen Werk “Maus – die Geschichte eines Überlebenden” auf neue Weise visualisiert hatte. Die Fabel vom Überleben im Holocaust hat die innovative, eigenständige Kunstform des XX.Jahrhunderts, die Bildergeschichte (auch der Zeichentrickfilm gehört dazu!) für die Auseinandersetzung mit den Jahrhundert-Verbrechen genutzt.

 

Fritz Blumes Überleben in den Institutionen öffentlicher Fürsorge ist eher ein Unterleben: Misshandlung im Waisenhaus, harte Zwangsarbeit in einer Provinzial-Heilanstalt. Die Geschichte beschreibt die rasseideologische Radikalisierung in den Institutionen, die vielleicht nur ein ideologisches Mäntelchen für Sadismus ist. Den anvertrauten Menschen wurde das „radikal Böse“ (Hannah Arendt) angetan. Deutlich wird auch, dass die “Euthanasie”-Morde nicht ohne die vorauseilende Hilfe der “Wohl-Täter” in schwarzen und weißen Kitteln möglich waren. Mehr als 200.000 Menschen werden aus den Anstalten abtransportiert und ermordet. Fritz Blume ist einer der wenigen Überlebenden. Verstörend an seiner Lebensgeschichte ist auch die Kontinuität der Abwertung, Entrechtung von “Heim-Insassen” bis in die Bundesrepublik der 50er Jahre. Im Nachwort heißt es dazu: ” In einer Zeit ungebrochener ideologischer Muster der NS-Zeit, entnazifizierungsbedingter Larmoyanz und fehlender Empathie” (Prof. F.W.Kesting) blieben die Patienten der Willkür des Anstaltspersonals ausgesetzt. Fritz Blume wird nun entlassen in die aufziehende “Wirtschaftswunder”-Gesellschaft.

Das Buch ist eine Montage aus Original-Dokumenten und eindrucksvollen Zeichnungen. Seitenanordnung und Panels visualisieren die Sichtweise eines Kindes auf eine Welt, mit gebrochenen Kreuzen an den Wänden und darüber kein Himmel.

Das Buch gibt einen gut dokumentierten, zur Teilnahme anregenden Zugang zu einem finsteren, gerne ausgeblendeten Teil unserer Geschichte. Es unterstreicht auch, wie überfällig die Arbeit des „Runden Tisch Heimerziehung“ gewesen ist, an dem (vielleicht unzulänglich) versucht wurde, dieses institutionalisierte Unrecht aufzuarbeiten.

 

Robert Krieg u. Daniel Daemgen: und über uns kein Himmel. Verlag Graswurzelrevolution, 2012.

 

(c) Reinald Purmann

Tagungsrückblick: Tag Zwei

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Margret Hamm eröffnete den zweiten Tag mit einem Vortrag zum Kampf von Zwangssterilisierten und „Euthanasie“-Geschädigte  Anerkennung und Entschädigung. Dabei konstatierte sie eine fehlende Bereitschaft der politisch Verantwortlichen, für eine Anerkennung der Opfer als rassisch Verfolgte zu sorgen. Die im Jahr 2011 vom Bundestag beschlossenen Verbesserungen bei der Entschädigung seien durch eine sehr restriktive behördliche Praxis entwertet.

 

Anne Christin Plate moderierte im Anschluss die Preisverleihung des Schülerwettbewerbs “andersartig gedenken”. Dabei setzten sich die Schüler mit dem Thema NS-”Euthanasie” auseinander und waren aufgefordert, Ideen für ein Denkmal zu entwickeln. Eine hochkarätig besetzte Jury (u.a. mit Stefanie Endlich und Andreas Knitz, einer der beiden Gestalter des Denkamals der Grauen Busse) wählte insgesamt fünf Preisträger aus, die vom Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, mit Geldpreisen prämiert wurden. Eine Übersicht über die eingereichten und prämierten Ideen findet sich hier, ein Interview mit der Jurorin Stefanie Endlich hier.

 

Ralf Sroka gab nach der Mittagspause einen Überblick über die Ausschreibung zum Wettbewerb für den Gedenk- und Informationsort Tiergartenstraße 4. Er betonte die Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion des Grundstückes, das mittlerweile komplett von der Berliner Philharmonie und einer Bushaltestelle überformt wurde. Bei den Recherchen gelang es, bisher unbekannte bzw. wieder vergessene Fotos der Villa aufzuspüren, von der aus der NS-Krankenmord zum großen Teil gesteuert wurde.

 

Ursula Wilms präsentierte dann den von ihr selbst sowie von Nikolaus Koliusis und Heinz W. Hallmann  konzipierten Siegerentwurf. Mehr dazu hier

 

Nach der Mittagspause stellte der Verfasser dieser Zeilen Überlegungen dazu vor, wie soziale Medien und die zunehmende Digitalisierung von Daten von Opfern der NS-”Euthanasie” Praktiken des Gedenken verändern. Ich kam dabei zum Schluss, dass die Gedenkstätten in Deutschland im Vergleich mit ähnlichen Institutionen im Ausland, v.a. in Polen und den USA im Hintertreffen sind, was die Zugänglichkeit zu Daten betrifft. Eine aufgeworfene Frage war, ob und wie lange sich Gedenkstätten noch dem offenen Zugang zu Sterbebüchern versperren können.

 

Bernhard Selting brachte dann die Perspektive von Angehörigen ein, in dem er über das Leben seines Onkels Paul Verhalen sprach, der in Brandenburg/Havel ermordet wurde. Eine detaillierte Recherche erlaubte einen ebenso faszinierenden wie bedrückenden Bericht, der auch bereits in Buchform erschienen ist. Er führte noch einmal vor Augen, aus was für einem breiten Spektrum die Opfer des NS-Krankenmordes kamen.

 

Ilja Seifert führte in einem kurzen Statement aus, dass es trotz der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention teilweise immer noch Probleme mit der barrierefreien Zugänglichkeit von Gedenkstätte gäbe. Er nannte einige Probelmfälle in Deutschland, wo vor allem immer wieder ausfallende Liftanlagen und fehlende Rampem Menschen im Rollstuhl behindern, verwies aber auch auf kleine Erfolge wie dem barrierefreien Umbau einer Gedenkstätte in Belarus.

Uta George führte den Gedanken der Barrierefreiheit an Gedenkstätten dann fort und referierte über die Bildungsarbeit an NS-”Euthanasie”-Gedenkstätte für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Mittleweile gäbe es Angebote für diese Zielgruppe, etwa Kataloge in Leichter Sprache oder Seminare und Workshops. Sie betonte, dass sich der pädagogische Blick ändern müsse, ansonsten führe die Arbeit nicht zu Empowerment, sondern zu einer Bestätigung des Status Quo.

 

Jana Hoeftmann und Enrico Schaffrath sprachen über ihre Arbeit an den Wettbewerbsunterlagen für den Gedenk- und Informationsort Tiergartenstraße 4, die in der “Übersetzung” in Leichte Sprache bestand. Dabei führten maximal 3 Textebenen zu einem reduzierten Gesamtumfang mit 36 Seiten. Individuelle Handzeichnungen ergänzten das Angebot (siehe hier). Kurze Sätze, einfacher Satzbau, die Verwendung der aktiven Zeitform und  direkte Ansprache seien essentiell wichtig.

 

Mark Zaurov und Helmut Vogel stellten zum Abschluss die Gebärdensprachvideos auf www.gedenkort-t4.eu vor. Es handle sich um die ersten Gebärdensprachfilme, die zum Thema NS-”Euthanasie” informierten. Die Übersetzung sei wie in jede andere Fremdsprache zu leisten, wobei explizit erwünscht war, das wissenschaftliche Niveau des Textes auch in der Übersetzung zu verwenden. Hier der Link: http://gedenkort-t4.eu/de-sg/vergangenheit/aktion-t4.

 

 

 

Tagungsrückblick: NS-”Euthanasie” in europäischer Perspektive, Tag 1

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Der Paritiätische Wohlfahrtsverband Berlin veranstaltete vom 28.1.2013 bis zum 30.1.2013 unter der Schirmherrschaft des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Hubert Hüppe die von der Stiftung EVZ und der Europäischen Union geförderte Konferenz “NS-”Euthanasie” in europäischer Perspektive”.

 

Die Tagung begann mit Grußworten des Schirmherren Hubert Hüppe, der Vorsitzenden des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, Barbara John, und des Vorstandes der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft, Günther Saathoff.

 

Das erste Referat hielt Christoph Kopke. Er gab einen Überblick über die nationalsozialistischen “Euthanasie”-Verbrechen von den ideengeschichtlichen Grundlagen über die Zwangssterilisationen, die Aktion T4 bis hin zur Verweigerung von Entschädigung und Anerkennung in der Nachkriegszeit und fast bis auf den heutigen Tag.

 

Stefanie Endlich fokussierte auf Formen von Erinnerung an die nationalsozialistischen Krankenmorde in Deutschland und konstatierte eine bürgerschaftliche Grundierung des Erinnerns, wie es letztlich auch noch in dem beschlossenen Denkmal an der Tiergartenstraße in Berlin zum Ausdruck kommt, das ohne den von einer Angehörigen eines Opfers mitgegründeten Runden Tisch T4 nicht möglich gewesen wäre. Ein sehr interessanter Aspekt war der Ausblick auf Planungen, das Denkmal der grauen Busse nach Poznan und damit an den Ort der ersten Vergasungen von Menschen mit Behinderungen zu bringen.

 

Ulrich Baumann stellte in seinem Vortrag verschiedene Erinnerungsorte in Europa vor, die dem Gedenken an die Opfer des NS-Krankenmordes gewidmet sind. Dabei spannte er einen weiten Bogen von Belarus bis Frankreich, machte aber auch darauf aufmerksam, dass die Kartierung noch unvollständig ist und dies eine der Aufgaben einer zukünftigen Website sein soll, die mit dem Gedenk- und Informationsort an der Tiergartenstraße zu verknüpfen sei.


Für den erkrankten Helmut Vogel las Robert Parzer dessen Vortrag vor. Er stellte das Schicksal zweier hörbehinderter und psychisch kranker Opfers der NS-”Euthanasie” vor. Dabei wurde deutlich, dass das Kriterium der Arbeitsfähigkeit auch für diese Opfergruppe entscheidend für ihre Überlebenschancen war. Vogel stellte auch widersprüchliche Angaben in Patientenakten vor und ermunterte zu einen genauem Studium dieser Quellen.

Mark Zaurov stellte nach der Kaffeepause die widersprüchliche Rolle von Gehörlosen im Dritten Reich vor: Einerseits von Zwangssterilisierungen betroffen und als gehörlose Juden doppelt stigmatisiert, gab es andererseits auch eigene Gehörlosen-Abteilungen in NSDAP- und SA-Formationen. Er betonte die Bedeutung der Erinnerungsarbeit für Gehörlose.

 

Michal Simunek stellte die Ergebnisse seine Forschungen zur NS-Euthanasie im Sudetengau und Protektorat Böhmen-Mähren vor. Einen besonders interessanten Aspekt stellten die Verlegungen jüdischer Patienten aus dem Altreich in das Ghetto Theresienstadt und von dort weiter in den Osten -etwa nach Maly Trostenez dar. Nur 17  jüdische Patienten des Protektorats überlebten den Krieg.

 

Artur Hojan stellte einen gemeinsam mit Cameron Munro erarbeiteten Vortrag zum Krankenmord im besetzten Polen vor. Er plädierte für einen sehr vorsichtigen Gebrauch von Begriffen wie “”Euthanasie”maßnahmen” oder Krankenmord und wandte sich gegen eine Einbeziehung von Liquidierungen jüdischer Spitäler in Untersuchungen zu dem Thema, da er diese den antijüdischen Maßnahmen des NS-Regimes zuordnete und nicht denen, die spezifisch gegen Behinderte und psychisch Kranke gerichtet waren.

 

Kornel Miglus gab  eine Einführung zum Film “Szpital Przemienia” (Hospital der Verklärung), der den ersten Tag der Konferenz  abschliessend gezeigt wurde.

 

 

 

Online: Der Vortrag von Artur Hojan und Cameron Munro

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Artur Hojan und Cameron Munro hielten auf der Konferenz den Vortrag zur NS-”Euthanasie” im Warthegau. Es war eine beeindruckende Präsentation jahrelanger Forschungen in Archiven weltweit, die sie zum Schluss brachten, dass die Bezeichnungen “Euthanasie-Morde” oder gar “Aktion T4″ für das, was im Warthegau, in Danzig-Westpreussen und im Generalgeouvernement passierte, kaum zutreffen. Hier der Link zu einer Transkription ihres Vortrages, inklusive der gezeigten Folien [in Englisch]:

http://tiergartenstrasse4.org/lecture.html

Some visual impressions from the conference

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All fotos (c) Siegurd Seifert

Link zum heutigen Livestream:

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Beginn 9.30: http://www.ustream.tv/channel/konferenz-ns-euthanasie-in-europ%C3%A4ischer-perspektive

Hier der Link zum heutigen Livestream

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http://www.ustream.tv/channel/konferenz-ns-euthanasie-in-europ%C3%A4ischer-perspektive

Der Link zum Livestream heute:

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http://www.ustream.tv/channel/konferenz-ns-euthanasie-in-europ%C3%A4ischer-perspektive

Programmbeginn um 10.00!

Der Link zum heutigen Livestream:

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Der Link zum Livestream heute: http://www.ustream.tv/channel/konferenz-ns-euthanasie-in-europ%C3%A4ischer-perspektive

Livestream für heute zu Ende

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morgen geht es weiter! Vielen Dank fürs Zuhören.

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Der Livestream ist für heute beendet -morgen geht es weiter!